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Latein: Grammatik

Die Grammatik ist im Lateinunterricht ein äußerst wichtiger Bestandteil. Hierbei ist das genaue Lernen der Regeln wichtig, da man ansonsten die Texte nicht richtig übersetzen kann. Eine Erleichterung ist, dass Latein – im Vergleich zur deutschen Grammatik – einen ähnlichen Aufbau aufweist.

Inhaltsverzeichnis [Anzeigen] [Verbergen]

Nomen

Merkmale

Im Lateinischen werden sechs Grundarten der Deklination unterschieden. Man kann dies an der Endung im Nominativ Singular erkennen. Die Deklinationsart gibt meistens auch Aufschluß über das Genus des Wortes (maskulinum, femininum oder neutrum).

a-Deklination

Wörter der a-Deklination enden auf -a. Ihr Genus ist meist femininum (abgeleitet vom lateinischen femina). Beispiele sind daneben domina (Herrin), serva (Sklavin, Dienerin).

o-Deklination

Dagegen endet das Wort bei der o-Deklination auf ein -us oder -um wie bei dominus bzw. donum. Sie sind meist masculinum bzw. neutrum. Einige Wörter enden auch auf -er und werden zur o-Deklination gezählt, z.B. puer (m).

Konsonantische Deklination

Die konsonantische Deklination (auch dritte Deklination genannt) hat keine einheitliche Endung. Das Wort endet dabei im Nominativ Singular auf einen Konsonanten oder ein Vokal. In dieser Deklination sind alle Genera vorhanden, z.b. orator (m, Redner), arbor (f, Baum), genus (n, Geschlecht/Art).

Endungen maskulinem: -or, -os, -er

Wörter, die auf -or, -os oder -er enden, sind meist maskulinum. Ausnahmen hiervon sind z.B. arbor (f), uxor (f), mulier (f), cor (n) oder iter (n).

Endungen femininum: -o, -s, -x

Dagegen sind Wörter, die auf -o, -s oder -x enden, meist dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen. Auch hier gibt es Ausnahmen, z.B.: homo (m), rex (m), dux (m), senex (m), iudex (m), iuvenis (m), limes (m).

Endungen neutrum: -us, -en

Ein konsonantisches Substantiv ist bei der Endung -en neutral. Ein Neutrum liegt dagegeben bei -us nur vor, wenn der Genitiv Singular auf -ris endet; ist dies nicht der Fall, ist das Substantiv femininum (vgl. Endungen „s“).

i-Deklination

Die Endung der i-Deklination für femininine Wörter ist -is; für Wörter im Neutrum lautet sie -e, -al oder -ar.

Gemischte Deklination

Die meisten Substantive der gemischten Deklination sind femininum, Ausnahmen aber sind, z.B.: orbis (m), finis (m), canis (m), hostis (m), civis (m), pons (m).

Die Substantive werden nach der gemischten Deklination dekliniert, wenn ihr Nominativ Singular auf -is endet und der Nominativ Singular sowie Genitiv Singular dieselbe Silbenanzahl haben, z.B. navis - navis oder ihr Stammauslaut aus zwei Konsonanten besteht, z.B. urbs - urbis, ars - artis.

Ausnahmen

pater, mater, parentes, iuvenis, canis

u-Deklination

Die Endung für maskuline und feminine Wörter ist -us und für das Neutrum -u.

Die meisten Wörter sind maskulin, Ausnahmen sind aber: manus (f), domus (f), porticus (f), cornu (n), genu (n).

e-Deklination

In der e-Deklination sind die meisten Wörter feminin. Die Endung ist -es. Eine Ausnahme ist dies (m).

Kasus

Nominativ:

Der Nominativ kennzeichnet, wer handelt oder welche Handlung durchgeführt wird. Es wird meistens mit einem Substantiv gebildet. Das Verb wird an das Substantiv angeglichen (vgl. Verben). Außerdem kann das Subjekt auch allein durch die Verbendung ausgedrückt werden

Bsp.: Amicus exspectat. Exspectat. (Der Freund wartet bzw. er wartet)

Genetiv:

Durch den Genetiv wird gekennzeichnet, wem etwas gehört. Es steht bei dem Nomen, auf das es sich bezieht.

