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Geschichte: 10. Klasse

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Weltweite Konflikte

Nach 1945 entwickelte sich eine Feindschaft zwischen der Sowjetunion und den USA, die beide über Atomwaffen verfügten. Deshalb kam es zu keinem offenen Krieg. Man spricht deshalb vom „Kalten Krieg“. Die UdSSR (mit dem Warschauer Pakt) und die USA (mit der NATO) spalteten die Welt faktisch in zwei Blöcke, die von der jeweils anderen Macht respektiert wurde. Verletzte jedoch eine diesen Status Quo, kam es zu Konflikten. Die Gefährdung einer Auseinandersetzung wurde dadurch bestimmt, wie sehr die Interessen des anderen beeinflusst wurden.

Die Kuba-Krise

Nachdem 1959 der von den Amerikanern unterstützte Diktator Batista durch Fidel Castro gestürzt worden war, versuchten Exilkubaner mit US-Streitkräften 1961 in der Schweinebucht auf Kuba zu landen. Daraufhin wurden die UdSSR und Kuba zu starken Bündnispartnern, während die USA einen Wirtschaftsboykott gegenüber dem Inselstaat durchführte. 1962 begann Chruschtschow, Führer der UdSSR, Mittelstreckenraketen, mit denen fast die ganze USA erreicht werden konnten, auf Kuba zu stationieren.

Am 22. Oktober verlangte John F. Kennedy von der sowjetischen Führung nach der Entdeckung der Raketen, diese abzubauen. Der Rat seiner Militärs rieten ihm nicht militärisch einzugreifen, dennoch ließ er eine Seeblockade errichten. Gleichzeitig wurden Geheimverhandlungen geführt, damit die Situation nicht in einem Atomkrieg gipfelte. Zwei Tage später kam es beinahe zu einem Seekampf, die sowjetischen Schiffe drehten aber zuvor ab.

Es kam am 27. Oktober beinahe wieder zu einem Krieg, als ein US-Spionageflugzeug abgeschossen wurde. Die beiden Atommächte konnten jedoch in Geheimverhandlungen vereinbaren, dass die Sowjetunion ihre Raketen aus Kuba zurückziehen würden und die USA sowohl keine Invasion auf Kuba starten als auch ihre Raketen, die sie 1959 in der Türkei aufstellen ließen und die die UdSSR gefährdeten, abbauen würden.

So konnte eine direkte atomare Katastrophe abgewendet werden, aber es war deutlich geworden, dass die Möglichkeit einer direkten Verständigung zwischen den Staaten unabdingbar war. Aus diesem Grund wurde zwischen Washington D.C. und Moskau eine direkte Telefonverbindung, der sogenannte „heiße Draht“, gelegt. Dieser ermöglichte eine direkte Kontaktaufnahme, falls es zu einer Krisensituation käme.

Der Vietnam-Krieg

In den 50er Jahren entwickelte sich in den USA das Bild der „Domino-Theorie“, nach der ein Staat, der an einen kommunistischen Staat grenzt, ebenfalls zu dieser Wirtschaftsart mutieren würde. Deshalb unterstützten die USA ab 1954 durch Agenten die kapitalistisch geprägte Regierung Indochinas, später Vietnam.

1964 kam es schließlich zu einem Krieg zwischen dem kommunistischen Nordvietnam und Südvietnam. Der Führer Nordvietnams, Ho Chi Minh, konnte die UdSSR und China zur Unterstützung bewegen. Die Guerillas, kommunistische Soldaten in Südvietnam, und die Nordvietnamesen konnten der USA standhalten, die 1967 mehr als 500.000 Soldaten in Vietnam stationiert hatten.

Die amerikanischen Truppen kamen aber nicht gegen die an die Umgebung angepassten feindlichen Truppen an. Sie setzten schließlich chemische Waffen (z.B. „Agent Orange“) ein und warfen Unmengen von Bomben ab, was viele Zivilopfer auf nordvietnamesischer und südvietnamesischer Seite verlangte; die USA wurde als Besatzungsmacht und nicht als Verbündete angesehen.

Die Weltöffentlichkeit wandte sich zunehmend der Politik der USA ab und Präsident Nixon schloss 1973 einen Waffenstillstand mit Nordvietnam. Zwei Jahre später konnten diese die Hauptstadt Südvietnams, Saigon, einnehmen und nannten sie Ho-Chi-Minh-Stadt. Gesamtvietnam wurde ein enger Verbündeter der UdSSR und der Versuch der USA, den Kommunismus einzudämmen, scheiterte.

Entspannung und Verhärtung

Ausgangslage

Nach der Kuba-Krise war deutlich geworden, dass die beiden Supermächte einander stark bedrohten. Deshalb begannen sie begannen mit Langstreckenbombern, Interkontinentalraketen und Atom-U-Booten aufzurüsten, um den Feind bei einem erfolgenden atomaren Erstschlag mit einem Zweitschlag vernichten zu können (sog. „guaranteed mutual destruction“). Dadurch wurde verhindert, dass man den Gegner angreift, da dadurch die eigene Bevölkerung ebenfalls getötet werden würde. Zudem erkannte man, dass es Kontrollen geben musste, um zu verhindern, dass sich die Welt abermals einem Atomkrieg näherte.

Die USA hatten zunächst in der Außenpolitik den Grundsatz der „massive retaliation“. Demnach wäre jeder Angriff von außen durch die UdSSR – unabhängig, ob er mit konventionellen oder atomaren Waffen durchgeführt wird – mit Atomwaffen beantwortet worden.

Schließlich änderten die Vereinigten Staaten diese Doktrin zu der „flexible response“. In dieser wurde der nukleare Gegenangriff ausschließlich als letzte Option in Betracht gezogen. Dennoch mussten beide ihre Schlagkraft behalten, was die UdSSR und die USA vor große wirtschaftliche Probleme stellte.

Die USA kämpften wie die UdSSR mit starken innenpolitischen Problemen, wie dem Rücktritt des Präsidenten Nixon, den Rassenunruhen und den verlorenen Rückhalt beim Vietnam-Krieg. Die Sowjetunion stürzte Chruschtschow und das Militär schlug Aufstände in der DDR, in Polen, in Ungarn und in der Tschechoslowakei nieder. Diese Taten, die zunehmenden Versorgungsprobleme wichtiger Güter und die Verfolgung anders Gesinnter schädigten dem Bild des Kommunismus.

Die Staaten versuchten die öffentliche Meinung wieder für sich zu bestimmen, um ihren Einfluss nicht zu verlieren. Außerdem wollten sie die blockfreien Staaten nicht an den anderen abtreten. Dazu entwickelte sich China zu einer Großmacht, gegenüber der die USA und die UdSSR misstrauisch waren.

