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Geschichte: 12. Klasse

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Wurzeln europäischer Denkhaltungen und moderner Politik

Anfänge modernen Denkens im antiken Griechenland

Abschied von mythischen Weltbildern

Im archaischen Griechenland (8. Jh. bis 6. Jh.) prägten Mythen wie der Raub der Europa das Weltbild. Diese waren Überlieferungen in Form von Legenden sowie Götter- oder Heldensagen, die sich an Traditionen und Autoritäten orientierten.

Ab dem 6. Jh. verloren sie aber an Bedeutung und es setzte sich kritisches Denken durch. Als Grundlage diente die Erfahrung und Vernunft, um so nachvollziehbare und überprüfbare wissenschaftlich-rationale Erklärungen liefern zu können.

Gleichzeitig entwickelten sich der Handel und die Seefahrt und Städte wurden gegründet. Dadurch kam es zum Austausch mit anderen Kulturen und Völkern, Sitten und Bäche gingen zurück und die Suche nach neuen Erklärungen führte zur Entstehung der antiken Wissenschaften.

Rationalität

Die antiken Philosophen versuchten Theorien zu entwickeln, wodurch sie die Welt zu erklären versuchten. Als erster zählt Thales von Milet (624-547), der das Wasser als Urgrund der Natur ansah. So schwimme die Erde auf dem Wasser; aber auch für die periodischen Nilüberschwemmungen hatte er eine rationale Erklärung, indem er auf die Naturkräfte verwies.

Dem gegenüber vertrat zum Beispiel Empedokles (495-435), dass die ganze Materie aus den vier Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft bestünde. Nach Heraklit (550-480) gab es ein Grundprinzip, das die Welt durchdringt und sich im Wandel und Vergehen zeigt: der Kampf von gegensätzlichen Kräften und Interessen.

Empirie

Die erst seit der Neuzeit hoch angesehene Empirie bezeichnet die Erkenntnisse, die man durch den Gebrauch oder durch den Umgang mit Objekten erlangt. Bei den griechischen Philosophen – insbesondere Platon (427-347) – war sie jedoch nicht sehr beliebt, da sie lediglich nach dem „Warum?“ und nicht nach dem „Wie?“ fragt.

Trotz dieses Missfallens nutzten die Philosophen die Empirie. Aristoteles (384-322) kategorisierte zum Beispiel systematisch Tierarten, um eine umfassende Theorie über Lebewesen aufzustellen. Er gliederte die Empirie in fünf Schritte: Zunächst hat man eine Sinneswahrnehmung bzw. Beobachtung, die zu einer Erinnerung wird. Bei einer Wiederholung entwickelt sich eine Erfahrung, die nach einer Verallgemeinerung zu einer Theorie wird.

Diskurs

Die Wahrheitsfindung lag für die Sophisten im 5. Jh. jedoch im Mittel des Diskurses, bei denen in Dialogen auf Grundlage von logischen Argumenten Sachverhalte kritisch beleuchtet wurden. So verwarfen sie die Idee einer starren Moral und wurden zu den ersten Aufklärern.

Das kulturelle Erbe des Imperium Romanum

Weitergabe der antiken Kultur

Anicius Manlius Severinus Boëtius (480-524) war einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit. Er übersetzte die griechischen Philosophen ins Lateinische und erarbeitete seine eigene Philosophie („De consolatione philosophiae“). Seine Schriften wurden im 10. Jahrhundert wiederentdeckt, wodurch im Mittelalter das antike Wissen wieder bekannt wurde; dadurch erlangte Boëtius historische Bedeutung.

Durch den Untergang des (West)Römischen Reiches ging die Vielfalt von Literatur, Philosophieschulen, Bildungseinrichtungen und Religionen verloren. Sie wurde jedoch bereits im Mittelalter wiederentdeckt. Dabei spielte das Christentum eine wichtige Rolle. Obwohl hohe Vertreter die pagane Lehre ablehnten, bewahrte die Kirche doch alte Schriften auf. In den Klöstern wurde durch Handschriften das Wissen erhalten und sogar verbreitet.

Gegner der antik-paganen Überlieferung

Obwohl die paganen Traditionen stetig zurückgingen, entschied 398 das Konzil von Karthago, dass Bischöfe keinerlei heidnischen Texte lesen dürfen, da die Gefahr bestünde, dass ihr Glaube erschüttert werden könnte. So lehnten auch Martin von Tours (316-397) – besser bekannt als Heiliger Martin – und der für die weitere Entwicklung bedeutende Papst Gregor der Große (590-604) die antike Weltanschauung ab.

Aurelius Augustinus (354-430) sah zwar das pagane Wissen als falsch und gefährlich an, sprach sich aber für eine „kluge“ Aufnahme aus. Wichtig dabei sei aber, sich von den Mythen zu lösen und Brauchbares der Erkenntnisse und der Kulturen anzuwenden. Er erkannte auch einige Übereinstimmungen zwischen dem Christentum und der neuplatonischen Lehre in seinem Werk „De civitate dei“ („Vom Gottesstaat“).

Bewahrung antik-paganer Traditionen

Flavius Magnus Aurelius Cassidorus (490-583) sammelte Handschriften, unterrichtete Mönche und verpflichtete sie zum Abschreiben. Für ihn war Glück nur durch Literaturkenntnis denkbar. Sidonius Appollinaris (430-490) schätzte die klassische Bildung sehr; für ihn bedeutete Bildung Mensch-sein.

Klöster waren aber die Bewahrer der klassischen, antiken Bildung. Trotz ihres Misstrauens gegenüber den paganen Traditionen vermittelten sie das Wissen, während sie eine Verpflichtung gegenüber der christlichen Bildung dem Glauben hatten.

Die Klöster hatten insbesondere folgende Aufgaben: Vermittlung von Wissen, Formen einer sittlichen und moralischen Persönlichkeit der Mönche, Schulung und Disziplin der Mönche sowie (mit einem hohen Stellenwert) Abschreiben von Handschriften.

Römisches Recht

Das römische Recht wurde durch Kaiser Iustinian (527-565) im Codex Iustinianus 529 kodifiziert. 533 wurden die Digesten, eine Überarbeitung des Codex, und die Iustiniani Institutiones, ein Lehrbuch für das Privatrecht, verabschiedet. 534 wurden die drei Sammlungen in Einklang gebracht.

Im 11. Jahrhundert wurde das Werk in Italien wiederentdeckt. Es wurde zunächst in Bologna und anschließend in ganz Europa an den Universitäten gelehrt und angepasst. Durch den hohen Abstraktionsgrad des römischen Rechts setzte es sich schnell durch. Gleichzeitig wurde im kirchlichen Bereich das kanonische Recht eingeführt.

Das gelehrte Recht verdrängte ab dem 15. Jahrhundert zunehmend das einheimische, was durch die Rezeption begünstigt wurde, woraus sich das Ius Commune („gemeines Recht“) bildete. Die Rezeption beinhaltete die Rationalität, Rationalisierung und die Romidee.

Das 1495 von Maximilian I. eingeführte Reichskammergericht wandte das römische Recht angepasst an. 1582 wurde das kanonische Recht als Corpus Iuris Canonici und 1583 der Codex Iustiniani, die Digesten und die Iustiniani Institutiones zusammen mit Novellen als Corpus Iuris Civilis neu veröffentlicht.

Vom 16. Jahrhundert bis in das 18. Jahrhundert wurde der Usus modernus pandectarum angewandt; dabei wurden die beiden „Corpora iura“ mit dem heimischen Recht verglichen, wodurch das Ius Commune an Bedeutung verlor.

Am 1. Januar 1900 wurde im Deutschen Reich das BGB eingeführt. Darin ist das römische Recht noch als Grundlage erkennbar, was jedoch zu einer starken Kritik führte. Im Dritten Reich wollten die Nationalsozialisten das Gesetzbuch sogar abschaffen, weil es ihnen zu „römisch“ war.

Insgesamt ist erkennbar, dass das römische Recht an sich weniger wichtig wird. Begrifflichkeiten werden aber weiterhin bleiben. Das römische Recht ist dennoch die Basis fast aller westlichen Rechtsordnungen.

Grundlagen moderner politischer Ordnungsformen

Trennung weltlicher und geistlicher Macht

Das priesterkönigliche Selbstverständnis der Monarchen

751 wurde Pippin III. von Bischof Chrodegang mit Zustimmung des Papstes zum König Pippin I. gesalbt; zuvor war er Hausmeier im Merowingerreich (major domus). 754 wurde der Pakt von Quiery beschlossen, nach dem Pippin zum Schutzherrn über die Kirche (patricius romanorum) wurde.

Seitdem wurde durch die Königssalbung das Gottesgnadentum als Legitimation angesehen, wodurch die Königsherrschaft einen sakralen Charakter bekam: Zum einen war das Königtum von Gott geschaffen (gratia dei), zum anderen hatte der König eine priesterähnliche Verantwortung als rex et sacerdos („Teilhabe an unserem Bischofsamt“, „Lenker der Seelen“).

Diese Verwebung von weltlicher und kirchlicher Macht wurde durch die Erweiterung zum Kaisertum von Karl dem Großen verstärkt: Der ostfränkische Kaiser verpflichtete sich dazu, die Kirche zu schützen und das Christentum zu verbreiten.

Ottonisch-salische Zeit

Unter der Herrschaft der Salier und Ottonen (919-1125) verschärfte sich die Sakralisierung. Es gab ein Reichskirchensystem, in dem der König Herr über alle kirchlichen Einrichtungen war. Dabei dienten Bischöfe und Äbte als Machtstützen, indem sie weltliche Macht bekamen. Die weltlichen Herrscher hatten durch die Investitur (Einsetzung der Geistlichen) einen starken Einfluss auf die Kirche.

Der Investiturstreit
Bedeutung

Diese enge Verzahnung führte zu Machtkämpfen zwischen der Kirche und dem Staat. Durch den Investiturstreit (1075-1122) änderte sich das Verhältnis von Kirche und Staat drastisch. Die religionspolitischen Auseinandersetzungen beschleunigten schließlich die Trennung weltlicher und geistlicher Macht.

Dieser Wandel ist mit dem Begriff der „Entzauberung“ (Max Weber), des Rationalisierungsprozesses, erklärbar. Merkmale sind dabei die Ausbreitung rational-empirischer Erkenntnisse, die verstärkte Rationalisierung durch Wissenschaft und der wachsende Verlust und Zerfall des Glaubens.

Ursachen

Die Investitur ist die Amtseinführung von Bischöfen und Äbten durch Übergabe des Rings und des Stabs. Die weltlichen Herrscher übernahmen diese Einsetzung, der König weihte sogar die Erzbischöfe. Dadurch war der Klerus für das Königtum und den weltlichen Herrschaftsanspruch bedeutend.

Im 11. Jahrhundert kam es zu einer kirchlichen Reformbewegung, die eine Rückbesinnung auf die alten Ideale (Armut, Gebet, Gottesdienst) forderten. Sie lehnte auch die Einbindung in die weltlichen Herrschaftsstrukturen und der Simonie (Kauf und Verkauf kirchlicher Ämter) ab. Die Bewegung erreichte auch eine Pflicht des Zölibats für Priester (von Papst Innozenz II. (1130-1143) eingeführt). Letztlich lehnten sie sogar den sakralen Charakter des Königtums ab.

Anlass und Verlauf

Die Einsetzung des Mailänder Erzbischofs im Jahre 1075 durch König Heinrich IV. (1056-1106) führte zum Investiturstreit. Schon Heinrich III. setzte Päpste ein und ab; nach Papst Gregor VII., einem Anhänger der Reformbewegung, war die Wahl des Erzbischofs nicht legitim und forderte eine kanonische Wahl.

Da sich Heinrich dem Gehorsam verweigerte, wurde er 1076 exkommuniziert. Die Fürsten stellten ein Ultimatum von einem Jahr: Sollte der Bann nach dieser Zeit nicht aufgehoben worden sein, würden sie einen neuen König wählen.