Bsp.: Amicus puellae exspectat. (Der Freund des Mädchens wartet.)

Dativ:

Der Dativ antwortet auf die Frage "wem?". Es ist der Gebefall.

Bsp.: Donum amico do. (Ich gebe dem Freund ein/das Geschenk.)

Akkusativ:

Der Akkusativ zeigt, auf wen oder was sich etwas bezieht. In diesem Fall hat ein Wort, das Neutrum ist, die gleiche Form wie im Nominativ.

Bsp.: Amicus puellam exspectat. (Der Freund erwartet die Freundin.)

Ablativ:

Den Ablativ gibt es im Deutschen nicht. Er erscheint meist in Verbindung mit Präpositionen (sine, cum, in etc.) und wird im Deutschen als Adverbiale genutzt. Er hat u.a. folgende Sinnrichtungen: Ort (in), Zeit (in), Mittel (cum) und Trennung (sine). Die Beispiele in den Klammern sind nur ein Teil der möglichen Präpositionen.

Bsp.: In villa amicam exspecto. (In der Villa warte ich auf die Freundin.)

Vokativ:

Der Vokativ existiert im Deutschen ebenfalls nicht. Es ist der „Anredefall„ und wird verwendet, wenn jemand angesprochen wird. Im Deutschen wird der Name in der Grundform wiedergegeben. Das Wort ist meistens mit der Form im Nominativ identisch, außer den Formen der o-Deklination.

Das -us wird durch ein -e ersetzt. Eigennamen auf -ius werden zu einem -i verkürtzt. Wörter mit -er am Ende im Nominativ behalten dies im Vokativ bei.

Bsp.: Marcus Marce; Lucius Luci; Glaber Glaber.

Deklinationstabellen

Der Vokativ (Andredefall) wird hier außen vor gelassen.

a-Deklination
Singular Plural
Nom. -a -ae
Gen. -ae -arum
Dat. -ae -is
Akk. -am -as
Abl. -a -is
o-Deklination (masc./neutrum)
Singular Plural
Nom. -us/-er/-um-i/-a
Gen. -i -orum
Dat. -o -is
Akk. -um -os/-a
Abl. -o -is
Konsonant. Deklination
Singular Plural
masc.fem.neutrum masc.fem.neutrum
Nom. -or/-os/-er-o/-s/-x-us/-en -es/-a
Gen. -is -um/-ium
Dat. -i -ibus
Akk. -em-us/-en -es/-a
Abl. -e -ibus
i-Deklination
Singular Plural
fem.neutrum fem.neutrum
Nom. -is-e/-al/-ar -es-ia
Gen. -is -ium
Dat. -i -ibus
Akk. -im-e/-al/-ar -es-ia
Abl. -i -ibus
u-Deklination
Singular Plural
masc./fem. neutrum masc./fem. neutrum
Nom. -us-u -us-ua
Gen. -us -uum
Dat. -ui-u -ibus
Akk. -um-u -us-ua
Abl. -u -ibus
e-Deklination
Singular Plural
Nom. -es -es
Gen. -ei -erum
Dat. -ei -ebus
Akk. -em -es
Abl. -e -ebus

Adjektive

Adjektive sind Wörter, die im Allgemeinen Nomen genauer beschreiben (z.B. jung). Im Lateinischen gibt es wie bei den Nomen Deklinationsgruppen, allerdings nur die a-, o-, konsonantische und gemischte Deklination. Die Adjektive müssen nach der KNG-Regel an das Wort, auf das sie sich beziehen, angepasst werden.

KNG bedeutet Kasus, Numerus, Genus; das heißt das Adjektiv wird im Fall, in der Anzahl (Singular oder Pluarl) und an das Geschlecht (masc./fem./neutrum) angepasst.

Endet ein Adjektiv auf -er, so wird die Endung an das Wort gehängt, wobei das „Wurzel-e“ vom -er wegfallen kann.