Verträge führen zur Entspannung

Die Supermächte suchten schließlich die Verhandlungen. 1972 wurde der SALT-I-Vertrag („Strategic Arms Limitation Talks“) abgeschlossen, in dem eine Obergrenze von strategischen Langstreckenwaffen festgelegt wurde. 1979 kam der SALT-II-Vertrag, in dem eine Maximalstückzahl von Nuklearwaffen verhandelt wurde.

1973 kam es in Helsinki zur KSZE (Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa). In dieser Konferenz waren Mitgliedsstaaten der NATO und des Warschauer Paktes vertreten. Sie beschlossen, dass Beobachter bei militärischen Manövern beiwohnen dürfen, dass die Menschenrechte und dass das Selbstbestimmungsrecht anerkannt werden.

Dies waren die ersten Grundsätze in der unterschiedlichen Politik der Blöcke und es bildete sich ein erster Vertrauensgedanke.

Verhärtung der Beziehungen

Zwar zeigte die Sowjetunion, dass sie zu Verhandlungen bereit wäre. Sie demonstrierte aber auch militärische Stärke, indem sie seit den 70er Jahren die Mittelstreckenraketen in Osteuropa durch die SS-20-Raketen ersetzten. Sie konnten Ziele in Westeuropa erreichen.

1979 entschloss sich die NATO dieser Bedrohung entgegenzutreten, indem sie ebenfalls Mittelstreckenraketen stationieren, falls die Sowjetunion ihre nicht abbauen würden. Dieser sogenannte „NATO-Doppelbeschluss“ war stark umstritten in der Bevölkerung und es kam zu Demonstrationen. Im Herbst 1983 wurden dennoch Pershing-II-Raketen aufgestellt.

1979 unterstützte die Sowjetunion die sozialistische Regierung Afghanistans, indem sie diese mit Truppen unterstützten. Sie kämpften gegen die muslimischen Gegner, die Mudschaheddin. Dieser Eingriff in die internationale Politik wurde als Verletzung des Status Quo (vgl. Kuba-Krise) gewertet.

Die US-Regierung unterstützte daraufhin die Aufständischen mit Waffen und Geld und die NATO rief zusammen mit den USA zu einem Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau auf und verhängte Wirtschaftssanktionen.

1983 wurde vom US-Präsidenten Ronald Reagan das SDI-Programm (Strategic Defense Initiative), ein weltraumgestütztes Raketenabwehrsystem, bekanntgegeben. Die UdSSR musste waffentechnologisch nachziehen, wodurch der Wettlauf um mehr Waffen wieder angeregt wurde. Man nannte diese Zeit „neue Eiszeit zwischen den Supermächten“.

China – eine neue Weltmacht?

China unter Mao Zedong

1911 endete in China das Kaiserreich. Es drohte daraufhin in Provinzstaaten zu verfallen. General Chiang Kai-shek, Führer der Nationalen Volkspartei, gelang es mithilfe der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) das Land zu einigen. Als er aber zum alleinigen Führer werden wollte, kam es zu einem Bürgerkrieg.

Als im Zweiten Weltkrieg die Japaner das chinesische Festland angriffen, kämpften die beiden Parteien zusammen. Nach der Kapitulation Japans brach der Bürgerkrieg wieder aus und die Kommunisten unter Mao Zedong siegten. 1949 floh Chiang Kai-shek mit seinen Anhängern auf die Insel Formosa. Dort gründeten sie den Staat Republik China, Taiwan. Mao Zedong verkündete am 1. Oktober desselben Jahres die Gründung der Volksrepublik China.

Mao Zedong begann sofort durch Enteignungen und Verstaatlichungen in Industrie und Agrarwirtschaft die Gesellschaft und den Staat im Sinne des Kommunismus umzubauen, wobei die Macht vom Volk und nicht von der Partei ausgehen sollte. In dieser Zeit starben ca. 3 Millionen Menschen durch Hinrichtungen. 1958 wurde der „große Sprung nach vorne“ propagiert, in dem die Landwirtschaft gleichzeitig mit der Industrie entwickelt werden sollte.

Es wurden Volkskommunen gebildet, in denen paar tausend Haushalte zusammengefasst wurden und es kein Privatleben und kein Privateigentum mehr gab. Sie sollten sich möglichst selbst versorgen. Letztlich kam es zu einer wirtschaftlichen Katastrophe, in der ca. 27 Millionen Chinesen am Hungerstod starben.

1966 wurde die Jugend gegen die Opposition mobilisiert und verließen als „Rote Garden“ die Schulen und Universitäten. Die Gegner wurden aus ihren Ämtern entlassen oder umgebracht oder sie wurden zum Suizid genötigt. Dadurch vermehrten sich das Chaos und die Verwirrung, wodurch die Produktion wieder stockte. Das Militär musste die Gewalt stoppen und die KPCh übernahm wieder die Macht.

Nach dem Tod von Mao Zedong

Nach dem Tod von Mao Zedong im Jahre 1976 übernahm Deng Xiaoping die Führung in China und leitete eine neue Politik ein. Die Forschung und Lehre wurde von den ideologischen Einschränkungen befreit, die Landwirtschaft und die Industrie erlebte eine Modernisierung und es wurde die Verantwortung des persönlichen Lebens gefördert. Außerdem wurden westliche Produktions- und Managementtechniken übernommen. Die Einkommen der Arbeiter konnten erhöht werden, da die Industrie und die Landwirtschaft eine höhere Produktion hatten.

Es gab aber Konflikte darüber, inwieweit die Partei ihre Macht über die Wirtschaft abgeben sollte. Parteifunktionäre waren dagegen, während vor allem die Studenten in den Jahren 1979, 1986/87 und 1989 für mehr Freiheit und Demokratie demonstrierten. 1989 wurden die Proteste auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ militärisch niedergeschlagen, was in der Öffentlichkeit auf große Empörung stoß.

Trotzdem gelang es China sich der westlichen Welt anzunähern und 1979 knüpfte sie Volksrepublik mit den USA diplomatische Beziehungen, obwohl diese davor noch als „Feind Nr. 1“ bezeichnet wurden. 1971 schaffte es China, in die UNO aufgenommen zu werden und einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat zu erhalten.

In den 70er Jahren stieg China zur wirtschaftlichen Großmacht auf, die auch heute noch Waren exportiert. Viele sehen es als Wirtschaftswunder an, andere warnen, dass die billigen Kosten auf dem chinesischen Markt Millionen von Arbeitsplätzen in Europa gefährden. Außerdem wird auf die Regierungsart, die von Willkür, von Korruption und von Verletzungen Menschenrechte geprägt ist, aufmerksam gemacht.