1077 trat Heinrich daraufhin den Bußgang nach Canossa an, um dort beim Papst um Vergebung zu bitten. Gregor – durch die Buße dazu gezwungen – hob daraufhin den Kirchenbann auf; jedoch wurde der Konflikt weitergeführt.

Ergebnis und Folgen

Heinrich IV. (Reg. 1106-1125) und Papst Calixt II. (1119-1124) unterzeichneten 1122 das Wormser Konkordat. In diesem wurden Temporalien (weltliche Güter und Rechte) und Spiritualien (geistige Güter und Rechte) voneinander getrennt. Zudem wurde festgelegt, dass die Investitur nach dem Prinzip der kanonischen Wahl verlaufen sollte, wobei der König weiterhin großen Einfluss hatte.

Durch den Investiturstreit begann in Europa die Trennung weltlicher und geistlicher Macht. Durch die Entsakralisierung und der damit verbundenen fehlenden (religiösen) Legitimation der Monarchie entstand die Politik als eigenständiger Bereich.

Außerdem gewann auf staatlicher Seite die Rationalität als Ersatzrechtfertigung (Recht, Gerechtigkeit, Gesetzgebung) an Bedeutung und wissenschaftliche Methoden der Wahrheitsfindung wurden etabliert. Auf kirchlicher Seite wurde ihre Instanz aufgewertet und Rom entwickelte sich zum Autoritätszentrum der christlichen Kirche in Europa; das Bild der Eigenkirchen verblasste.

Das Prinzip des Föderalismus: Der Reichstag im Heiligen Römischen Reich

Föderalismus

Unter Gewaltenteilung versteht man die Trennung staatlicher Macht auf mehrere Personen bzw. Institutionen. Sie gliedert sich in die horizontale und vertikale. Während Erstere die „Aufsplittung“ in Legislative, Exekutive und Judikative bezeichnet, wird durch die vertikale Gewaltenteilung der Föderalismus beschrieben.

Dieser stellt eine dezentrale Staatsorganisation dar, die in einen Zentralstaat, in Gliedstaaten und Kommunen aufgeteilt ist. Durch dieses Prinzip können kleinere Gemeinschaften gleichberechtigt nebeneinander und zusammen entscheiden. Man kann den Föderalismus daher relativ treffend mit der Kurzformel „Vielfalt in der Einheit“ beschreiben.

Heiliges Römisches Reich

Während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit war das Heilige Römische Reich keine Einheit, sondern ein „Flickenteppich“. An der Spitze stand der Kaiser, der Wahrer des Friedens und des Rechts, der sich die Macht mit den auf den Reichstagen vertretenen Reichsständen (Kurfürsten, Fürsten, Städte) teilte.

Im Hochmittelalter hatten Fürsten wichtige Reichsrechte, ab 1356 gab es mit der Goldenen Bulle das Wahlkönigtum. Der Kaiser hatte kaum Möglichkeiten zur Durchsetzung seiner Macht, was durch die Reichsreform von 1495 geändert werden sollte.

Reichstag

Der Reichstag war nach der Reichsreform die oberste Reichs- und Verfassungsinstitution. In ihm trafen Kaiser (bzw. König) und alle Stände direkt aufeinander. Seit Karl V (1519-1565) ließen sich die Stände vermehrt durch Gesandte, Räte und Kommissare vertreten.

Ab Ende des 17. Jh. entsprach der Reichstag einem Gesandtenkongress, in dem der Kaiser schließlich durch den Prinzipalkommissar repräsentiert wurde. Ab 1663 traf sich der ohne formellen Beschluss eingeführte „Immerwährende Reichstag“. Die Vertreter waren in drei Kurien bzw. Kollegien unterteilt:

Der Kaiser hatte das Recht den Reichstag einzuberufen und Themen vorzuschlagen. Die Kuren beschlossen unabhängig voneinander; der Reichskanzler versuchte zwischen ihnen zu vermitteln. Stimmten alle Gruppen überein, wurde der Beschluss durch kaiserliche Sanktion zu einem Gesetz.

Im Reichstag wurden unter anderem Beschlüsse über Wirtschaft, Konfession oder Krieg getätigt. 1532 wurde die Constitutio Criminalis Carolina verabschiedet, die als ein frühneuzeitlicher Vorläufer der heutigen Strafprozessordnung angesehen werden kann. Er stellte jedoch keine Repräsentation der Bevölkerung dar, war aber wichtig, da er für das gesamte Reich einheitsstiftend und integrierend wirkte.

Wandel des Denkens durch die Aufklärung

Menschenrechte

Durch den gesellschaftlichen Wandel des 18. und 19. Jh. festigte sich der Gedanke, dass alle Bürger (also den Männern) gleiche Rechte und Pflichten besitzen. Durch die bürgerlichen Revolutionen wurden Grundrechte in die modernen Verfassungen aufgenommen.

Die Aufklärer, die Vertreter der Naturrechtslehre waren, verhalfen dieser Idee zum Durchbruch. Obwohl es diese Auffassung schon in der Antike gab, wurden erst in der Französischen Revolution Erfolge erzielt. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789) war besonders wichtig, da der Schutz der Bevölkerung und die Machteinschränkung der Regierenden im Vordergrund standen.

Gewaltenteilung

Die Verfassungen beschränkten die absolutistische Macht. Zudem wurde die Gewaltenteilung mit den voneinander unabhängigen Organen der Legislative, Exekutive und Judikative eingeführt. Grundlage war die „Glorious Revolution“ von 1688. In dieser musste der König von England den Vorrang zugunsten des Parlaments und Herrschaftsrechte abgeben.

Aufklärerische Vertreter

John Locke (1632-1704)

Nach Locke ist ein Mensch wegen des Naturrechts frei und gleich. Aus Gründen des Schutzes schließen sich mehrere Personen zu einer Gesellschaft zusammen (Gesellschaftsvertrag). In dieser muss der Wille der Mehrheit bei gleichzeitigem Schutz der Minderheiten gelten. Aufgrund dieses Zusammenschlusses muss der Staat die Rechte des Einzelnen achten. Bei einer Verletzung durch den Staat haben die Menschen ein Recht auf Widerstand. Locke sprach sich für eine Trennung von Legislative und Regierung aus.

Voltaire (1694-1778)

Voltaire wurde auch von Locke beeinflusst. Er forderte die Achtung von Toleranz, geistiger Freiheit und persönliche Sicherheit. Sein Ziel war ein aufgeklärter Monarch ohne Einfluss von Kirche und Aristokratie und die Einschränkung der katholischen Kirche.

Charles de Montesquieu (1689-1755)

Montesquieu war ein Staatstheoretiker und setzte sich für die Einschränkung des Absolutismus und die Trennung von Legislative, Judikative und monarchischer Exekutive ein. Er sprach sich aber gegen eine unbegrenzte Volksherrschaft aus und bevorzugte die Ständevertretungen. Seine Ideen beeinflussten die US-Verfassung von 1787.

Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)

Rousseau war ein Vertreter der direkten Demokratie mit großen Volksversammlungen. Es sollten nur das Volk und dessen Gemeinwille bestimmen. Seine Idee war während der Jakobinerdiktatur (ab 1792) wirksam.

„Volk“ und „Nation“ als Identifikationsmuster

„Volk“ als Konstrukt eines Geschichtsbildes: Der Hermann-Mythos

Die Varusschlacht

Der römische Schriftsteller Tacitus schilderte die römische Sicht der Varusschlacht (auch als Hermannsschlacht oder Schlacht im Teutoburger Wald bezeichnet) in seinem Werk „Germania“ (98 n. Chr.). Demnach verlor der römische Feldherr Publius Quinctilius Varus gegen den Cherusker-Fürsten Arminius im Jahre 9 n. Chr. durch Hinterhalte der Germanen mehrere Legionen.

Rom und Germanen

Die Bedeutung dieses Ereignisses lässt sich aber erst durch die Betrachtung der Umstände erschließen. Gaius Iulius Caesar überquerte während seiner Gallien-Kampagne in den Jahren 55 und 53 v. Chr. den Rhein, um so die militärische Stärke Roms zu zeigen.

Augustus (31 v. Chr. bis 14 n. Chr. Kaiser Roms) verfolgte eine offensive Politik, nachdem das römische Gebiet wiederholt von Germanen bedroht worden war. Während seiner Herrschaft und unter seinem Nachfolger Tiberius (14-37) wurde versucht, das römische Herrschaftsgebiet vom Rhein bis an die Elbe auszudehnen. Nach mehreren Niederlagen verlegte schließlich Domitian (81-96) die Grenze wieder zurück.

Arminius

Arminius war zwar Cherusker, erwarb aber aufgrund militärischer Verdienste im römischen Heer Bürgerrechte und den Rang eines Ritters. Die römische Expansionspolitik, der Unmut unter den germanischen Stämmen aufgrund der Romanisierungsprozesse sowie vor allem des Verhaltes des Varus und Machtkämpfe innerhalb der Cherusker bewegten Arminius dazu, für die germanischen Stämme zu kämpfen.

Der mit der römischen Kriegsführung vertraute Arminius gründete eine antirömische Koalition. Durch einen Hinterhalt konnte die Schlacht im Teutoburger Wald gewonnen werden, was jedoch der Beginn zahlreicher Kämpfe war. Nach dem Rückzug der Römer und der Vertreibung seines Konkurrenten Marbod strebte Arminius den Königstitel an, weshalb er 21 n. Chr. von seinen eigenen Verwandten umgebracht wurde.

Entstehung des Hermann-Mythos

Während es im Mittelalter keine Rezeption von Arminius gab, wurde die Geschichte mit Beginn der Renaissance und dem Humanismus wiederentdeckt. Durch Conrad Celtis (1459-1509) und Jakob Wimpfeling (1450-1528) wurde sie auch weiterverbreitet. Das sich dadurch entwickelnde Nationalbewusstsein äußerte sich in erster Linie im Gedanken einer „nationalen Tradition“, die so alt wie die italienische sein sollte.

Durch den Ritter Ulrich von Hutten (1488-1523) wurde der Hermann-Mythos begründet; dadurch ihn entwickelte sich ein „Anti-Rom-Denken“. So sahen einige Arminius als Vorläufer der Auseinandersetzung zwischen Martin Luther und der Kurie. Zu dieser Zeit wandelte sich auch der Name Arminius langsam zu Hermann, wodurch das Bild der alten deutschen Wurzeln verdeutlicht werden sollte.

Die Hermann-Geschichte fand auch Verwendung, um bestimmte Interessen durchzusetzen. So ist das Werk „Die Hermannsschlacht“ von Heinrich von Kleist Ausdruck des Kampfes gegen den äußeren Feind Frankreich. So wurde die Erzählung schließlich auch zum Mythos, indem der Gedanke an ein freies Deutschland mit den Bestrebungen Hermanns verknüpft wurde.

Das Hermann-Denkmal

Bis zur Gründung des Deutschen Reiches in 1870/71 war Hermann ein Symbol für die erhoffte Bildung eines deutschen Nationalstaates. Nachdem dies erreicht war, diente er dazu, dieses neu gewonnene Nationalbewusstsein aufrechtzuerhalten. Dies zeigte sich auch in Form des Hermann-Denkmals, welches 1875 fertiggestellt wurde.

Letztlich war die Erhebung Arminius′ zu einem solchen Idol nur möglich, weil man die germanischen Stämme als direkte Vorfahren der Deutschen ansah. Dadurch wurde der Begriff des Volks zu einem Geschichtskonstrukt, das von einer unteilbaren und unveränderlichen Nation ausging.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Hermannsfigur verwendet, um damit die deutsche Bevölkerung zusammenzuhalten. Schließlich nutzte die NS-Diktatur den Hermann-Mythos für ihre Propaganda. Sie versuchte damit ihre Ansichten bezüglich des angeblich „reinen deutschen Blutes“ und ihres Rassenwahns zu untermauern. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und durch die Demokratisierung verloren der Hermann-Mythos und das Denkmal letztlich an Bedeutung und hat primär Bedeutung in Wirtschaft und Tourismus.