Beispiele

Deklinationstabellen

a-und o-Deklination
hübsch
masc fem. neutrum
Sg. Nom. laetus laeta laetum
Gen. laeti laetae laeti
Dat. laeto laetae laeto
Akk. laetum laetam laetum
Abl. laeto laeta laeto
Pl. Nom. laeti laetae laeta
Gen. laetorumlaetarumlaetorum
Dat. laetis laetis laetis
Akk. laetos laetas laeta
Abl. laetis laetis laetis

Bei der gemischten Dekl. gibt es drei Arten: die dreiendigen, zweiendigen und einendigen Adjektive. Sie unterscheiden sich in der Anzahl der Formen im Nominativ Singular.

Gemischte Deklination (dreiendig)
scharf
mascfem.neutrum
Sg. Nom. acer acris acre
Gen. acris
Dat. acri
Akk. acre acre
Abl. acr
Pl. Nom. acres acria
Gen. acrium
Dat. acribus
Akk. acres acria
Abl. acribus
Gemischte Deklination (zweiendig)
kurz
masc./fem.neutrum
Sg. Nom. brevis breve
Gen. brevis
Dat. brevi
Akk. brevem breve
Abl. brevi
Pl. Nom. breves brevia
Gen. brevium
Dat. brevibus
Akk. breves brevia
Abl. brevibus
Gemischte Deklination (einendig)
glücklich
masc./fem.neutrum
Sg. Nom. felix
Gen. felicis
Dat. felici
Akk. felicem felix
Abl. felici
Pl. Nom. felices felicia
Gen. felicium
Dat. felicibus
Akk. felices felicia
Abl. felicibus

Die Steigerung

Komparativ

masc./fem.neutrum
Sg. Nom.-ior-ius
Gen.-ioris
Dat.-iori
Akk.-iorem-ius
Abl.-iore
Pl. Nom.-iores-iora
Gen.-iorum
Dat.-ioribus
Akk.-iores-iora
Abl.-ioribus

Der Komparativ + quam wird bei einem Vergleich mit dem Komparativ im Deutschen übersetzt. Ohne Vergleich werden die Adverbien ziemlich, recht, zu/allzu vor das Adjektiv gestellt (Bsp. ziemlich schlau).

Superlativ

Im Lateinischen wird der Superlativ mit der Endung -issimus, -a, -um bzw. -rimus, -a, -um gebildet. Die unterschiedlichen Kasus werden wie Adjektive der a- und o-Deklination angepasst.

Bei Adjektiven, die auf -lis enden, wird der Superlativ mit der Endung limus, -a, -um gebildet.

Die Übersetzung erfolgt entweder durch den deutschen Superlativ oder den sogenannten Elativ. Er wird durch die Wörter sehr, äußerst, überaus ausgedrückt.

Steigerung mit quam

Steht nach einem Komparativ quam, so übersetzt man es mit als, vor einem Superlativ mit möglichst.

Unregelmäßgie Steigerung

Im Lateinischen gibt es auch Wörter, die unregelmäßig gesteigert werden.

magnus, -a, -ummaior, maior, maiusmaximus, -a, -um
parvus, -a, -umminor, minor, minusminimus, -a, -um
bonus, -a, -ummelior, melior, meliusoptimus, -a, -um
malus, -a, -umpeior, peior, peiuspessimus, -a, -um
multi, -ae, -aplures, plures, pluraplurimi, -ae, -a

Adverbien

Das Adverb ist eine Abwandlung des Adjektivs. Es bezieht sich nicht auf ein Nomen, sondern auf ein Verb. Diese Wortart kann nicht dekliniert werden.

Bei der a- und o-Deklination wird das Signalteil durch ein -e ersetzt.
Beispiel: ver-us ver-e

Bei der gemischten Deklination wird ein -iter oder -er angehängt, falls der Wortstamm auf ein -nt- endet.
Beispiel: graviter, libenter

Steigerung

Das Adverb wird gesteigert, indem man im Komparativ ein -ius und im Superlativ ein -issime oder -rime, wenn das Wort auf ein -r endet, anhängt. Bei Adjektiven der gemischten Deklination auf ein -lis wird -lime ergänzt.
Beispiel: beate, beatius, beatissime / prudenter, prudentius, prudentissime / celer, celerius, celerrime