Hinzu kommt die große Kluft, die zwischen den Armen und Reichen sowie der Stadt und dem Land herrscht, die unzuverlässige Absicherung von Arbeitnehmern und die starke Zunahme der Umweltverschmutzung. Vor allem durch die Menschenrechtsverletzungen brechen häufig regionale Unruhen aus. Deshalb wird die Zukunft Chinas abhängig sein von der Stabilisierung der eigenen Wirtschaft und von der Bewältigung innenpolitischer Probleme.

Deutschland im Kalten Krieg

Ost- und Deutschlandpolitik

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu keinem Friedensvertrag mit Deutschland. Die Regierung der Bundesrepublik weigerte sich deshalb die Oder-Neiße-Linie als Grenze zu Polen anzuerkennen und machte ihren Anspruch auf die Ostgebiete geltend. Diese musste Deutschland an Polen abgeben, weil viele Polen von Osten nach Westen umgesiedelt wurden.

Die polnische Regierung aber wollte, dass diese Grenze, wie durch einen Vertrag mit der DDR geschehen, als rechtmäßig angesehen wird, da dort hauptsächlich nur noch Polen lebten, nachdem seit 1950 ca. 2 Millionen Deutsche vertrieben worden waren.

Die Regierung der DDR hingegen erkannte die Vertreibung der Deutschen aus den Gebieten Schlesien, Pommern und Ostpreußen durch Verträge mit Polen und der Tschechoslowakei als rechtmäßig an.

Durch den Gegensatz zwischen dem West- und Ostblock wurde die BRD stärker an die NATO und die DDR stärker an die UdSSR gebunden. Da seit den 60er Jahren deutlich wurde, dass eine Entspannung von Nöten sei, bemühten sich viele Politiker, ein weiteres Auseinanderleben zwischen den Deutschen zu verhindern. Nachdem 1969 die SPD und die FDP eine Koalition und die Regierung gebildet hatten, wurde unter Willy Brandt (SPD) als Bundeskanzler und Walter Scheel (FDP) als Außenminister eine neue Ost- und Deutschlandpolitik eingeläutet.

1970 verpflichteten sich die Bundesrepublik und die UdSSR im „Moskauer Vertrag“ zum Gewaltverzicht und erklärten die Grenzen in Europa für unverletzlich, eingeschlossen der Grenzen zur DDR und zu Polen.

Danach wurde trotz der Erinnerung an die Verbrechen an der polnischen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg der „Warschauer Vertrag“ unterzeichnet, der ebenfalls zum Gewaltverzicht verpflichtete und die Grenzen als unverletzlich ansah. Willy Brandt war der erste Bundeskanzler, der einen Staatsbesuch in Polen machte. Dabei kam es zu dem „Kniefall von Warschau“, bei dem sich Willy Brandt sich vor einem Ehrenmal der Helden des Ghettos in Warschau hinkniete, um Demut zu zeigen.

Während den Verhandlungen zur UdSSR und zu Polen bemühten sich die Westmächte, eine Lösung für die „Berlinfrage“ zu finden. Im September 1971 einigten sich die vier Siegermächte, dass Westberlin zur BRD besondere Beziehungen pflege, aber kein Bundesland Westdeutschlands wird. Außerdem garantierte die Sowjetunion, dass ein freier Zugang nach Westberlin möglich ist.

Im Juni 1973 trat der „Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik“ (Grundlagenvertrag) in Kraft, in dem festgelegt wurde, dass die DDR gleichberechtigt gegenüber der BRD ist und dass zwischen den beiden Staaten besondere Beziehungen herrschen, weshalb der eine Staat für den anderen kein Ausland ist. Aus diesem Grund gab es keine Botschaften des anderen Landes sondern „ständige Vertretungen“. Durch die Anerkennung der DDR wurden die beiden deutschen Staaten im September 1973 zu den 133. und 134. Mitgliedern der UNO erklärt.

Die Annäherungspolitik änderte nicht die Auffassung, dass nur ein Teil der deutschen Nation in der Bundesrepublik Deutschland lebte. Man war der Meinung, dass alle Deutschen, in BRD und DDR, in Wahlen entscheiden sollten, was mit den beiden Staaten passieren soll. Zwar konnte es zwei Staaten aber nur eine Nation geben. In der DDR war der Glaube auch so ausgeprägt. 1949 hieß es in Artikel 1 der DDR: „Deutschland ist eine unteilbare, undemokratische Republik“. 1968 wurde der Artikel umgeändert in: „Die DDR ist ein sozialistischer Staat deutscher Nation“. 1974 wurde wieder eine Änderung vorgenommen: „Die DDR ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“.

Herausforderungen in Deutschland

Die 68er Bewegung und die RAF

Bei der Bundestagswahl 1965 hatten die CDU/CSU 47,6 % und die SPD 39,3 % der Stimmen bekommen. Sie bildeten 1966 eine große Koalition und hatten als Opposition die FDP mit 9,5 %. Dadurch begünstigt bildete sich eine „Außerparlamentarische Opposition“ (APO), die durch Demonstrationen und Versammlungen die Politik kritisierten.

Ein großer Anteil der APO waren Studenten, die sich gegen veraltete Formen und Inhalte des Unterrichts äußerten. Sie wollten außerdem eine offene Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Die Bildung als ein Bürgerrecht und die freie Entfaltung des Einzelnen sowie die Ablehnung der autoritären Erziehung und des Vietnam-Krieges waren weitere wichtige Aspekte. Auf Seiten der Demonstranten aber auch seitens der Polizei kam es auch zu gewaltsamen Aktionen.

1969 bildeten die SPD und FDP eine sozialliberale Regierun. Die SPD schaffte es schaffte, viele Anhänger der APO an der Politik zu beteiligen. Es bildeten sich radikale Randgruppen, die Straftaten wie Brandstiftungen oder Räube begingen.

Die linksradikale „Rote Armee Fraktion“ (RAF) verübte Bombenanschläge. Sie entführte oder ermordete auch Politiker, Richter und bedeutende Wirtschaftsvertreter. Das Ziel war es, dass die Bevölkerung sich zu einer Revolution gegen den Staat erhebt, da die RAF Deutschland als Unterstützer des US-Imperialismus ansah. Durch striktere Sicherheitsgesetze und bessere Fahndungsmöglichkeiten kam es zu Verhaftungen der meisten RAF-Anhänger. Es kam zwar noch zu einzelnen Gewaltaktionen, eine Gefährdung des Staates war aber nicht (mehr) zu erkennen.