Nationalismus und Nationalstaatsbildung in Europa

Begriffsbestimmung: Nationalismus

Während heute der Begriff des Nationalismus häufig in einem negativen Zusammenhang verwendet wird, zeichnet er sich im Grundsatz dadurch aus, dass die Nation bzw. der Nationalstaat die allgemeine Sinn- und Rechtfertigungsinstanz ist. Das Individuum kann sich dadurch einer staatlichen Gruppe zugehörig fühlen, wobei die „Kriterien“ der Zugehörigkeit unterschiedlich ausfallen können.

Merkmale des Nationalismus

Der Nationalismus weist drei Merkmale auf[1]: Die Nation ist entscheidender gesellschaftlicher Wert; sie soll selbstbestimmt handeln. Die Bedeutung der Nation wird dabei säkular definiert, wobei sie auch religionsersetzende Formen annehmen kann.

Dem Einzelnen kann durch den Nationalismus auch ein Sinn gegeben werden. Dadurch können positive Wirkungen eintreten, wie zum Beispiel ein verstärkter Zusammenhalt der Gemeinschaft. Tritt jedoch ein extremer Nationalismus mit einer Geringschätzung anderer Völker auf, kann dies überaus negative Folgen haben, wie Krieg und Diskriminierung angeblicher „Andersartiger“.

Französische Revolution

Bis 1789 wurde der Einzelne aufgrund seines Standes definiert. Mit der Französischen Revolution und dem damit verbundenen Aufstieg des Bürgertums änderte sich dies. Nach der Idee des souveränen Staates, wollte der ehemalige Dritte Stand ein Mitbestimmungsrecht haben: Er sah sich als die Nation. In den Kriegen bis 1814 versuchten die Soldaten – beseelt von einem Überlegenheitsgefühl – Europa mit dieser Idee verändern. Dadurch beschleunigte die Französische Revolution den Nationalismus als Gegenentwurf zur Ständegesellschaft.

Nationalbewusstsein in Deutschland

Grundlegend wird zwischen Staats- und Kulturnationen unterschieden. Nach dem Historiker Friedrich Meinecke (1908) basiert die Staatsnation auf der gemeinsamen politischen Geschichte und Verfassung. Dem gegenüber beruht die Kulturnation auf einem gemeinsam erlebten Kulturbesitz. Als klassische Beispiele gelten dabei Frankreich und Deutschland.

Im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation wurde „Nation“ als Ausdruck der Kulturnation verstanden. So zeichnete sich „Deutschland“ durch seine gemeinsame Geschichte und vor allem durch seine gemeinsame Sprache aus. Dies zeigte sich exemplarisch im Bestreben von Johann Gottfried Herder und der Gebrüder Grimm, durch ihr Werk das deutsche Einheitsgefühl festzuhalten.

Dieser Gedanke der Kulturnation wandelte sich mit Beginn des 19. Jahrhunderts. Der stärker werdende politische Nationalismus versuchte eine Reform der Einzelstaaten einzuleiten, durch den die Bürger Mitbestimmungsrecht erhalten und eine sozialere Gleichheit gegenüber dem Adel errichtet werden sollten. In den Befreiungskriegen forderten die Patrioten zudem die Bildung einer einheitlichen Staatsnation, wie es sie bereits in England und Frankreich gab. Hierbei wurde bis 1870/71 an einer freiheitlichen Tendenz festgehalten („Einheit und Freiheit“).

Funktionswandel des Nationalismus

Ab 1860 wurden in Deutschland antiliberale Ideen immer wichtiger. Dieser als „extremer“, „radikale“ oder „integrale“ Nationalismus lehnte unter anderem den Freihandel ab und forderte einen Protektionismus. Er zeichnete sich durch eine Haltung aus, die mit der Parole „Du bist nichts, Dein Volk ist alles“ beschrieben werden kann. Es kam auch zu Gewalttätigkeiten gegenüber Personen, die eine andere Meinung vertraten. Auch in Frankreich kamen diese Ideen nach der Niederlagen gegen Deutschland 1870/71 auf, war dort aber nicht in der Mehrheit.

Nach der Reichsgründung 1870/71 war zwar der Wunsch nach einem Nationalstaat erreicht; dies war jedoch nicht wie erstrebt ein freiheitlicher, demokratischer Staaten, sondern ein autoritärer Obrigkeits- und Machtstaat. Der Nationalismus wandelte sich unter diesen Umständen dahingehend, dass der Einzelne der Macht und Autorität des Staates zustimmen und sich der Gemeinschaft unterordnen solle. Im Kaiserreich wurde diese Haltung verwendet, um die imperialistische Politik durchzusetzen.

Formen der Nationalstaatsbildung

In Europa bildeten sich die Nationalstaaten zu unterschiedlichen Zeiten und hatten dementsprechend auch verschiedene Hintergründe und Auslöser. Es lassen sich grundsätzlich drei Grundformen unterscheiden.

Zu der ersten Gruppe lassen sich die Nationen zählen, die durch moderne Revolutionen geprägt sind. Hierzu zählen in Europa England und Frankreich. Dort hat die Idee einer demokratischen Nation ihren Beginn mit der Glorreichen Revolution von 1688/89 sowie der Französischen Revolution. Hier existierten bereits Staaten; Staat und Nation fielen daher zusammen.

Daneben gibt es Nationalstaaten, die erst dadurch entstanden sind, indem Menschen, die die gleiche Kultur und Sprache teilten, zuvor existierende Teilstaaten zusammenschlossen. Diese Staatsbildung ist in Deutschland 1870/71 mit Gründung des Deutschen Reiches und in Italien zwischen 1859 und 1870 geschehen.

Als dritte Gruppe gibt es diejenigen Staaten, die sich aus zersetzenden Großstaaten und Vielvölkerstaaten gebildet haben. Dazu gehören insbesondere die Länder Ost- und Südosteuropas. So entstanden nach dem Ersten Weltkrieg aus Österreich-Ungarn zahlreiche Nationalstaaten.

Probleme der Nationalstaatsbildung am Beispiel der deutschen Einigung

Ausgangslage

Nach dem Sieg über Napoleon hofften viele auf die Gründung eines deutschen Nationalstaats. Stattdessen gliederte sich das ehemalige Heilige Römische Reich in 39 Gliedstaaten, die auf dem Wiener Kongress 1814/15 zusammen den Deutschen Bund gründeten. Vor allem die das politische Geschehen dominierende Preußen und Österreich sowie die anderen monarchischen Staaten regierten zudem absolutistisch.

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration

Vor den Befreiungskriegen hatte nur ein kleiner Teil der gebildeten Schicht ein Nationalbewusstsein. Dies änderte sich mit den Befreiungskriegen. Mit dem Wandel zum politischen Nationalismus ging einher mit den Forderungen nach Freiheit und Mitbestimmung einher.

1832 kam es schließlich zum Hambacher Fest, bei dem nationale Einheit, Pressefreiheit und teils demokratische Strukturen gefordert wurden. Das Nationalbewusstsein wurde zusätzlich durch die Gründung des Deutschen Zollvereins (1834) verstärkt, durch den das wirtschaftliche Zusammenwachsen der einzelnen deutschen Staaten begann. Auch wurde dadurch die Marktwirtschaft begünstigt.

Nation und Sprache

Die Sprache wurde in Deutschland als Ausdruck der „Volksseele“ empfunden. Die Nation, die als „Schicksalsgemeinschaft“ definiert wurde, sollte dabei in ihrer räumlichen Ausdehnung von der Sprache geprägt sein. Man darf hierbei aber nicht vergessen, dass weder nur deutsch-sprachige Teile im deutschen Bund noch alle deutsch-sprachigen Staaten in diesem vertreten waren.

Revolution von 1848/49

Die Revolution von 1848/49 nahm die liberalen Forderungen auf; in der Frankfurter Nationalversammlung wurde eine Verfassung mit einem äußerst modernen Grundrechte-Katalog, einer konstitutionellen Monarchie sowie einer föderalen Struktur ausgearbeitet. Diese wurde am 28. März 1849 verkündet.

Nach einer zunehmenden Ablehnung gegenüber den liberalen Forderungen sowohl in Österreich als auch in Preußen lehnte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die angebotene Kaiserkrone ab; damit war das Streben nach einem liberalen Nationalstaat gescheitert.

Reichsgründung von 1870/71

Bei der Gründung des Deutschen Reiches spielten diese Ideen keine Rolle. Vielmehr wurde bei der Bismarck′schen Verfassung auf eine Machtkonzentration auf Preußen konzentriert. Zwar gab es auch hier eine föderale Struktur, im Gegensatz zu 1849 aber keine Grundrechte. Dadurch wurde das Deutsche Reich zu einem autoritären Macht- und Militärstaat.

Nach den Siegen über Dänemark, Österreich und Frankreich konnte auch eine kleindeutsche Lösung etabliert werden; Österreich war nicht mehr Teil Deutschlands. Nach innen sicherte Bismarck die Einigung durch einen Reichsnationalismus ab, der sich auch durch einen Argwohn gegenüber Minderheiten und anderen die Einheit „gefährdenden“ Gruppen definierte. Ziel war es, Deutschland durch eine geschlossene Gesellschaft zu einer Weltmacht aufsteigen zu lassen.

Ausgrenzung von Reichsfeinden

Bismarck führte mit der katholischen Kirche einen „Kulturkampf“, um so diese von einer politischen Beeinflussung abzuhalten. 1879/80 wurde er beendet; die Kirchengesetze wurden gelockert, der „Kanzelparagraph“ und Zivilehe blieben aber weiterhin bestehen.

Auch in den Sozialisten sah Bismarck eine Gefahr. Durch die „Sozialistengesetze“ sollten sie gestoppt werden; 1890 wurden sie aber dennoch zur stärksten Partei. Letztlich erfolgte ebenso eine Diskriminierung von nationalen Minderheiten und Juden – trotz rechtlicher Gleichstellung in der Verfassung. Der Antisemitismus war bereits zuvor vorhanden, fand jedoch um die Jahrhundertwende herum aber in allen Bevölkerungsschichten zunehmend Zuspruch.

Funktion und Wirkung nationaler Selbst- und Fremdbilder: das deutsch-französische Verhältnis

Deutsch-französische Erbfeindschaft

Militärische Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich gab es immer wieder. Diese waren aber Angelegenheiten der am Krieg unmittelbar Beteiligten. Dies änderte sich mit dem Aufkommen und Erstarken des Nationalismus. Zunehmend reagierte die Nation in ihrer Gesamtheit auf Krieg emotional.

Mit den napoleonischen Kriegen begann die Ideologie der deutsch-französischen Erbfeindschaft. Diese zeichnete sich durch den Glauben aus, dass Deutschland und Frankreich über Jahrhunderte hinweg voller Angst und Rivalität voreinander gelebt haben. Mit dem Krieg von 1870/71 und damit verbundenen Reparationsforderungen verstärkte sich der Gedanke der Erbfeindschaft: Frankreich wollte eine „Revanche“, Deutschland entwickelte Überheblichkeitsgefühle.

Rheinkrise und Nationalismus

1840 einigten sich England, Österreich, Preußen und Russland auf die Aufrechterhaltung der Lage im Orient. Dadurch wurde Frankreich politisch isoliert. Dies führte zu Unmut in der französischen Bevölkerung. Die Regierung versuchte mit einer aggressiveren Politik, die zum Beispiel den Rhein als natürliche Grenze forderte, diesen Unmut zu beruhigen.

Dennoch kam es öffentlich zu Kriegsforderungen. Durch zusätzliche Truppenbewegungen wurde die deutsche Bevölkerung aufgewühlt. Viele sahen den Rhein als deutsch an. Dies führte zur Rheinlied-Bewegung, die Deutschland (und „ihren“ Rhein) verteidigen wollten.

Schließlich wurde die französische Regierung vom König ausgetauscht. Dadurch beruhigte sich die Lage wieder. Die Rheinkrise zeigt aber eindrucksvoll, dass nun nicht mehr nur die Elite Krieg führt, sondern dass vielmehr durch den Nationalismus die breite Bevölkerung Ressentiments entwickelt und feindlich gegenüber ein anderes Volk eingestellt ist.

