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Geschichte: 11. Klasse | Frühe Bundesrepublik

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Frühe Bundesrepublik - Erfolg durch Wohlstand?

Lehren aus der Weimarer Zeit

„Fehler“ der deutschen Geschichte Konsequenzen für das Grundgesetz
Verfolgung und Vernichtung von Millionen von Menschen durch die NS-Diktatur unbedingter Schutz von Menschenrechten; „Ewigkeitsklauseln“; Einrichtung des Bundesverfassungsgerichts
Ende der Weimarer Republik: Regierung ohne Parlamentsmehrheit, vorzeitige Parlamentsauflösung und häufige Regierungswechsel Einrichtung der 5%-Hürde; konstruktives Misstrauensvotum; Kontinuität in der Regierungsarbeit
Nebeneinander von präsidialen und parlamentarischen Elementen Parlament als Zentrum der politischen Entscheidungsgewalt
Reichskanzler: schwache Position; Abhängigkeit vom Reichspräsidenten Bundeskanzler: starke Position; Abhängigkeit vom Vertrauen des Bundestages
Reichspräsident: „Ersatzkaiser“ Bundespräsident: repräsentative Aufgaben

Die „5 Ds“

Am 2. August 1945 trafen sich die Alliierten in Potsdam zur Potsdamer Konferenz, um dort gemeinsam über die Zukunft Deutschlands zu diskutieren. Dabei wurden verschiedene Beschlüsse im Potdamer Abkommen gemacht, die man insgesamt als die „5 D“s zusammenfassen: Demokratisierung, Denazifizierung, Demontage, Demilitarisierung, Dezentralisierung.

Weiterhin wurden folgende Dinge beschlossen:

Das Wirtschaftswunder

Definition

Unter dem Begriff des Wirtschaftswunders versteht man die Bezeichnet für den raschen wirtschaftlichen Aufschwung in den 1950er bis Mitte 1960er Jahre. Dabei gab es folgende tragende Elemente:

Ursachen

Zum einen spielte die Währungsreform eine wichtige Rolle. Zum anderen wurde Deutschland durch den Marshallplan unterstützt. Durch den Koreakrieg kam es 1950-1953 zum sogenannten „Koreaboom“, bei dem die Nachfrage nach deutschem Stahl stark anstieg. Zudem liberalisierte sich der Weltmarkt, wodurch mehr expotiert werden konnte.

Gesellschaftlicher Wandel in der frühen BRD

Wandel der Mentalitäten

Die Menschen zogen sich in der Nachkriegszeit bis in die 1950er Jahre vermehrt ins Private zurück und richteten ihr Leben auf ihre Arbeit aus. Dabei konzentrierten sie sich besonders auf die Überwindung der Not, was oft mit einer Desinteresse an der Politik verbunden war (nicht zu verwechseln mit einer Demokratiefeindschaft).

Am Ende der 1950er Jahre wurde die Gesellschaft mit der Amerikanisierung liberaler. Dabei übernahmen die Deutschen diverse Konsumgüter der Besatzungssoldaten. Zeitgleich verschwanden obrigkeitsstaatliche Denk- und Verhaltensmuster.

Schließlich gab es einen Bedeutungsverlust der Normen und Werte wie Disziplin und Gehorsam; stattdessen standen die Selbstentfaltungsideale wie Emanzipation, Mitbestimmung und Individualismus im Vordergrund.

Frauen

Frauen mussten nach dem Krieg Schwerstarbeit bei der Schuttbeseitigung („Trümmerfrauen“), in Fabriken und auf Baustellen leisten. Die Familien wurden zusätzlich durch Notgemeinschaften belastet. Die Frauen mussten zudem die Existenzsicherung übernehmen, da viele Männer durch Betriebszerstörungen oder durch Flucht und Vertreibung arbeitslos waren.

Jedoch gab es bis in die frühen 1960er Jahre das Ideal der nicht berufstätigen, sich um Ehemann und Kinder sorgende Ehefrau und Mutter. Durch Ehe- und Familienrechtsreformen in den Jahren 1957 und 1959 gab es (de iure) kein Patriarchat mehr in der Familie. Aber erst mit einer weiteren Reform 1976 war die Hausfrauenehe nicht mehr das Leitbild.

Flüchtlinge und Vertriebene

Durch die Bildung des kommunistischen Systems in ehemaligen deutschen Gebieten nahm die Bereitschaft zur Rückkehr ab. Die rechte Partei „Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ (1952) sprachen sich für eine Rückkehr in die Herkunftsländer aus und war in den 1950er Jahren in Landtagen und zeitweise im Bundestag vertreten.

Circa 80% der Flüchtlinge siedelten sich in Gemeinden und Kleinstädte an, wodurch diese strukturschwachen Gebiete zusätzlich belastet wurden. Von den Deutschen wurden sie meist abgelehnt; es kam zu Spannungen wegen der unterschiedlichen Herkunft, Konfession und Bildung.

In den 50er-Jahren zogen sie meist in die Regionen mit einem großen Arbeitskräftebedarf (z.B. Nordrhein-Westfalen). Durch das Wirtschaftswunder wurde die Integration beschleunigt, was auch durch staatliche Bauprogramme u.ä. unterstützt wurde. Dies führte zu einer Abnahme der Konflikte.

Der Wille nach Aufbau und Aufstieg der Vertriebenen trug zur Integration und zur Modernisierung der Wirtschaft und Gesellschaft bei. In den 1950er Jahren verbesserte sich zudem die wirtschaftliche Situation.

Abschwächung der Klassengesellschaft

Durch das Wirtschaftswunder und durch die Sozialpolitik nahm der Wohlstand zu und die Klassengegensätze ab. Es kam während der „Entproletarisierung“ der 50er-Jahre zu keiner Gleichstellung, aber zu einem Aufstieg der Arbeiter durch Lohnerhöhungen. Zudem gab es Aufstiegsmöglichkeiten durch Bildung, Beruf und Leistung.

Die Arbeiter fühlten sich der Mittelschicht zugehörig wegen der verbesserten Lebensstandards und der sozialen Absicherung. Der Soziolog Helmut Schelsky spricht von einer „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ aufgrund der abnehmenden sozialen Unterschiede und der vorherrschenden mittelstänischen Muster.

Dabei muss man beachten, dass eine Sozialstruktur nicht auf Selbsteinschätzung beruhen dürfe, sondern dass objekte Daten berücksichtigt werden müssen. Der Soziologe Ralf Dahrendorf sah Deutschland als eine „Schichtungsgesellschaft“ mit sozialen Unterschieden.

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