Mehr Umweltbewusstsein

In den 70er Jahren verbreitete sich das Bewusstsein, dass die starke Umweltbelastung das Leben der jetzigen und der späteren Generationen stark beeinflussen könnte. Da die damaligen Parteien diesem Problem zunächst kaum Interesse zeigten, bildeten sich Bürgerinitiativen, die gegen die Errichtung von umweltverschmutzenden Einrichtungen sowie von Kernkraftwerken und deren Entsorgungsanlagen demonstrierten. Diese „Grünen“ waren 1982 schon in sechs Länderparlamenten vertreten, ein Jahr später zogen sie in den Bundestag ein.

1970 wurde in Bayern das „Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen“ eröffnet und 1984 wurde der Umwelt- und Naturschutz zu einem in der Verfassung verankerten Staatsziel erklärt (Art. 20a GG). 1990 wurden starke Erfolge erzielt.

Neue Armut und Gastarbeiter

Als 1973 Krieg zwischen Israel und Ägypten sowie Syrien geführt wurde, lieferten zehn arabische Länder den Industriestaaten im Westen kein oder nur sehr wenig Öl, da diese auf der Seite Israels standen. Dadurch kam es zu Engpässen und zu einer Energieknappheit, wodurch die Ölpreise und die Lebenshaltungskosten stark anstiegen. Es stieg außerdem die Zahl der Arbeitslosen von 270.000 auf über eine Million Personen; 1980 waren es über 2 Millionen. Seit dieser Zeit ist die Arbeitslosigkeit ein wichtiges Thema in der Politik und es entstand eine „neue Armut“. 1988 waren 5,2 Millionen Menschen auf soziale Unterstützung durch den Staat angewiesen.

1964 gab es in der Bundesrepublik eine Million Arbeitnehmer aus dem Ausland, die sogenannten „Gastarbeiter“. Seitdem stieg die Anzahl der ausländischen Arbeiter stetig. Sie wurden zu einer wichtigen Stütze der Industrie als zunächst billige Arbeitskräfte. Ein Teil war auch auf der Suche nach in ihrer Heimat nicht vorhandenen Arbeit oder Flüchtlinge. Viele kehrten nach einigen #ahren zurück. Viele blieben auch mit ihren Familien in Deutschland.

Zwar erhalten auch sie Sozialhilfen, jedoch bezahlt ein großer Teil Steuern und hilft so dem Staat, den Wohlstand im Land zu sichern und umzuverteilen. Dennoch gibt es auch heute noch ausländerfeindliche Parolen. Ein zu großer Ausländeranteil kann meist jedoch nicht Grundlage sein, da diese meist aus Gebieten mit einem geringen Anteil kommen. Ein Grund hierfür kann sein, dass die Personen Angst vor einer unsicheren Zukunft haben und so die ausländische Bevölkerung schuldig machen möchten.

Ende des Ostblocks

1979 kam es in Afghanistan zu einem Bürgerkrieg, da die Regierung Reformen im Sinne des Sozialismus durchführen wollte. So wurden die medizinische Versorgung sowie die Bildungsmöglichkeiten ausgebaut und die Gleichberechtigung der Frau eingeführt. Die Stammesfürsten, Großgrundbesitzer und die islamischen Geistlichen (Mullahs) erhoben sich, da ihnen Macht entzogen wurde.

Als die afghanische Regierung die UdSSR um Hilfe bat, schickte diese 100.000 Soldaten nach Afghanistan. Die Aufständischen wurden von den USA unterstützt. Nach 10 Jahren dauerte der Krieg immer noch an, ohne einen Sieger zu haben; der neue Generalsekretär Michail Gorbatschow ließ 1989 die sowjetischen Truppen abziehen, da der Krieg zu teuer und zu verlustreich für die UdSSR geworden war. Nach drei Jahren wurde die afghanische Regierung besiegt und es kam zu Kämpfen unter den Aufständischen.

In der Sowjetunion gab es eine tiefe Krise. Durch das Wettrüsten wurde viel Geld ausgegeben, was wiederum für die Produktion von Alltagsgegenständen fehlte. So konnte die UdSSr nicht mehr mit den USA mithalten. Als 1985 Michail Gorbatschow zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei 1988 zum Staatspräsidenten der Sowjetunion ernannt wurde, änderte er die Politik, die durch die Begriffe „Glasnost“ und „Perestroika“ gezeichnet war.

Unter „Glasnost“ (Offenheit) wurden die Reformen bezeichneten, die die Zensur abschafften dadurch wurden verbotene Bücher und andere Medien wieder erlaubt. „Perestroika“ (Umbau) war der Umbau der Wirtschaft und Gesellschaft, der mehr Demokratie zulassen sollte. Seit 1917 kam es 1989 wieder zu geheimen Wahlen, aber einige Parteifunktionäre der KPdSU versuchten die Veränderungen zu stoppen, da sie befürchteten, ihre Stellung verlieren zu können. Andere wollten, dass die Veränderungen schneller abliefen und traten aus der Partei aus und gründeten neue.

Dennoch ging es der Wirtschaft nicht besser, obwohl man einzelne marktwirtschaftliche Elemente mit einfließen ließ. Die Erträge in der Landwirtschaft und in der Industrie sanken sogar und die Bevölkerung konnte noch schlechter versorgt werden; die Folgen der Politik Gorbatschows konnten abernicht mehr rückgängig gemacht werden.

Das Ende begann in Polen

Um das Jahr 1980 herum kam es bei den Danziger Werftarbeitern und anschließend in ganz Polen zu Streiks, da die Lebensmittelpreise angehoben wurden. Sie forderten aber auch unabhängige Gewerkschaften, Streikerlaubnis, freie Meinungsäußerung und die Freilassung politischer Gefangener. 1983 kam Papst Johannes Paul II. schließlich zu einem Besuch seiner Heimat. Seine Aussagen wurden als Aufforderung zum Durchsetzen ihrer Wünsche aufgefasst. Die Kirche unterstützte zudem die Demonstranten. Es kam schließlich zur Gründung der Gewerkschaft „Solidarność“ (Solidarität). Sie konnte erreichen, dass freie Wahlen stattfanden, aus denen sie als stärkste Partei hervorging. 1990 wurde Lech Walesa zum neuen Staatspräsidenten ernannt.

Ein wichtiger Faktor bei den Streiks in Polen spielte aber auch die politische Situation in der Sowjetunion. Gorbatschow verdeutlichte, dass er keine militärische Hilfe leiste, um die Demonstrationen niederzuschlagen, wie es in den 1950er Jahren geschehen war.