Der erste Weltkrieg

Der Ausbruch des ersten Weltkriegs wurde als Überlebenskampf angesehen. Die eigene Nation müsse unbedingt zusammenhalten, um die Bedrohung von außen überstehen zu können. Durch die Kriegspropaganda wurde dieser Gedanke immer weitergetrieben. Dies führte dazu, dass Deutsche und Franzosen das jeweils andere Volk verabscheuten: Frankreich müsse sich vor deutschen „Barbaren“ schützen, Deutschland seine Kultur verteidigen, so die allgemeine Auffassung auf jeder Seite.

Die deutsche Bildungselite stellte beim Kampf der deutschen Kultur gegen die französische Zivilisation die „Ideen von 1914“. Sie sollten den deutschen Sonderweg in die Moderne gegen den Einfluss von außen verteidigen. Sie standen für eine Abkehr von Aufklärung und Liberalismus.

Die Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs

Aufgrund der Auflagen des Versailler Vertrags entwickelten sich nun Revanchegefühle auf der Seite Deutschlands. Ab Mitte der 1920er-Jahre versuchten sich die zwei Nationen anzunähern; mehr Menschen wollten eine friedliche Koexistenz. Auch versuchte man Anfang der 1930er-Jahre durch eine objektive Betrachtung der Geschehnisse des ersten Weltkriegs und durch Austausch der Kultur in den Schulen die Ressentiments allmählich abbauen.

Dies änderte sich selbstverständlich mit Beginn des Zweiten Weltkriegs. Im Frühjahr 1940 eroberte Deutschland Frankreich. Durch die Besatzung und durch die damit verbundene Ausbeutung und Misshandlung der französischen Bevölkerung wurden die Hassgefühle zwischen den Nationen neu entfacht.

Anfänge der europäischen Integration und die deutsch-französische Aussöhnung

Geschichte der Europaideen

Bereits im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit gab es Ideen, wie sich die Staaten in Europa annähern könnten. Aber erst im 20. Jahrhundert formten sich konkrete Überlegungen. Sie zielten vor allem auf eine Friedenssicherung ab. So strebte der französische Außenminister Aristide Briand (1862-1932) eine europäische Föderation an; dies wäre eine Vorform des Europarats und der EWG gewesen.

Im zweiten Weltkrieg strebten auch einige Gruppen eine überstaatliche Ordnung an. Sie würde dazu dienen, sich vor den USA und der UdSSR zu schützen; aber auch um Deutschland zu kontrollieren.

Europäische Integration nach 1945

Mit Ende des zweiten Weltkriegs erstarkte die Europa-Bewegung, die sich für die Einigung Europas einsetzte, um so Wohlstand und Frieden zu fördern. Sie sollte aber auch der Bedrohung durch den Ostblock ein Gegengewicht bieten.

1946 forderte Winston Churchill die Gründung der Vereinigten Staaten von Europa – ohne Großbritannien. 1949 wurde schließlich der Europarat gegründet. 1951 folgte zur wirtschaftlichen Integration die Montanunion (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, EGKS) zwischen Deutschland, Frankreich, Italien und den BeNeLux-Staaten. 1957 entwickelten diese Länder die „Römischen Verträge“. Sie schufen die Euratom (Europäische Atomgemeinschaft) und die EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft). 1967 wurden aus diesen drei Institutionen die EG (Europäische Gemeinschaft).

Deutsch-französische-Aussöhnung nach 1945

Aufgrund der Verschärfung des Ost-West-Konflikts im Jahre 1947 und des Drucks durch die USA gab Frankreich den Wunsch einer Schwächung Deutschlands auf. Vielmehr suchte man die Kooperation. 1962 wurde der Elysee-Vertrag („Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit“) geschlossen.

Nach dem Mauerfall war man sich auf französischer Seite nicht sicher, ob ein wiedervereinigtes Deutschland für die Sicherheit Europas eine Gefährdung darstelle. Durch die Zusage einer Westintegration, die auch die Einführung einer gemeinsamen Währung vorsah, wurden diese Bedenken jedoch ausgeräumt.

Schließlich wurde mit dem Vertrag von Maastricht 1992 die EU (Europäische Union) gegründet. Sie entwickelte sich aus einer Reform der EG und besitzt eine Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) sowie eine Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Inneres (ZBJI). Am 1. Januar 1999 wurde die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) gegründet und der Euro eingeführt.

Deutschland und Frankreich waren dabei häufig der „Motor“ der europäischen Einigung. Zwischen beiden Staaten herrscht nun seit über 70 Jahren Frieden und ein starker politischer, kultureller und gesellschaftlicher Austausch. Das Auswärtige Amt spricht bei dieser Beziehung von einem deutsch-französischem Sonderverhältnis.

Der Nahe Osten: Historische Wurzeln eines weltpolitischen Konflikts

Der Widerstreit zwischen den Römern und den Juden im antiken Palästina

Der Beginn der römischen Herrschaft

Der römische Feldherr Pompeius Magnus Gnaeus (106-48 v. Chr.) eroberte im Jahre 63 v. Chr. nach einer dreimonatigen Belagerung Jerusalem. Zuvor gab es auf jüdischer Seite machtpolitische Streitigkeiten, die die Eroberung begünstigte. Anschließend betrat Pompeius den Tempel, dem wichtigsten Heiligtum der Juden. Die Herrschaft Roms über Judäa begann damit mit einem für das jüdische Volk großen Affront.

Die Eroberung war der Anfang der römischen Kontrolle über Judäa für etwa 700 Jahre. Die Römer nutzten ihre Herrschaft dazu, den Nahen Osten nach ihren Vorstellungen neu zu ordnen. So gründeten sie unter anderem die Provinz Syrien.

Konflikte zwischen den Römern und den Juden

Während der Fremdherrschaft kam es immer wieder zu Konflikten. Insbesondere die jüdisch-radikalen Zeloten leisteten Widerstand und versuchten Judäa wieder unabhängig werden zu lassen. Sie versuchten hierdurch ebenfalls religiöse Ziele – wie die Ankunft des Messias – zu erreichen.

Auf römischer Seite zeitigte man zudem wenig Respekt vor dem Volk und dessen Heiligtümern. Militärische Aufmärsche und zusätzliche, das einfache Volk stark belastende Steuern trugen ihren Beitrag zum wachsenden Unmut bei.

Römisch-jüdische Kriege

Dies führte schließlich zum ersten römisch-jüdischen Krieg, der von 66 bis 74 dauerte. Im Jahre 66 belagerten die radikal-jüdischen Truppen – die nun von der Mehrheit der Juden unterstützt wurden – Jerusalem. Bei ihrem versprochenen Abzug wurden die römischen Soldaten getötet.

Als der jüdische Adel sich an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung setzen wollte, kam es schließlich zum Bürgerkrieg zwischen diesen Aristokraten und den Zeloten. Dies schwächte die jüdische Seite erheblich.

Die Römer nutzten dies aus. Sie eroberten 70 wieder Jerusalem zurück und plünderten und zerstörten den Tempel. Vier Jahre später konnten die römischen Truppen den letzten Widerstand brechen. In der Wüstenfestung Masada waren noch knapp 1000 Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung, die jedoch kurz vor der Einnahme der Festung kollektiven Suizid begingen. Masada wurde und ist dadurch immer noch ein Symbol für den Widerstand und die Freiheit Israels.

Unter dem jüdischen Fürsten Simon Bar Kochba kam es zu einem erneuten – nach ihm benannten – Aufstand, der letztlich zum zweiten römisch-jüdischen Krieg (132-135) führte. Gründe waren Bestrebungen des Kaisers Hadrian (Reg. 117-138), Jerusalem als „Aelia Capitolina“ neu aufzubauen und das Beschneidungsverbot für Juden.

Nach einer erfolgreichen Eroberung Jerusalems und Judäas wurde der Erfolg von den Israeliten gefeiert. Die Römer nahmen das Gebiet aber rasch wieder ein; viele Juden wurden im Verlaufe dessen gefoltert und getötet. Ein großer Teil emigrierte zudem in andere Gebiete. Schließlich wurde das durch den Krieg zerstörte Jerusalem als Aelia Capitolina neu aufgebaut; zudem wurde Judäa zu (Syrien-)Palästina umbenannt, um so kulturelle Verbindungen zwischen dem jüdischen Volk und dem Land zu unterbinden.

Das Zeitalter der Kreuzzüge

Wirkungen der Kreuzzüge

Die Beurteilung, wie die Kreuzzüge das Verhältnis zwischen den Christen und den Muslimen beeinflusst haben, ist nach wie vor umstritten. Während manche Historiker grundsätzlich von negativen Auswirkungen ausgehen, differenzieren andere zwischen kurz- und langfristigen Folgen. Auf letztere bezogen wird von einer Belastung der Beziehung gesprochen. Zur Zeit der Kreuzzüge waren diese jedoch „nur“ Ausdruck einer zunehmenden Konfrontation zwischen Christen und Muslimen im gesamten Mittelmeerraum.

Ausbreitung des Islam

638 – sechs Jahre nach dem Tod Mohammads – eroberten die Muslime Jerusalem und Palästina. Damit begann deren 450 Jahre dauernde Herrschaft. Von christlicher Seite wurde dies aber nicht als Bedrohung gesehen: Christlichen Pilgern wurde der Zugang zu Jerusalem sowie die Religionsausübung gestattet.

Dies änderte sich mit der Eroberung Palästinas durch die Seldschuken (1076-1078) sowie durch den Sieg über die Byzantiner (1071). Christen konnten danach nicht mehr frei nach Jerusalem pilgern. In Europa verbreiteten sich daraufhin Gerüchte über Übergriffe auf Christen, für die es historisch jedoch keine Belege gibt. 1095 rief Papst Urban II. (1088-1099) nach dem Hilfeersuchen des byzantinischen Kaisers zum „gerechten Krieg“ auf.

Die Kreuzzugbewegung (1095-1291)

Nach dem Aufruf zum Kreuzzug auf dem Konzil von Clermont mit den Worten „Deus lo vult“ („Gott will es“) entstand eine Massenbewegung, die nicht nur die adressierten Ritter, sondern auch Frauen, Kinder und Gelehrte mobilisierte. Gründe hierfür gab es verschiedene: von rein wirtschaftlichen Erwägungen, über ideelle Bestrebungen wie Ehre hin zu religiösen Erlösungshoffnungen.

1099 kam schließlich der erste Kreuzzug im „Heiligen Land“ an. Er schaffte es, Jerusalem zu erobern. Dabei richtete er ein Blutbad an; der Großteil der Muslime und Juden, aber auch Christen unabhängig ihres Geschlechts und Alters wurden getötet.

Die Christen gründeten im eroberten Gebiet mehrere christliche Staaten, waren jedoch teilweise auf Hilfe aus Europa angewiesen. Ihre Hilfeersuchen führten ihrerseits zu weiteren Kreuzzügen. 1187 gelang es dem Sultan Saladdin jedoch, Jerusalem zu erobern. Die Zeit der Kreuzzüge endete schließlich mit der Eroberung Akkons durch die Muslime im Jahre 1291.

Christen und Muslime

Mit Gründung der christlichen Staaten etablierte sich ein Lehnswesen nach europäischem Vorbild. Die Herrscher übernahmen aber zum Teil islamische Traditionen, wie das Dhimmi-System, bei dem den „Ungläubigen“ gegen eine Kopfsteuer gewisse Rechte, insbesondere die Religionsausübung, eingeräumt wurden. Eine Gleichberechtigung zwischen den Religionen und christlichen Konfessionen gab es also nicht.

Die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen zeichneten sich insbesondere durch gegenseitige Vorurteile aus; jede Glaubensrichtung war von ihrer Überlegenheit überzeugt. Es gab jedoch auch diplomatische Vereinbarungen und interreligiöse Unternehmungen, was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass beide Gruppierungen die jeweils andere aus „ihrem Heiligen Land“ verschwinden sehen wollte.

1900: Imperialistische und nationalistische Verwerfungen im Nahen Osten

Wendepunkt: erster Weltkrieg

Das Osmanische Reich kontrollierte seit 1517 Palästina. Im Laufe des ersten Weltkriegs verlor es dieses Gebiet an Großbritannien. Danach zerfiel letztlich das Osmanische Reich. Diese Auflösung begann jedoch schon vor dem Kriegseintritt.

Seit der Zeit des Imperialismus verschärften sich zunehmend die Bestrebungen der europäischen Staaten nach mehr Kontrolle außerhalb Europas. Dazu kam, dass Nationalbewegungen im Vielvölkerstaat zunahmen, was zu einer weiteren Instabilisierung führte.

Jüdische Einwanderung und zionistische Bewegung

Anzahl der jüdischen Einwohner
                    in Palästina
Anzahl der jüdischen Einwohner in Palästina[2]

Vor der Wende zum 20. Jahrhundert war die Einwanderung von Juden eine Bewegung einzelner Personen. Seit den 1880er-Jahren stieg die Zahl aufgrund von Pogromen insbesondere in Osteuropa rasant an.

Die Immigranten wurden durch den politischen Zionismus unterstützt. Begründer dieser Bewegung war Theodor Herzl (1860-1904), der die Gründung eines Judenstaats in Palästina anstrebte. Gründe hierfür waren die anhaltende Diskriminierung jüdischer Bürger und der Gedanke, dass die Judenemanzipation gescheitert war.

Seit dem ersten Zionistenkongress 1917 wurde auch versucht, die europäischen Großmächte von der Gründung eines Judenstaats zu überzeugen. Diese waren jedoch nicht an einer Unterstützung interessiert. Die Bewegung half jedoch die Einwanderung, indem z.B. 1901 der Jüdische Nationalfonds und 1902 die Anglo-Palestine-Bank gegründet wurde, durch die die Finanzierung des Landkaufs und des Siedlungsbaus gefördert wurde.

Ende der osmanischen Herrschaft

Das osmanische Reich verlor bereits seit dem Ende des 17. Jahrhunderts an Macht und Land. Die europäischen Staaten verlangten besondere Rechte, insbesondere auch in Palästina. Unter anderem versuchte Großbritannien durch die Ansiedlung von Juden seinen Einfluss im Nahen Osten zu vergrößern. Die innereuropäische Konkurrenz sorgte aber auch dafür, dass kein Staat alleine die Kontrolle über Palästina ausüben konnte; vielmehr wurde die Herrschaft des Osmanischen Reiches bewahrt.

Seit den 1850er-Jahren geriet der Vielvölkerstaat aber immer mehr in Bedrängnis: Die europäischen Staaten verstärkten ihre imperialistischen Ziele und die nationalen Bestrebungen fanden zunehmend Zustimmung.

Die größer werdende Einwanderung der Juden in den Nahen Osten versuchte das Osmanische Reich auch zu begrenzen: Ziel war es, die territoriale Ausbreitung und Kontrolle der europäischen Staaten zu verhindern. Auch die „Jungtürken“, die 1908 die Macht an sich rissen, verfolgten dieses Ziel. Sie versuchten zudem einen Zentralstaat mit türkischer Prägung zu bilden. Dies führte aber zu weiteren Spannungen der nicht-türkischen und insbesondere der arabischen Bevölkerung.

Letztlich endete die osmanische Herrschaft über Palästina mit der britischen Eroberung in den Jahren 1917 und 1918. Der Völkerbund übertrug 1920 das Mandat über das Gebiet an Großbritannien; dessen Statuten wurden 1922 bestätigt und traten 1923 in Kraft.

Britische Nahostpolitik

Für Großbritannien war Palästina auch zuvor ein strategisch wichtiges Gebiet, da so auf die indische Kolonie „zugegriffen“ werden konnte. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts versuchte man nicht mehr das Osmanische Reich in seiner Gesamtheit zu bewahren, sondern übte zunehmend Druck aus, um so das immer wichtiger werdende Erdöl des Nahen Ostens nutzen zu können.

Ein weiterer Grund war der Kampf gegen die Achsenmächte. Mögliche Verbündete sah man in den Arabern. Um sie von einem Krieg gegen das Osmanische Reich zu überzeugen, versprach man ihnen die Schaffung eines arabischen Reiches. Trotz nicht unerheblicher Unklarheiten traten die Araber im Juni 1916 auf der Seite der Entente ein. Um jedoch nach dem Krieg die Schaffung des arabischen Reiches zu verhindern, behauptete Großbritannien, dass die Araber ihren Vertragsteil nicht eingehalten hätten.

1916 handelten der Brite Mark Sykes und der Franzose Charles François Picot einen Vertrag aus. Dieses Picot-Sykes-Abkommen teilte den Nahen Osten in eine britische und in eine französische Herrschaftsspähre, wodurch die jeweiligen Interessen gefördert wurden. Arabische oder zionistische Ziele wurden dabei nicht beachtet.

Gegenüber den Juden wurde jedoch die Unterstützung der zionistischen Bewegung inklusive einem eigenen Staat zugesagt. Als diese Balfour-Deklaration im arabischen Raum bekannt wurde, sah man dies als britischen Vertrauensbruch und Niederlage.

Arabischer Widerstand

Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches wurde mit dem Frieden von Sèvres, der auf dem Picot-Sykes-Abkommen beruhte, der Nahe Osten nach britischen und französischen Vorstellungen neu geordnet. Der Völkerbund stimmte dieser Lage zu, indem er beiden Nationen Mandate zuwies; sie wurden dadurch zu politischen Bevollmächtigten.

Dagegen mussten die Araber ihre Bestrebungen zur Unabhängigkeit aufgeben. Insbesondere die arabisch-palästinensische Nationalbewegung, die auf eine souveräne arabische Nation abzielte, war zu Ende.

Diese Rückschläge führten ab 1919/20 zu arabischen Aufständen, die 1922 und 1932 zur Unabhängigkeit Ägyptens und Iraks führte; der bedeutende Suez-Kanal wurde aber weiterhin von Großbritannien kontrolliert. Transjordanien blieb bis 1946 trotz einer Abspaltung im Jahre 1922 unter britischer Verwaltung. Nach Übergriffen auf Juden 1920/21 gestanden die Briten der arabisch-palästinensischen Bevölkerung schließlich die religiöse und kommunale Selbstverwaltung zu, was zumindest zeitweise die Lage beruhigte.

Die Gründung Israels

Britische Mandatsherrschaft

Das Mandat des Völkerbundes an Großbritannien bezog sich nicht allein auf die jüdische Bevölkerung, sondern bezog sich auf die gesamte Bevölkerung Palästinas. Die britische Mandatsherrschaft wurde auf arabischer Seite als neue koloniale Kontrolle angesehen; die Zionisten und in Palästina lebenden Juden („Jischuw“) begrüßten aber das Mandat, insbesondere weil es die Balfour-Erklärung über die Gründung „einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ bekräftigte. Zudem sollte eine jüdische Vertretung („Jewish Agency“) eingesetzt werden.

Juden und Araber

Durch die britische Mandatsherrschaft stieg das Ansehen des Zionismus. Immer mehr Juden wanderten nach Palästina aus, seit 1933 insbesondere auch durch den Nationalsozialismus. Durch die größer werdende Bevölkerung bildeten sich zahlreiche Organisationen, die später für die Staatsgründung Israels bedeutend werden sollten. Neben diesen gründeten der Jischuw zu ihrem Schutz militärische Einheiten („Haganah“). Die Jewish Agency for Palestine trat für die jüdischen Interessen gegenüber den Briten ein und spielte für die Staatsgründung ebenfalls eine wichtige Rolle.

Der arabische Nationalismus wurde dadurch neu entfacht. Er führte vermehrt zu Protesten und Unruhen, die teilweise pogromartige Ausmaße annahmen. Beim Massaker von Hebron wurden etwa 60 Juden ermordet. Zwischen 1936 und 1939 kam es zudem zum Großen Arabischen Aufstand.

Kurswechsel in der britischen Politik

Aufgrund dieser Ausschreitungen musste Großbritannien seine Nahost-Politik ändern. Die sogenannte Peel-Kommission schlug 1936 als Lösungsansatz vor, in Palästina eine Teilung in einen Juden- und einen Araberstaat vorzunehmen. Dabei sollten etwa 80 Prozent in arabischer Hand bleiben, etwa 20 Prozent jüdisch werden; Jerusalem sollte aber weiterhin unter britischer Kontrolle bleiben.

Während die arabische Seite diesen Vorschlag ablehnte, waren die Zionisten und der Völkerbund damit einverstanden. Nachdem es aber wieder zu Unruhen kam, erklärte Großbritannien sowohl die Teilungspläne als auch die Schaffung einer Heimatstätte für die Juden für beendet. Dies wurde im Weißbuch von 1939 publik gemacht; bis 1944 durften nur 75.000 Juden in Palästina einwandern und der Landkauf wurde eingeschränkt. Dies traf insbesondere die vor dem Nationalsozialismus Fliehenden. Nach 1944 sollten die Araber selbst über die jüdische Immigration entscheiden dürfen.

Verstärkte Kampfbereitschaft und illegale Einwanderung

Durch das Weißbuch wandte sich der Jischuw von der britischen Seite ab. Die Führungspersönlichkeiten der zionistischen Bewegung verfolgten nunmehr eine offensive Politik, die zu einem Widerstand in Form von Streiks und Protesten führten. Die Jewish Agency dachte auch über militärische Operationen gegen arabische und britische Institutionen nach.

Mit der Haganah wurde außerdem eine systematische illegale Einwanderung („Alijah Beit“) vollzogen. Als die britische Regierung hiervon erfuhr, versuchte sie dies zu unterbinden. Nachdem hierbei auch Menschen gestorben sind, verlor Großbritannien an Ansehen, während die zionistische Bewegung aufgewertet wurde. Nunmehr sprachen sich Mitgliedsstaaten der UNO für die Gründung eines jüdischen Staates aus.

UN-Teilungsplan

1947 erklärte Großbritannien offiziell, dass es nicht mehr die faktische Macht in Palästina hatte. Es übertrag deshalb das Problem den Vereinten Nationen. Der Sonderausschuss für Palästina (UNSCOP, „United Nations Special Committee for Palestine“) war dafür, das britische Mandat zu beenden. Jedoch konnte man sich nicht auf die Lösung des Palästina-Problems einigen. Die Vollversammlung der UN entschied sich in der Resolution 181 im November 1947 für eine Teilung Palästinas und damit gegen einen binationalen Föderativstaat aus. Großbritannien erklärte, dass es bis Mai 1948 die Truppen abziehen werde, aber nicht den Teilungsprozess unterstützen werde. Vielmehr behinderten die Briten sogar die Vorbereitungen der Vereinten Nationen.

Kurz nachdem die Resolution verabschiedet worden war, begann ein Bürgerkrieg zwischen den Juden und Arabern. Ab 1948 versuchten die unterschiedlichen Gruppierungen in erster Linie, strategisch wichtige Punkte für sich zu beanspruchen.

Zionistische Militärorganisationen versuchten zudem das Gebiet, das nach der Resolution den Juden zufallen sollte, und die jüdischen Siedlungen sowie Jerusalem unter ihre Kontrolle zu bringen. Hierbei kam es auch zu Übergriffen auf die Zivilbevölkerung, auch zu Massakern. Aufgrund solcher Nachrichten floh die arabische Bevölkerung in Massen; der Großteil der emigrierten Araber wurde jedoch vertrieben. Durch Vergeltungsaktionen verschärfte sich die Lage zusätzlich.

Staatsgründung Israels

Am 14. Mai 1948 erklärte der Jischuw die Unabhängigkeit und gründete damit den Staat Israel. Die jüdische Bevölkerung war davon überzeugt, dass sie das Recht hatte, wie jedes andere Volk innerhalb eines gemeinsamen souveränen Staates zu leben. Die Staatsgründung führte aber nicht zu einer Befriedung. Die angrenzenden arabischen Staaten, die den UN-Teilungsplan ohnehin nicht akzeptierten, versuchten militärisch gegen Israel vorzugehen, was zum ersten Nahostkrieg führte.