Revolution in Prag

In der Tschechoslowakei waren die Schriftsteller, Künstler und Priester die treibende Kraft, die gegen das kommunistische Regime vorging. Sie wurden verfolgt, erhielten Berufsverbote oder mussten die Tschechoslowakei verlassen, da sie die Verwirklichung von Menschenrechten und von Grundfreiheiten forderten. Als die Sowjetunion ihren Wandel verkündete, trauten sich mehr Menschen, der Bewegung anzuschließen. Davor befürchtete sie, gleiche Erfahrungen wie die Personen beim „Prager Frühling“ (21. August 1968) machen zu müssen; damals wurden die Demonstranten mit Waffen- und Panzergewalt bekämpft.

1989 trat nach elf Tagen Demonstrationen schließlich die Regierung zurück und Vertreter der Opposition löste diese ab. Die Grenzen zum Westen wurden geöffnet und die Tschechoslowakei nannte sich um in „Tschechische und Slowakische Föderative Republik“. Danach öffneten die anderen osteuropäischen Länder ihre Grenzen und beendeten den Kommunismus. Dies erfolgte in allen Ländern außer Rumänien friedlich. 1991 wurde der Warschauer Pakt und so der Ostblock aufgelöst.

Revolution in der DDR

Am 07. Mai 1989 kam es zu Kommunalwahlen, bei denen das übliche Ergebnis von 98,85 % für die Einheitsliste erzielt wurde. Die Proteste gegen das Ergebnis konnten unterbunden werden. Anfang September öffnete schließlich Ungarn seine Grenzen zu Österreich, woraufhin ca. 25.000 DDR-Bürger in den Westen flohen. Als die Grenzen wieder geschlossen wurden, blockierten Tausende die Botschaften der BRD in Prag und Warschau, bis die DDR ihnen die Auswanderung gewährte.

Während dieser Flüchtlingswellen trat die Opposition trotz der starken Unterdrückung in der Öffentlichkeit auf. Sie demonstrierten hauptsächlich für mehr Rechte im Staat und nicht für das Recht einer freien Ausreise. Groß wurde die Bewegung durch die Leipziger Montagsdemonstrationen, an denen mit der Zeit immer mehr Menschen teilnahmen.

Am 07. Oktober 1989 versuchte Erich Honecker den Führern der sozialistischen Staaten, die zu Besuch wegen des 40. Jahrestags der DDR gekommen waren, die Macht der SED in der DDR zu demonstrieren. Gorbatschow mahnte die Führung allerdings, Reformen im Staat zuzulassen; dies wurde ignoriert und Demonstrationen und Proteste wurden von der Polizei niedergeschlagen. Als Honecker die gewaltsame Auflösung der Leipziger-Montagsdemonstration befahl, wurde der Aufforderung nicht nachgegangen.

Am 18. Oktober musste er – von der Partei gezwungen “ zurücktreten. Der neue Generalsekretär Egon Krenz versprach, eine politische Wende einzuleiten. Dennoch gab es weiter Demonstrationen. Die Öffnung der Grenze am 09. November 1989 wurde als einzige Möglichkeit betrachtet, die Spannungen zu lösen.

Die neuen Ausreiseregelungen entspannten nicht die Situation, sondern verschärften sie, da die DDR-Bürger erkannten, welchen Rückstand ihr Staat gegenüber der BRD hat. Es wurde auch deshalb die Forderung einer deutschen Einheit laut, wobei der neue Ministerpräsident Hans Modrow zwei selbstständige Staaten im Sinne hatte und Helmut Kohl ein gemeinsames Deutschland. Am 1. Dezember 1989 kam es zu Enthüllungen über Machenschaften in der SED, woraufhin Egon Krenz zurücktreten musste. Außerdem musste die SED ihren Führungsanspruch, der in der Verfassung verankert war, abtreten und sie änderten ihren Parteinamen in „Partei des demokratischen Sozialismus“.

Die Kirche war ein wichtiger Faktor bei den Demonstrationen, da sie einen Unterschlupf für die politischen Gegner bildeten. Außerdem waren die Montagspredigten der Ausgangspunkt für die Leipziger-Montagsdemonstrationen. Bei vielen Protestaktionen waren Pfarrer die führenden Personen, was auch ein Grund ist, warum die Demonstrationen so friedlich verliefen.

Einigkeit für Deutschland

Am 18. März 1990 kam es in der DDR zu den ersten freien Parlamentswahlen, bei denen die CDU der DDR die Wahl gewann. Sie setzte sich für die soziale Marktwirtschaft und für die deutsche Einheit ein. Am 12. April 1990 trat die Regierung ihr Amt an; ein Großteil der Bevölkerung verlangte, dass sie Verhandlungen mit der BRD über die Einheit Deutschlands und somit über die Auflösung der DDR aufnehmen.

Am 1. Juli 1990 wurde die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion verkündet, wodurch beide deutschen Staaten zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet verschmolzen. In der DDR sollte die Marktwirtschaft eingeführt werden, während gleichzeitig die Deutsche Mark als Zahlungsmittel übernommen wurde. Dabei wurden Löhne, Mieten, Renten und kleinere Guthaben im Verhältnis 1:1 gewechselt und Ersparnisse über 4000 Mark im Verhältnis 1:2. Dadurch wurden die DDR-Bürger vor eine schwierige Aufgabe gestellt, da sie mit hohen Lebenskosten und den zunächst niedrigen Löhnen zu kämpfen hatten.

Anfang Juli 1990 gab es Verhandlungen über den zweiten Staatsvertrag, an dessen Ausarbeitung dieses sogenannten „Einigungsvertrags“ Vertreter der Bundesländer beteiligt waren. Am 23. August 1990 beschloss die Volkskammer, dass die DDR dem „Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland“ angeschlossen werden soll und eine Woche wird die Unterzeichnung in Ost-Berlin durchgeführt. Dabei wurden weitere Regelungen für die Übernahme der Gesetze in der DDR und für die Angleichung der Lebensverhältnisse getroffen.

Voraussetzung für die Einigung war aber, dass die USA, die UdSSR, Großbritannien und Frankreich ihr Einverständnis dafür gaben. Im Februar 1991 besuchten Bundeskanzler Kohl und Außenminister Genscher Michail Gorbatschow in Moskau, wo dieser einer Einigung zustimmte, allerdings nur, wenn das geeinte Deutschland nicht der NATO angehört.

Anfang Juli kam es zu einer NATO-Konferenz in London, wo eine Zusammenarbeit mit der Sowjetunion festgelegt wurde. Gorbatschow ließ daraufhin seinen Vorbehalt fallen. Die Konferenzen der 2 plus 4 Gespräche (2 deutsche Außenminister und 4 Außenminister der Siegermächte) lösten andere Fragen und traten von ihrem Anspruch auf Deutschland zurück. Außerdem wurde die Oder-Neiße-Linie zur endgültigen Westgrenze Polens ernannt. Am 2. Oktober 1990 zogen die Siegermächte ihre Truppen aus Berlin zurück und die Volkskammer der DDR löste sich selbst auf.