Der Nahostkonflikt während des Kalten Krieges

Israel und die palästinensischen Araber

Durch den ersten Nahostkrieg mussten die palästinensischen Araber ihren Wunsch nach einem eigenen Staat aufgeben. Sie waren zum einen militärisch zu schwach und zum anderen waren mögliche Gebiete zur Staatsgründung durch Israel und Transjordanien besetzt. Insgesamt verließen 650.000 Palästinenser ihre Heimat und fanden in den Nachbarländern Schutz. Dort wurden sie aber nur in provisorischen Lagern untergebracht, wo sie auch heute noch hausen müssen. Schätzungen gehen davon aus, dass zur Zeit etwa 3 Millionen Flüchtlinge in diesen Lagern leben.

Diese „nakba“ (Katastrophe) für die Palästinenser verschärfte sich dadurch, dass Israel die durch den Krieg eroberten Gebiete in das eigene Staatsgebiet aufnahm und den Flüchtlingen eine Rückkehr verbot. Für die Palästinenser und die arabischen Nachbarstaaten ist dies daher eine Prämisse für eine friedliche Beilegung des Nahostkonflikts.

Wandel in der palästinensischen Politik

1964 wurde die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) gegründet. Sie wollte Palästina befreien und die Gründung eines unabhängigen Staates erreichen. Sie setzte nicht nur auf militärische Mittel, sondern auch auf Wirtschaftsförderung, soziale Maßnahmen und Bildung.

Unter Yassir Arafat – ab 1969 Vorsitzender der PLO – entwickelte sie sich zu einer eigenständigen nationalen Organisation. Sie zeichnete sich durch die bedingungslose Ablehnung des Existenzrechts Israels, Gewalttaten und Terroranschlägen aus. Seit Mitte der 1970er-Jahre wandelte sich jedoch das Bild, wodurch sie international an Ansehen gewann. Sie galt nunmehr als offizielle palästinensische Repräsentation und konnte so auch Vertretungen in fremden Ländern eröffnen.

Die PLO verzichtete daher auf radikale Lösungsversuche. Sie forderte nun die Gründung eines palästinensischen Staates auf dem seit 1967 von Israel besetztem Gebiet. Arafat kündete auch eine auf Ausgleich gerichtete Politik an. Zwar verlor Ende der 1980er-Jahre die PLO beinahe die Führungsrolle durch radikalere Gruppierungen; 1988 schwor Arafat dennoch endgültig dem Terrorismus ab und erkannte nun das Existenzrecht Israels an. Israel hingegen sah zunächst in der PLO aber immer noch eine Terrororganisation und lehnte Gespräche ab. Erst 1993 änderte Israel seine Haltung.

Israel und die arabischen Staaten

Neben den Problemen mit den Palästinensern bestehen als eine zweite Ebene des Nahostkonflikts die Auseinandersetzungen zwischen Israel und den arabischen Staaten. Mit diesen führte Israel insgesamt fünf Kriege (1947/48 den 1. Nahostkrieg, 1956 den Suezkrieg, 1967 den Sechs-Tage-Krieg, 1973 den Jom-Kippur-Krieg und 1982 den Libanonkrieg).

Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die arabischen Nationen untereinander keine Einheit bilden, sondern eigene Interessen verfolgen. Sie führten auch gegeneinander Kriege, die jedoch nicht als Nahostkriege bezeichnet werden. Ägypten und Jordanien schlossen mit Israel 1979 bzw. 1994 Friedensverträge; Syrien hingegen sieht in Israel den „zionistischen Feind“ und einen Kampf um die Existenz; Saudi-Arabien versuchte dagegen sich als Hüter des Islam zu etablieren.

Politik der USA und Sowjetunion

Bis in die 1950er-Jahre beeinflussten vor allem Großbritannien und Frankreich den Nahen Osten. Während des Kalten Krieges spielten aber die USA und die Sowjetunion eine tragende Rolle. Beide Großmächte erkannten Israel an, die USA standen aber tendenziell Israel nahe, während die Sowjetunion die Palästinenser und einige arabische Staaten unterstützte. Die UdSSR konnte ihre Macht am Mittelmeer ausbauen, verlor aber seit 1973 an Einfluss. Syrien war für die Sowjetunion seit 1980 der wichtigste Partner. Die USA wurden gleichzeitig zum Vermittler zwischen den Interessengruppen; konnten aber nur bedingt etwas erreichen.

Beide Mächte hatten jedoch nur begrenzte Möglichkeiten, im Nahen Osten zu agieren. Es darf auch nicht übersehen werden, dass sowohl die USA als auch die Sowjetunion geopolitische Bestrebungen hatten. Außerdem spielt auch heute noch in der Politik des Nahen Ostens die Rolle der Erdölvorkommen eine bedeutende Rolle.

Möglichkeiten und Grenzen der Friedenspolitik im Nahen Osten

Die erste Intifada

Nach einem Verkehrsunfall im Dezember 1987 durch einen israelischen Militärlaster, bei dem vier Palästinenser gestorben waren, kam es zu Demonstrationen gegen die israelische Besatzung im Gazastreifen. Diese Unruhen griffen innerhalb kurzer Zeit auch auf das Westjordanland und Ost-Jerusalem über. Israels Militär reagierte darauf mit harschen Maßnahmen. Im ersten Jahr starben 616 Palästinenser – ein großer Teil davon Kinder – und 19 Israelis. Die Unruhen entwickelten sich zu einer Rebellion, die bis 1993 andauerte. Diese wird erste „Intifada“ (Abschüttelung) genannt.

Die palästinensisch geprägten Gebiete wurden zu dem Zeitpunkt bereits seit über 20 Jahren vom israelischen Militär besetzt. Durch die schlechter werdende wirtschaftliche Lage bei zunehmender Bevölkerung, hohe Arbeitslosigkeit, israelischen Siedlungsbau und starke Beschränkungen des täglichen Lebens durch das Militär sorgten dafür, dass nicht nur wie anfangs die Jugendlichen auf die Straße gingen, sondern, dass die Intifada von der ganzen Bevölkerung getragen wurde.

Die Demonstrationen wurden rasch von der PLO organisiert. Sie rief zum Volksaufstand auf, der am deutlichsten durch Generalstreiks und Steuerverweigerung wurde. Neben dem Ende der Besatzung strebten die Palästinenser die Gründung eines eigenen Staates an. Aus diesem Grund errichtete man eine eigene Infrastruktur. Israel reagierte hierauf, indem Schulen und Universitäten geschlossen wurden. Jordanien gab 1988 infolge der Intifada seinen Anspruch auf das Westjordanland auf. Im gleichen Jahr wurde zudem der Staat Palästina ausgerufen, durch den auf palästinensischer Seite die Zweistaatenlösung akzeptiert wurde.

Die Intifada endete schließlich am 13. September 1993 mit der Osloer Prinzipienerklärung. Durch sie sollten auf den besetzten Territorien innerhalb einer Übergangsphase von fünf Jahren eine Selbstverwaltungsorganisation eingerichtet werden und Verhandlungen für den „Endstatus“ eingeleitet werden. Dieser Friedensprozess wurde häufiger durch die islamistische „Hamas“ gestört, die einen islamischen Staat anstrebte.

Zweite Intifada und Roadmap

Im Jahre 2000 begann die zweite Intifada – auch „Al-Aqsa-Intifada“ genannt. Auslöser war ein von den Palästinensern als Affront empfundener Auftritt eines israelischen Politikers am Tempelberg. Sie war geprägt von einer stärkeren Eskalation und einer größeren Gewalt. Es kam zudem zu vielen Selbstmordattentaten. Auf diesen Terror antwortete das israelische Militär mit der Bombardierung und Zerstörung der palästinensischen Infrastruktur und Häuser. Dies wiederum wurde auf der anderen Seite als Staatsterror empfunden.

Um diese Gewaltspirale zu beenden, intervenierten die EU, die USA, die UNO und Russland, die die „Roadmap“ ausarbeiteten, die zu einem Frieden zwischen den Konfliktparteien führen sollte. Sie wurde 2003 offiziell übergeben. Am 8. Februar 2005 vereinbarten die Palästinenser und Israel eine Waffenruhe, wodurch die zweite Intifada beendet war. Es zeigt sich jedoch, dass die Lage im Nahen Osten äußerst angespannt ist und dass eine baldige Lösung des Konflikts nicht zu erwarten ist.

Die USA: Von Kolonien zur globalen Supermacht

Die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen der USA

Die weißen Siedler

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert entstanden an der Ostküste Nordamerikas englische Kolonien, die Großbritannien mit Rohstoffen versorgen und englische Produkte abnehmen sollten. Die aus ganz Europa kommenden Siedler kamen nicht nur aus wirtschaftlichen Interessen; viele kamen auch aus religiösen Gründen oder aufgrund politischer Verfolgung.

Aufgrund dieser Vielfalt unterschiedlicher Erfahrungen und Lebensweisen entstand früh eine Toleranz gegenüber den anderen und zu einer Trennung zwischen Kirche und Staat, die es so in Europa nicht gab. Es entwickelten sich zudem politische Freiheiten und rechtsstaatliche Prinzipien. Durch die Volksvertretungen („assemblies“) konnten die Kolonien zudem an der (Steuer)Gesetzgebung teilhaben.

Mit der Zeit empfanden sich die 13 Kolonien als eine Gemeinschaft. Insbesondere unter den Protestanten entstand zudem ein Sendungsbewusstsein: Sie seien Gottes Gehilfen bei der Schaffung eines neuen Jerusalems auf amerikanischem Boden; dieses Denken ist auch in der heutigen amerikanischen Gesellschaft teilweise anzutreffen.

Die Indianer

Sofern den weißen Siedlern – insbesondere den Protestanten – die Freiheiten aus der Magna Carta Libertatum (1215) und der Bill of Rights (1689) sowie Bildung und Wohlstand zugutekamen, kann man dies von den Ureinwohnern Nordamerikas nicht behaupten. Während zunächst die meisten Kontakte zwischen den Europäern und den Indianern friedlich verlief und ein steter Handel getrieben wurde, verschärfte sich mit der Zeit die Situation.

Die Siedler kauften das für die Landwirtschaft benötigte Land den Indianern ab; diese kannten aber nicht die europäische Betrachtungsweise von Eigentum, insbesondere nicht das Konzept eines Landkaufs. Dies führte dazu, dass es zu Vertragsbrüchen kam, die häufig in blutigen Kämpfen mündeten. Die unterlegenen Indianer wurden infolge dessen häufig vertrieben oder getötet.

In Gebieten, in denen jedoch die Siedler und Ureinwohner zusammenlebten, nahmen diese häufig die europäische Kultur an. Zusammen mit der Vertreibung und dem Tod durch Hunger oder Kampf führte das dazu, dass die indianische Kultur zerstört wurde. Dies lässt sich auch den Bevölkerungszahlen ablesen: Gab es vor den ersten Siedlern ungefähr eine Millionen Indianer lebten 1900 in den für die Indianer ausgewiesenen „Reservaten“ nur noch 200.000 Ureinwohner, wo auch heute noch viele in Armut leben.

Die Afroamerikaner

In der Unabhängigkeitserklärung von 1776 wurde allen Staatsbürgern eine Gleichheit vor dem Gesetz gewährleistet. Dennoch wurde dies nicht umgesetzt; am Anfang galten die Bürgerrechte nur für weiße, protestantische Männer. Die Geschichte der Afroamerikaner in Nordamerika begann auch mit dem Sklavenhandel. So gab es 1810 bereits 1,2 Millionen schwarze Sklaven, die zumeist im Süden auf den Baumwollplantagen arbeiten mussten.

Im Norden war die Sklaverei aufgrund einer stärkeren Industrialisierung nicht notwendig war und wurde mit der Zeit abgeschafft. Der Süden war jedoch wegen seiner Agrarwirtschaft auf diese angewiesen. Der Streit um die Sklaverei sowie andere Gründe führten schließlich unter Präsident Abraham Lincoln zum amerikanischen Bürgerkrieg (1860-1865). Der Süden verlor den Krieg und die Sklaverei wurde abgeschafft.

Die soziale Situation für die Afroamerikaner wurde dadurch aber nicht zwangsläufig besser. Vor allem im Süden gab es weiterhin eine strikte Segregation (Rassentrennung), was vom Supreme Court 1896 erlaubt und erst 1954 – jedoch nur in öffentlichen Schulen – verboten wurde. Um diese Ungleichheit zu bekämpfen, versuchte die afroamerikanische Gemeinschaft sich mit eigenen Kirchen und Bildungseinrichtungen selbst zu helfen.

Ab den 1950er-Jahren versuchte die Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement) um Martin Luther King Jr. (1929-1968) mit gewaltfreien Mitteln eine Gleichberechtigung zu erzielen. 1963 kam es zum Marsch auf Washington mit 200.000 Beteiligten. Unter John F. Kennedy wurden daraufhin Maßnahmen erlassen, unter anderem das Bürgerrechtsgesetz (Civil Rights Act, 1964), das jegliche Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe verbot. Die erhofften Wirkungen wurden jedoch nicht erzielt, wodurch es zwischen 1965 und 1968 zu Ausschreitungen kam, bei denen auch Martin Luther King ermordet wurde. In den 1970er-Jahren nahm der gewaltfreie Protest wieder zu. Eine Gleichberechtigung oder eine Abkehr vom in der Gesellschaft vorhandenen Rassismus ist aber nach der Präsidentschaft von Barack Obama nicht in Sicht.

Unabhängigkeitskampf gegen England und Frontier-Bewegung

Entfremdung zwischen Kolonien und England

Seit ungefähr 1750 distanzierten sich die Kolonien zunehmend vom englischen Mutterland. Deutlich wurde dies insbesondere nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763). In diesem kämpfte England gegen Frankreich um Kanada. Nach dem Sieg musste England seine Macht sichern, was aufgrund der ohnehin schlechten Finanzlage England besonders schwer belastete. Daher sollten in den Kolonien neue Steuern erhoben werden. Das Problem dabei waren jedoch nicht die neuen Steuern, sondern dass die Kolonien hierbei nicht mitentscheiden durften (Stempelsteuerkongress 1765: „no taxation without representation“). Zwar zog Großbritannien einige Gesetze wieder zurück, die Entfremdung war aber deutlich geworden.

Bruch mit England

Nach der „Boston Tea Party“ am 16. Dezember 1773, bei der von amerikanischen Siedlern als Protest gegen die englischen Steuern Tee ins Meer gekippt worden war, erließ England Strafgesetze gegen Massachusetts. 1774 versammelten sich Vertreter der Kolonien zum Kontinentalkongress, auf dem sie einen Boykott der britischen Güter vereinbarten.

England wollte 1775 die Anstifter der Boston Tea Party verhaften. Bewaffnete Kolonisten wollten dies verhindern und kämpften erfolgreich gegen die englischen Soldaten bei Lexington. Damit begann der offene Krieg, der monetäre Interessen und Grundsatzfragen von Recht und Verfassung umfasste.

Im gleichen Jahr noch wurde George Washington (1732-1799) zum Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen ernannt. Die Kolonisten beriefen sich auf ihr Widerstandsrecht, wie es John Locke beschrieben hatte. 1776 war schließlich ein Großteil der Bevölkerung für die Unabhängigkeit der amerikanischen Kolonien, was auch dem Publizisten Thomas Paine (1737-1809) zu verdanken ist („Common Sense“).

Die demokratische Verfassung

Am 4. Juli 1776 wurden die amerikanischen Kolonien mit der Unabhängigkeitserklärung unabhängig von England. Erst 1783 erkannte London im Friedensvertrag die Vereinigten Staaten an. Die Unabhängigkeitserklärung beruhte auf dem Denken der europäischen Aufklärung und erhielt daher auch einen Grundrechte-Katalog. Bereits im Juni 1776 wurde jedoch mit der Virginia Bill of Rights die erste Verfassung nach moderner Auffassung auf amerikanischem Boden verkündet.

1781 arbeitete der Kongress die „Articles of Confederation“ heraus; sie war die erste Verfassung der USA. Dadurch wurde aus den einzelnen Kolonien ein Staatenbund gebildet. Es zeigte sich jedoch schnell, dass dieser faktisch kaum handlungsfähig war. Schließlich wurde im September 1787 eine neue Verfassung verkündet. Dem ging ein Streit über die grundsätzliche Ausformung der vertikalen Gewaltenteilung voraus: Während die Föderalisten eine starke Zentralregierung anstrebten, wollten die Republikaner möglichst starke Einzelstaaten und eine relativ schwache Bundesgewalt. Die Verfassung fand hierfür einen Kompromiss.

Der Zug nach Westen

Mit den neuen Verfassungen und der Unabhängigkeitserklärung waren die ehemaligen Kolonisten zwar formal Amerikaner. Die Ausprägung einer US-amerikanischen Nationalidentität bildete sich aber erst mit der Vergrößerung der des Staatsgebiets. Bis 1783 erstreckten sich die Vereinigten Staaten von der Ostküste bis zum Mississippi, 1890 war auch die Pazifikküste amerikanisches Territorium. Lebten in einem Gebiet mindestens 60.000 Männer, wurde es als Bundesstaat in die Union aufgenommen, wobei die Landnahme nicht immer friedlich durchgeführt wurde.

Grundlagen des amerikanischen Selbstverständnisses

Das amerikanische Selbstverständnis beruht auf drei Säulen. Der „Spirit of the Frontier“ des 19. Jahrhunderts bezog sich nie auf eine feste Grenze; vielmehr sollte damit verdeutlicht werden, dass die Siedler bei ihrer Westexpansion davon überzeugt waren, die menschliche Kultur und Zivilisation zu verbreiten.

Als nächstes Merkmal gibt es die „Manifest Destiny“. Demnach seien die Amerikaner von Gott dazu auserwählt, Nordamerika bis hin zum Pazifik zu erschließen. Dieses Auserwähltheitsbewusstsein wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch dazu verwendet, um die imperialistische Politik der USA zu rechtfertigen.

Zuletzt gibt es das republikanische Sendungsbewusstsein. Demnach seien alle Amerikaner aufgrund der gesellschaftlichen Situation frei und gleich; persönlicher Erfolg und Misserfolg beruhen ausschließlich auf dem eigenen Handeln. Dieses Denken versuchen die Vereinigten Staaten mithilfe ihrer Außenpolitik auch in andere Staaten zu übertragen.

Nicht unterschätzt werden darf auch der amerikanische Patriotismus, der tief im Alltag verwurzelt ist. So beginnt ein Schultag meist mit der Eidesformel: „Ich gelobe Treue der Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und der Republik, die sie repräsentiert, einer Nation unter Gott, mit Freiheit und Gerechtigkeit für ihn“. Die Fahne ist auch ein Zeichen der amerikanischen Geschichte: Die 13 Streifen symbolisieren die ehemaligen Kolonien, die 50 Sterne die Bundesstaaten.

Der Aufstieg der USA zur Weltmacht

Vom Isolationismus zur Weltpolitik

George Washington hatte in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten eine „große Verhaltensregel“: Nach ihr sollen die USA mit allen Ländern Handel treiben, sich aber aus den politischen Angelegenheiten dieser heraushalten. Der Präsident James Monroe (1817-1825) hatte mit seiner sogenannten Monroe-Doktrin eine ähnliche Grundhaltung: Die Vereinigten Staaten würden sich an europäischen Konflikten nicht beteiligen, sofern die europäischen Nationen sich nicht auf dem amerikanischen Doppelkontinent betätigen.

Diese Doktrin war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Richtschnur für die Außenpolitik. Mit Beginn des Imperialismus brachen die Amerikaner aber zunehmend mit ihr. Als die USA schließlich im Jahre 1917 auf der Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg eintraten, wandten sie sich offen komplett von der Monroe-Doktrin ab.

Aufstieg zur Weltwirtschaftsmacht

Diese Öffnung der Außenpolitik wurde vom Aufstieg der Vereinigten Staaten zu einer globalen Wirtschaftsmacht begleitet. Nach dem Bürgerkrieg wuchs die amerikanische Wirtschaft rasant an. Hauptantrieb waren dabei die großen Rohstoffvorkommen und die Erfindung neuer Technologien zu deren Gewinnung. Der Ausbau der Infrastruktur führte zudem zu einer Vergrößerung des Binnenmarktes. Der amerikanische Markt war auch von einem Wettbewerbsdenken und einer Investitionsbereitschaft geprägt. Dadurch nahmen die Industrieproduktion und die Bildung von „Big Business“-Unternehmen zu.

Imperialismus und Weltpolitik

In den 1880er-Jahren bauten die USA ihre Marine stark aus, um so ihre Handelsinteressen sichern zu können. In den 1890er-Jahren befürworteten zudem immer mehr Personen eine imperialistische Politik. Die Befürworter sahen darin eine Möglichkeit der Wirtschaftsförderung; zudem waren sie überzeugt davon, dass sie die Ideale der Unabhängigkeitserklärung anderen Ländern gewissermaßen exportieren könnten.

Die USA begannen, im Pazifik, Ostasien und Zentralamerika zu expandieren. 1899 wurden sie das Protektorat über Samoa, übernahmen 1898 Puerto Rico, Guam, die Philippinen und Hawaii. Im gleichen Jahr begann der Spanisch-Amerikanische Krieg aufgrund einer amerikanischen Intervention in Kuba. Neben der Unterstützung der Unabhängigkeit Kubas ging es den USA vor allem um wirtschaftliche Interessen in der Zuckerproduktion. Die Vereinigten Staaten konnten den Krieg bereits nach kurzer Zeit für sich gewinnen und der spanischen Marine erhebliche Verluste beibringen.

Die Öffentlichkeit änderte ihre Meinung zur Außenpolitik im Jahre 1898. Die USA versuchten auf den Philippinen eine Kolonie nach europäischem Vorbild zu begründen. Dadurch und durch den gegen sie geführten Guerillakrieg wurden jedoch große Mengen an militärischen und finanziellen Ressourcen gebunden. Von da an setzten die USA auf ein „Informal Empire“, bei dem eine fremde Nation durch den Handel politisch abhängig gemacht werden sollte.

Als ein großer Absatzmarkt für Güter galt China. Für die Vereinigten Staaten waren aber Zentralamerika und die Karibik ein wesentlich wichtiger Markt. Die amerikanische Wirtschaft investierte viel Geld, sodass sich die dortigen Regierungen den amerikanischen Interessen unterwarfen. Das erwirtschaftete Geld aus der Boden- und Agrarwirtschaft gelangte wieder in die USA, wodurch die Staaten klein gehalten werden konnten. Theodor Roosevelt (1901-1909) rechtfertigte 1904 diesen „Dollarimperialismus“ mit der Monroe-Doktrin und einem präventiven Interventionsrecht zugunsten der USA.

Amerikanische Außenpolitik während der Weltkriege

Die USA im Ersten Weltkrieg

Die USA waren bis 1917 neutral. Amerikanische Banken gewährten zwar Frankreich und Großbritannien, mit denen auch ein enger wirtschaftlicher Kontakt bestand, Kredite, die öffentliche Meinung stand bis 1915 einem Kriegseintritt aber ablehnend gegenüber.

Als jedoch deutsche U-Boote das Kreuzfahrtschiff „Lusitania“ versenkten und dabei auch Amerikaner starben, änderte sich die Stimmungslage. Als das Deutsche Reich versuchte Mexiko auf die Seite der Mittelmächte zu ziehen, indem es zusicherte, den Anspruch der verlorenen Gebiete seit 1848 (der gesamte Südwesten der USA) zu unterstützen, verstärkte sich die Haltung der Amerikaner nochmals. Dazu kam die deutsche Verkündung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges. Die USA erklärten schließlich den Mittelmächten den Krieg und sollten so den Kriegsausgang entscheidend beeinflussen.