Deutschland nach 1990

Vor der Auflösung der Volkskammer entschied diese, dass die Bundesländer, die 1952 aufgelöst wurden, wieder gegründet werden sollten. Am 14. Oktober 1990 entstanden neben Berlin fünf neue Bundesländer: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Diese traten auch (und nicht die DDR an sich) der Bundesrepublik bei.

Nach den ersten Bundestagswahlen für West- und Ostdeutschland bildete die CDU/CSU mit der FDP eine Koalition unter Helmut Kohl. Die Bundesrepublik Deutschland war nach außen immer noch der gleiche Staat; deshalb galten alle Verträge wie bisher, die Gesetze der BRD wurden in der DDR eingeführt und angewandt. Somit bildeten sie eine Einheit im juristischen Bereich. Sozial und wirtschaftlich hingegen waren und sind beide geteilt.

Die Umstellung von der Planwirtschaft auf die Marktwirtschaft und die Einführung der D-Mark hatten zur Folge, dass viele Betriebe geschlossen werden mussten, wodurch die Arbeitslosenquote im Osten stark anstieg. Weitere Herausforderungen waren die schlechte Wohnsituation und starke Umweltschäden, die nur durch starke finanzielle Hilfen vom Staat zu beseitigen waren. Durch Milliardeneinsätze konnten viele Probleme beseitigt werden. Die Bürger mussten zudem zusätzliche Steuern und den Solidaritätsbetrag zahlen. Aus diesem Grund verstanden viele Westdeutsche den Unmut der Ostdeutschen nicht und diese empfanden jene als arrogant. Dies wird auch als „Mauer in den Köpfen“ bezeichnet.

1992 kam es zu ausländerfeindlichen Aktionen, als unter anderem ein Asylantenwohnheim in Rostock von vor allem Jugendlichen angegriffen wurde. Straßenschlachten mit der Polizei vermehrten sich. Bei einem Brandanschlag auf ein von Türken bewohntes Haus durch Rechtsradikale wurden zwei Frauen und ein Mädchen getötet. Die meisten Menschen verurteilten jedoch diese Aktionen und riefen zu Aktionen auf, wie z.B. am 6. Dezember 1992, als ca. 400.000 Menschen eine Lichterkette durch München bildeten.

Die Vereinigung zu einem Staat erforderte, dass man sich mit der DDR-Vergangenheit auseinandersetzen musste. So wurden Stasi-Akten veröffentlicht und Prozesse mit Todesschützen an der Berliner Mauer und verantwortlichen Politikern geführt. Da sich die BRD dem Grundgesetz verpflichtet fühlt, spricht man vom Verfassungspatriotismus. Seit der Wiedervereinigung ist zudem das Element des „Nationalstaats der Deutschen“ vorhanden.

USA und Russland nach 1990

USA

Nach der Auflösung des Warschauer Paktes änderte sich die Politik der USA in die Richtung, dass der Frieden oberstes Ziel sein sollte und die USA dies garantieren wollten. Sie setzten dennoch ihre Verbindungen zur UdSSR fort. Die Amerikaner verstanden sich als „Weltpolizei“. Das zeigte sich zum Beispiel 1990/91, als die USA im ersten Golfkrieg den Irak angriffen, nachdem dessen Diktator Saddam Hussein in Kuwait einmarschiert war und kein Öl an die westlichen Länder exportiert hatte. Ab Januar 1991 konnten mithilfe Ägyptens, Frankreichs, Großbritanniens, Marokko, Saudi-Arabiens und Syriens die USA die Infrastruktur Iraks zerstören und im Februar 1991 die Kapitulation des Gegners erreichen.

Präsident Bill Clinton (1993-2001) setzte sich vor allem in der Innenpolitik ein. Seine Schwerpunkte lagen in der Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung, Sozialreformen, Bekämpfung von Rassendiskrimierungen und die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Außerdem konnten während seiner Regierungszeit die Schulden stark abgebaut werden. Außenpolitisch hingegen war er nicht so stark präsent, obwohl er versuchte die Folgen des Kalten Krieges zu minimieren und eine Aussöhnung mit China herbeizuführen. Er schaffte es aber nicht, ein eindeutiges Ergebnis im Nahostkonflikt zu erzielen. Er schritt auch beim Völkermord von Ruanda (1994) nicht ein.

In der Amtszeit von George W. Bush Junior (2001-2009)geschahen die Anschläge vom 11. September 2001. Nach diesen sprach Bush von einem „Krieg gegen den Terror“ und bezeichnete Irak, Iran und Nordkorea als „Schurkenstaaten“, die den Terrorismus schützen. Am 20. März 2003 griffen die USA Irak ein, da Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen gehabt haben soll, was sich später jedoch als falsch herausstellte.

Russland

Während die Sowjetunion zusammenbrach, versuchten die Länder Estland, Litauen und Lettland seit 1990 ihre Unabhängigkeit zu behaupten, die aber von der sowjetischen Führung militärisch zu verhindern versucht wurde. Im April 1991 wurden die Staaten anerkannt. Im August 1991 kam es zu einem Putschversuch, der aber durch Boris Jelzin misslang und die Täter wurden vor Gericht gestellt. Im Dezember 1991 schlossen sich Russland, Weißrussland und die Ukraine zur „Gemeinschaft unabhängiger Staaten“ (GUS) zusammen und sie beschlossen die formelle Auflösung der Sowjetunion zum Ende des Jahres 1991. Gorbatschow trat zurück und Jelzin wurde neuer Präsident.

Seit 2000 ist Wladimir Putin Staats- und Regierungschef, dessen Politik durch innenpolitische Härte und außenpolitischen Selbstbewusstsein geprägt ist. Er versucht mit dem Westen zu verhandeln, in Menschenrechtsfragen versichert er zwar, etwas zu ändern, was allerdings nicht geschieht. Der seit 1994 dauernde Krieg gegen Tschetschenien führt er weiter; 2003 war Russland aber wie Deutschland und Frankreich gegen den Krieg im Irak. Die westeuropäischen Länder sind von Öl- und Gasexporten abhängig, weshalb das Land für die Welt ein wichtiger Faktor ist.

Heutiges Europa

Bis wohin reicht Europa?

Die osteuropäischen Länder waren während der Zeit der UdSSR im „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW), der ein Gegengewicht von den europäischen Ländern mit den USA bilden sollten, da diese durch den Marshallplan und durch die Römischen Verträge von 1958 stark vereint waren. Der Lebensstandard war außerdem nicht so hoch wie im Westen und seit den 1970er Jahren vergrößerten sich die Unterschiede.

Die östlichen Staaten nahmen bei den westlichen Ländern Kredite auf, um die Wirtschaft zu modernisieren, was jedoch misslang. Als die Sowjetunion schließlich zusammenbrach, wurde der RWG aufgelöst. Die unterschiedlichen Völker verlangten schließlich einen eigenen Staat. So spaltete sich die Slowakei von der Tschechoslowakei ab und die baltischen Staaten, die Ukraine und Weißrussland wurden unabhängig.

Für die ehemaligen Sowjetstaaten war die Aufnahme in die EU und in die NATO ein bedeutsames Ziel. Ab 1994 war die EU auch der wichtigste Handelspartner. 1993 trafen sich die Staatsoberhäupter in Kopenhagen, wo festgelegt wurde, dass die osteuropäischen Staaten der EU beitreten dürfen, wenn sie die vier politischen und wirtschaftlichen „Kopenhagener Kriterien“ erfüllen: Die Übereinstimmung mit den Zielen der EU, die Einführung der Demokratie und der Marktwirtschaft und die Anwendung des EU-Rechts. Schrittweise sollten zusätzlich eine stabile Demokratie, eine funktionierende Wirtschaft und die Achtung der Menschenrechte eingebracht werden.

Bei der Einführung der Marktwirtschaft standen die Oststaaten vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch und die Maßnahmen bewirkten, dass die Verarmung und die Arbeitslosenquote anstiegen. Im Westen wuchs die Angst, dass die schwache Wirtschaft im Osten eine Belastung darstellt und dass die Konkurrenz dem westlichen Markt gefährlich werden kann. Der Aspekt, dass die neuen Länder einen größeren Markt darstellen, beachteten viele nicht.

Bis 1996 gab es zwölf Anträge einer Aufnahme in die EU. 2003 erfüllten zehn Länder die Kriterien und wurden am 1. Mai 2004 aufgenommen. Damit wurde die EU zum größten Binnenmarkt mit 25 Staaten. 2007 kamen Rumänien und Bulgarien hinzu.

Europa – Staatenbund oder Bundesstand?

1986 legte die „Europäische Akte“ fest, dass für alle Länder der Europäischen Gemeinschaft (EG) gleiche Regelungen gelten und dass die europäischen Rechte den nationalen überwiegen sollen. 1990 wurde die Stellung Deutschlands innerhalb Europas nach der Wiedervereinigung gestärkt und die Bundesrepublik wurde zu den führenden Nationen. 1992 wurde der Vertrag von Maastricht unterzeichnet, in dem die EG zur Europäischen Union umgeformt wurde.

Dabei wurde jedem EU-Bürger das Recht zugeteilt sich frei in der EU zu bewegen und sich in einem anderen Land niederzulassen. In der Stadt, in der dieser lebt, hat er zudem ein Wahlrecht. Die Staaten wollten außerdem, dass die Politik näher am Bürger stattfindet und die Bereiche Verteidigung, Bildung, Gesundheit und Verbrechensbekämpfung sollten besser abgestimmt werden.

1999 einigten sich zwölf Länder, dass sie eine gemeinsame Währung haben wollen, den Euro. Dies war der Beginn für die Europäische Zentralbank (EZB). 2002 wurde der Euro eingeführt. Dies bewirkte eine Vereinfachung des Geldverkehrs. Negativ war jedoch der Verdacht, dass die Produkte teurer geworden sind.

Da mehr Staaten der EU beitreten wollten und dies eine Belastung darstellte, wurde eine europäische Verfassung aufgestellt, der die Charta der Grundrechte vorangestellt war. Sie sollte die EU handlungsfähiger und näher am Bürger machen. Diesen sollte die Möglichkeit geboten werden, Gesetzesvorschläge per Volksentscheid einzubringen; zusätzlich sollte das Europaparlament gestärkt werden. Die Regierungen würden immer noch eine Vormachtstellung behalten. Jedoch war nun keine Einstimmigkeit mehr bei Beschlüssen nötig, sondern eine Mehrheit der Staaten, die mehr als 60 % der Bevölkerung der EU vertreten.

2005 stimmte der Bundestag diesen Änderungen zu, in Frankreich und in den Niederlanden entschieden sich die Bürger jedoch in Volksentscheiden dagegen, da sie ihren Unmut über die Regierungen und die Integrationspolitik offenlegen wollten. Weiter waren die Intransparenz und das Nationalgefühl wichtig. Kritiker sprachen sich zudem gegen eine Erweiterung der EU aus, da sie sonst zu groß werde und die weiteren Staaten aufgrund unterschiedlicher Kulturen nicht dazu passen würden. Besonders bei den Verhandlungen mit der Türkei gibt es Kontroversen, die die Union mit der sogenannten „abgestuften Integration“ entgegenwirkt. Demnach existiert eine Basis, die für alle gleich ist, sich die Staaten aber je nach Möglichkeit unterschiedlichen Integrationsvorhaben wie Währung, Bildung und gemeinsamen Truppenverbänden und Sicherheit anschließen.

Konflikte in jüngster Vergangenheit

Bürgerkrieg in Jugoslawien

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs und der Auflösung Österreich-Ungarns entstanden die Staaten Serbien (mit den Provinzen Kosovo und Wojwodina), Montenegro, Kroatien, Slowenien, Bosnien, Herzegowina, Makedonien. Die ethnischen Gruppen lebten untereinander ohne klare Grenzen.

Während der Besatzungszeit im zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet Jugoslawiens zwischen Deutschland, Italien, Bulgarien und Ungarn aufgeteilt, während ab 1941 Kroatien die Unabhängigkeit zugesprochen wurde, woraufhin eine Verfolgung der Serben begann. Gegen die Besatzungsmächte bildeten sich Gruppen, die sich aber auch untereinander bekämpften. Dies forderte 1 Millionen Menschenleben, aber die Besatzung konnte vertrieben werden und so fiel das Gebiet nicht in sowjetische Hand.

Unter Tito existierte ab 1945 die „Föderative Volksrepublik Jugoslawien“, die unter dem Druck der UdSSR trotz vorhandener Konflikte zusammengehalten wurde. Als die Sowjetunion schwächer wurde, brachen die Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen wieder auf. Fünf Jahre nach Titos Tod, 1980, gab es erste Versuche der Unabhängigkeit seitens Kroatien und Serbien, die Reformen hin zu einer Demokratie und Marktwirtschaft verfolgten. 1991 verkündeten sie ihre Unabhängigkeit; die Staaten Bosnien, Herzegowina, Makedonien folgten ihnen nach.