Zwischen Isolationismus und Internationalismus

Woodrow Wilson (1913-1921) führte die USA in den Ersten Weltkrieg. Sein Ziel war dabei, die Demokratie zu verbreiten und Kriege zu beenden. Hierfür schuf er den Völkerbund, der ein Teil eines internationalen Sicherheitssystems sein sollte. Den Beitritt der USA hierzu lehnte der Kongress jedoch ab.

Sein Nachfolger Warren Harding kehrte zudem zurück zu den Prinzipien George Washingtons: Handel treiben, in Bezug auf andere Nationen aber nicht politisch tätig werden. Diese Zeit wird häufig auch als „Isolationismus“ bezeichnet; dabei bestand mit Europa eine enge wirtschaftliche Verknüpfung und die USA vergrößerten im Pazifik ihre wirtschaftlichen sowie politischen Einflüsse.

Der Zweite Weltkrieg

Die USA intervenierten bis 1936 in keine der europäischen oder japanischen Konflikte. Erst mit dem japanischen Einmarsch in China (1937) und dem Anschluss Österreichs durch Deutschland (1938) wurde unter Franklin D. Roosevelt der Isolationismus aufgegeben. Seitdem rüsteten die USA zunehmend das Militär auf.

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor am 11. Dezember 1941 erklärten die USA Japan den Krieg, woraufhin das Deutsche Reich und Italien wiederum den Vereinigten Staaten den Krieg erklärten. Wie bereits im Ersten Weltkrieg ging es den USA hier nicht nur um Wirtschafts- und Interessenpolitik, sondern auch um die Verteidigung des eigenen Landes und der Bekämpfung von Diktaturen.

Die USA im Kalten Krieg

Westliche Führungsmacht

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die USA und die Sowjetunion aufgrund ihrer gegensätzlichen Politik zu Feinden. Dieser Kalte Krieg zwischen den beiden Weltmächten dauerte bis 1990/91. Die USA wollten aber nicht mehr einen Isolationismus; stattdessen versuchten sie, in möglichst vielen Ländern die Demokratie und Marktwirtschaft zu etablieren. Im Gedanken, dass dies zu einer Befriedung der Welt führen könne, wurden 1945 auch die Vereinten Nationen gegründet.

Während des Kalten Krieges gab es auch „heiße“ Kriege. Das besondere war jedoch, dass aufgrund des atomaren Pattes eine Konfliktsituation jederzeit in einen Atomkrieg und damit in einer weltweiten Zerstörung münden konnte. Beispielhaft kann hierfür der Koreakrieg, die Kubakrise und der Vietnamkrieg herangezogen werden.

Koreakrieg

Die Halbinsel Korea war seit 1948 geteilt. Während die „Republik Korea“ im Süden eine Demokratie und den USA gewogen war, war die im Norden gelegene „Demokratische Volksrepublik Korea“ eine kommunistische Diktatur und stand daher unter dem Schutz der Sowjetunion und Chinas.

1950 griffen nordkoreanische Truppen nach Rücksprache mit der Sowjetunion Südkorea an. Unter einem UNO-Mandat schritten die USA und weitere Staaten in den Krieg ein. Während des Krieges wuchs die Gefahr einer direkten Auseinandersetzung zwischen den USA und China; der amerikanische General MacArthur erwog daraufhin den Einsatz atomarer Waffen; Präsident Truman lehnte dies jedoch ab, da er keinen dritten Weltkrieg verursachen wollte.

Am Ende der Auseinandersetzung waren circa eine Million Südkoreaner, 2,5 Millionen Nordkoreaner, eine Million Chinesen und 40.000 Amerikaner sowie Verbündete gestorben. Einen Gebietsgewinn konnte keine Partei vorweisen. Nach dem Waffenstillstand war stattdessen ein Großteil der Infrastruktur der Halbinsel zerstört und mehrere Millionen Flüchtlinge suchten im Süden Schutz.

Infolge des Koreakrieges sahen sich die Vereinigten Staaten als Verteidiger der „freien Welt“. Dafür bauten sie die größte Armee in einer Friedenszeit auf. Der Koreakrieg war zudem der erste „begrenzte Krieg“: Die USA und Sowjetunion konnten grundsätzlich ohne Gefahr einer direkten Konfrontation mit dem Feind militärisch intervenieren. Der damalige US-Außenminister schlug sogar eine „Rollback“-Politik vor, bei der die kommunistische Einflusssphäre nicht nur aufgehalten sondern verkleinert werden sollte.

Kubakrise

Seit 1950 hatte auch die Sowjetunion Atomwaffen. Mit dem Start des Satelliten „Sputnik“ im Jahre 1957 waren die Sowjetunion und die USA militärisch ebenbürtig: Beide Staaten hatten das Potenzial, das jeweils andere Land mit den eigenen Atombomben zu vernichten. Bei einem Angriff würde man aber die eigene Existenz gefährden. Dieser labile Frieden konnte nur dadurch gewahrt werden, dass der Status quo akzeptiert wurde.

Bei der Kubakrise (1962) verschärfte sich die Lage aber dramatisch: Die Sowjetunion stationierte auf der seit 1959 kommunistischen Kubainsel Mittelstreckenraketen, wodurch das gesamte US-Festland getroffen werden konnte. Die USA reagierten hierauf mit einer Mobilisierung der Streitkräfte. Kennedy forderte unter Drohung eines Angriffs zudem den Abzug der sowjetischen Truppen. Schließlich gaben beide Staaten nach: Die Sowjetunion und die USA zogen ihre Raketen von Kuba bzw. der Türkei ab.

Die Kubakrise wurde zu einem Wendepunkt im Kalten Krieg. Es war deutlich geworden, dass eine Konfrontation jederzeit zur atomaren Auslöschung führen könnte. Um das Risiko zu mindern, wurde 1963 zwischen Moskau und Washington eine direkte Nachrichtenverbindung („heißer Draht“) aufgebaut, um so bei einer möglichen Eskalation schnell kommunizieren zu können.

Vietnamkrieg

Nach dem Rückzug französischer Truppen aus Vietnam, wurde das Land 1954 geteilt. Der kommunistische Norden unterstützte die „Nationale Befreiungsfront“ (Vietcong) gegen den Süden, der von den Amerikanern militärische und wirtschaftliche Hilfe erhielt. Ab 1964 griffen die USA militärisch in den Guerillakrieg ein, konnten sich jedoch nicht behaupten. Die Truppen wurden schließlich ab 1969 abgezogen; 1973 schlossen die Vereinigten Staaten mit Nordvietnam einen Waffenstillstand. 1974 erfolgte eine nordvietnamesische Offensive, bis 1975 Südvietnam kapitulieren musste. Vietnam wurde damit im Ganzen kommunistisch.

Der Vietnamkrieg war aus Sicht der USA und der Sowjetunion eine typische Auseinandersetzung zwischen dem Ost- und Westblock. Daher unterstützten die UdSSR und China Nordvietnam mit erheblichen Hilfsgütern und -geldern, um so auch in anderen Staaten eine antikapitalistische Bewegung aufzubauen. Den USA ging es in erster Linie darum, seine Rolle als Führungsmacht und Verteidiger der freien Welt zu beweisen. Zudem versuchten sie die von Eisenhower verkündete „Domino-Theorie“ zu verhindern: Würde ein Staat kommunistisch werden, würde dies eine Kettenreaktion auslösen.

Die USA als einzig verbliebene Weltmacht

Die globale Supermacht

Die USA haben sich nach dem Zusammenbruch des Ostblocks nicht aus der internationalen Politik zurückgezogen. Zudem intervenieren sie selbst bei regionalen Konflikten mit militärischen und diplomatischen Mitteln. Aus diesem Grund werden die Vereinigten Staaten häufig auch als imperiale Macht bezeichnet. Lehnt man diesen Begriff ab, ist dennoch festzustellen, dass die USA aufgrund ihrer militärischen und wirtschaftlichen Macht, der technologischen Fortschritte und des weltweiten Kulturexports die einzige globale Supermacht sind (nach Zbigniew Brzezinski, 2002).

Interventionen auf dem Balkan

Die USA griffen auf dem Balkan nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991/92 aktiv mit dem Ziel einer friedlichen Lösung ein. Sie intervenierten 1995 im Bosnienkrieg und 1999 im Kosovo. Die USA versuchten mithilfe von NATO-Luftangriffen die Vertreibung Hunderttausender Kosovo-Albaner zu verhindern. Jene erfolgten jedoch ohne Genehmigung des UN-Sicherheitsrates. Zudem agierten die NATO-Länder das erste Mal außerhalb des Bündnisgebietes.

Bei den Einsätzen des amerikanischen Militärs stellten sich die Fragen, inwiefern man bei diesem von einer „Weltpolizei“ sprechen kann, und nach den politisch-moralischen Grundlagen der amerikanischen Außenpolitik. Kritiker äußern, dass die USA nur dort unter dem Vorwand von Menschenrechtsverletzungen intervenieren, wo sie einen geopolitischen oder wirtschaftlichen Vorteil erwarten. Zudem seien während des Kalten Krieges Diktaturen unterstützt worden, die später als Feinde angesehen wurden, sobald sie keinen politischen Nutzen mehr brachten. Eine weitere Kritik ist die Förderung des islamistischen Terrors durch die USA: So wurde die Terrorgruppe Al-Qaida nur aufgrund der Hilfe, die sie im Kampf gegen die sowjetische Besatzung von den Amerikanern erhielt, so stark.

Befreiung Kuwaits

Im August 1990 wurde Kuwait von irakischen Truppen besetzt. Im Auftrag der Vereinten Nationen griffen die USA und 26 weitere Staaten den Irak an. Neben der Befreiung Kuwaits wollten die USA eine Machtverschiebung im Nahen Osten zulasten Israels verhindern. Aufgrund ihrer technologischen Dominanz konnte die Koalition bereits nach kurzer Zeit siegen. Nach der Befreiung Kuwaits lehnte Präsident George Bush einen Angriff auf den Irak und den Sturz Saddam Husseins ab.

Kampf gegen den Terrorismus

Der Terroranschlag vom 11. September 2001 war seit der Verwüstung Washingtons im Jahre 1814 der erste Angriff amerikanischen Bodens. Präsident George W. Bush verstand die Anschläge als Kriegserklärung; er erklärte daraufhin den „War on Terror“. Im September 2002 wurde die neue „Nationale Sicherheitsstrategie“ verkündet, nach der die USA Freiheit, Demokratie und Marktwirtschaft in der Welt verbreiten wollen. Zudem sollen „präemptive Aktionen“ durchgeführt werden: Sollte ein Staat für die USA nach deren Ansicht eine Gefahr darstellen, dürfe dieser angegriffen werden.

Im Oktober/November 2001 begann (mit einem UN-Mandat) der Krieg gegen Afghanistan, bei dem die Taliban aus dem Land vertrieben wurde. Der Aufbau einer neuen politischen Struktur und Verwaltung stellte sich aber als schwierig heraus, insbesondere da Terrormilizen versuchen, diesen Neuaufbau zu stören. Im März 2003 griffen die USA ohne UN-Mandat den Irak mit dem Vorwand an, dieser besäße Massenvernichtungswaffen. Nach drei Wochen war Saddam Hussein gestürzt; eine Befriedung des Landes setzte dadurch aber nicht ein.

Die Vorgehensweise der USA im Krieg gegen den Terror steht seit Beginn an unter heftiger Kritik. Es wird angeführt, dass der Krieg gegen den Irak ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg war. Zudem entflammte aufgrund des Einmarsches erneut die Diskussion, ob man bei den USA von einer imperialen Macht sprechen könne. Schließlich wird noch kritisiert, dass der Krieg gegen Menschenrechtsverletzungen und für eine Demokratisierung geführt worden ist. Die USA haben aber selbst gegen Menschenrechte verletzt (z.B. durch Folter) und haben aufgrund des Krieges zu einer Destabilisierung des Landes und der Region beigetragen.



Literatur

  1. Forum Geschichte 12 – Bayern, 2. Auflage 2014, Cornselsen Verlag, ISBN 978-3-464-64839-1

Quellen

  1. S. 82, Forum Geschichte 12
  2. S. 141, Forum Geschichte 12

Überschriften

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