Um die Auflösung Jugoslawiens aufzuhalten, setzte der Präsident Slobadan Milošsević in Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina die Armee ein. Es brach ein Bürgerkrieg aus, in dem Serbien ausgedehnt wurde. Während des Krieges gab es ethnische Säuberungen, bei denen Millionen von Menschen vertrieben wurden; Hinrichtungen und Folterungen fanden täglich statt, hunderte Orte wurden zerstört und geplündert.

Besonders durch das Vorgehen im Kosovo, wo 90 % der Bevölkerung muslimisch sind, machte die NATO aufmerksam. 1999 griff sie gegen die öffentliche Meinung in den USA und in Europa mit Raketen und Bomben Serbien an und besetzte den Kosovo. Dennoch konnten die Blauhelmtruppen (KFOR) Menschenrechtsverletzungen nicht verhindern.

2008 verkündete der Kosovo seine Unabhängigkeit. Die meisten Länder der UNO stimmten zu, außer Russland, da es Syrien unterstützt, weshalb der Kosovo nicht als Staat akzeptiert werden konnte.

Nahostkonflikt

Seit der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 muss Israel um sein Bestehen kämpfen, da die arabischen Staaten und die Palästinenser für den israelischen Staat kein Existenzrecht akzeptierten. Am 15. Mai 1948 kam es zu einem Angriff Ägyptens, Syriens, Libanons, Transjordaniens und Iraks gegen Israel. Nach einem Waffenstillstand, der bis in den Spätsommer gehalten wurde, waren die Israelis überlegen und konnten Gebiete erobern. 1949 wurden Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet.

1967 kam es zum Sechstagekrieg, in dem Israel militärische Stärke zeigen und große Gebiete einnehmen konnte. Die Haltung der Palästinenser änderte sich, da sie erkannten, dass eine Rückkehr auf militärischen Weg nicht möglich ist. Dadurch vermehrten sich die Guerillaangriffe palästinensischer Befreiungsorganisationen. Die USA unterstützten Israel, um so aus den anderen Gebieten den sowjetischen Einfluss zu entfernen, woraufhin die UdSSR die arabischen Ländern unterstützte.

Am 6. Oktober 1973 griffen Ägypten und Syrien in einem Überraschungskrieg Israel an, das zunächst schwere Niederlagen hinnehmen musste; danach wurden es jedoch stärker und konnte die Feinde zurückschlagen. Der Krieg zeigte trotzdem, dass Israel verwundbar war, woraufhin sich das Militär darauf einstellte, sofort Gegenangriffe zu starten. Diese Kosten belasteten die wirtschaftliche und soziale Lage in Israel.

1977 besuchte der ägyptische Präsident Anwar al Sadat den israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin. Damit begannen die Friedensverhandlungen zwischen den beiden Staaten; Der US-amerikanische Präsident Carter unterstützte dieses Vorhaben. Im September 1978 wurden Rahmenbedingungen festgesetzt und am 26. März 1979 ein Friedensvertrag unterzeichnet, wofür die drei Personen je einen Friedensnobelpreis erhielten. 1982 gab Israel seine Herrschaft über die Sinai-Halbinsel ab. Ägypten wurde wegen den Verhandlungen mit Israel aus der arabischen Liga ausgeschlossen und Präsident Sadat von Terroristen ermordet. 1994 kam es zu einem Friedensabkommen zwischen Israel und Jordanien.

Kampf der Palästinenser

1964 wurde die PLO (Palestinian Liberation Organization) gegründet, die sich als die politische Vertretung der Palästinenser verstand. Ab 1969 war Yusuf Arafat ihr Anführer und die PLO verübte Anschläge in Israel, wobei die benachbarten arabischen Länder als Basis genutzt wurden.

Dies hatte zur Folge, dass Israel 1978 und 1982 in den Libanon einmarschierte. Wegen dem anhaltenden Terror, wie dem Anschlag in München 1972, distanzierten sich die arabischen Staaten immer mehr von der PLO. Ab 1987 begann die sogenannte „Intifada“, die zahlreiche Gewalttaten verübte und es kam in den besetzten Gebieten zu Massendemonstrationen.

Nach dem Zerfall der UdSSR brach ein wichtiger Unterstützer der arabischen Länder weg und mit Hilfe der USA konnte der Oslo-Friedensprozess begonnen werden. 1994 kam es zu dem Gaza-Jordanien-Abkommen, in dem die gegenseitige Anerkennung und die schrittweise Autonomie besetzter Gebiete bestimmt wurden. 1995 schlossen Israel unter Yitzhak Rabin und Arafat ein Abkommen, in dem bestimmt wurde, dass die palästinensische Selbstverwaltung erweitert werden und der Rückzug der Israelis aus dem Westjordanland begonnen werden sollte.

Der Friedensprozess wurde durch Extremisten gestört. So verübten palästinensische Terrorgruppen vermehrt Anschläge. Ein jüdischer Extremist tötete am 4. November 1995 vor 100.000 Menschen Rabin auf einer Friedenskundgebung. Unter den Nachfolgern Rabins stockte der geplante Rückzug der israelischen Truppen und der Bau der israelischen Siedlungen in dem palästinensischen Gebiet wurde vorangetrieben. 2000 kam es zu dem „Al-Aqsa-Intifada“, woraufhin die Beziehungen zu Arafat beendet wurden. Im Juni 2002 errichtete Israel eine Mauer um Westjordanland. Die Selbstmordattentate und die israelischen Maßnahmen kosteten mehreren tausend Menschen das Leben.

Nach dem Tod Arafats 2004 konnte der Friedensprozess abermals fortgeführt werden. Unter dem Nachfolger Abbas wurde im Februar 2005 mit dem israelischen Ministerpräsident Ariel Sharon ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Damit wurde die Al-Aqsa-Intifada beendet. Im Sommer desselben Jahres wurden die israelischen Truppen und Bürger aus dem Gaza-Streifen abgezogen.

Die Lage wurde durch die Wahl der Hamas im Januar 2006 wieder angespannter. Die Hamas erkennen Israel nicht an und führen deshalb keine Verhandlungen. Die USA, die EU und Israel verweigerten eine Zusammenarbeit und verhängten Sanktionen. Ende 2006 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Hamas und der ebenfalls palästinensischen Gruppe Fatah. Die Anführer beider Gruppen konnten sich 2007 einigen und bildeten eine Regierungskoalition, die aber nur kurz anhielt. Es kam wieder zu Kämpfen und die PLO konnte sich die Kontrolle im Westjordanland sichern und die Hamas den Gaza-Streifen.



Quellen

  1. Geschichte und Geschehen Band 5, Ernst Klett Verlag GmbH

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