Verben

Verben können wie Nomen flektiert werden. Dies heißt hier aber konjugieren (=Konjugation). Es werden folgende Konjugationsarten unterschieden:

Die Konjugationsart kann man an dem Buchstaben vor der Endung -re erkennen.
Bsp.: amare = a-Konj.; videre = e-Konjugation

Bei der konsonantischen Konjugation ist der Buchstabe vor der Endung zwar auch ein e, dieser wird aber kurz gesprochen, wodurch er wegfällt. Die kurzvok. i-Konj. gleicht im Infinitiv der kons. Konj., aber in der 1. Pers. und 3. Pers. Sg. unterscheiden sie sich.
Bsp.: mittere, capere mitto, capio (kons. und kurzvok. Konj.).

Verben sind in folgenden Bereichen konjugierbar:

Konjugationstabellen

Indikativ - Präsensstamm
Präsens ImperfektFutur I
AktivPassiv AktivPassiv AktivPassiv
1. Pers. Sg. -o-or -ba-m-ba-r/-(i)eba-r -b-o/-a-m-b-or/-a-r
2. Pers. -(i)s-(e)ris -ba-s-ba-ris -bi-s/-e-s-be-ris/-eris
3. Pers. -(i)t-(i)tur -ba-t-ba-tur -bi-t/-e-t-bi-tur/-e-tur
1. Pers. Pl. -(i)mus-(i)mur -ba-mus-ba-mur -bi-mus/-e-mus-bi-mur/-e-mur
2. Pers. -(i)tis-(i)mini -ba-tis-ba-mini -bi-tis/-e-tis-bi-mini/-e-mini
3. Pers. -nt-ntur -ba-nt-ba-ntur -bu-nt/-ent-bu-ntur/-e-ntur

Bei der i- und kons. Konj. werden im Imperfekt ein -e- vor die Endung gesetzt (also: -ebam etc.) und bei der kurzvok. i-Konj. im Imperfekt sowie Futur I zusätzlich noch ein -i- (also: -iebam etc.).

Bei der kurzvokalischen i-Konj. sind die Endungen der 1. Pers. Sg. Präsens Aktiv (-io), der 3. Pers. Pl. Präsens Aktiv (-iunt), der 1. Pers. Sg. Präsens Passiv (-ior) und der 3. Pers. Pl. Präsens Passiv (-iuntur) anders.

Bei der i- und konsonantischen Konjugation sind die Endungen der 3. Pers. Pl. Präsens Aktiv und der 3. Pers. Pl. Präsens Passiv -unt bzw. -untur.

Das -nt der 3. Pers. Pl. Präsens wird bei der i-Konjugation und der kurzvokalischen i-Konjugation durch ein -unt ersetzt.
Beispiel: audiunt (sie hören)

Im Futur I entscheidet die Konjugationsart, ob man die Variante mit -b-/-bi-/-bu- oder -a-/-e- nehmen muss. Ist ein Verb der a- oder e-Konjugation angehörig, wird die erste bei den anderen die zweite genommen.

Konjunktiv - Präsensstamm
PräsensImperfekt
AktivPassivAktivPassiv
1. Pers. Sg. -a-m-a-r -re-m-re-r
2. Pers. -a-s-a-ris -re-s-re-ris
3. Pers. -a-t-a-tur -re-t-re-tur
1. Pers. Pl. -a-mus-a-mur -re-mus-re-mur
2. Pers. -a-tis-a-mini -re-tis-re-mini
3. Pers. -a-nt-a-ntur -re-nt-re-ntur

Das -a- des Präsens Konjunktiv wird bei der a-Konjugation durch ein -e- ersetzt:   voco vocem.

Bei der kurzvok. i-Konj. wird im Präsens ein -i- vor die Endung gesetzt (-iam, -iar etc.) und im Imperfekt ein -e- (-erem, -erer etc.).

Indikativ - Perfektstamm
Perfekt PlusquamperfektFutur II
AktivPassiv AktivPassiv AktivPassiv
1. Pers. Sg. -i-tus sum -eram-tus eram -ero-tus ero
2. Pers. -i-tus es -eras-tus eras -eris-tus eris
3. Pers. -it-tus est -erat-tus erat -erit-tus erit
1. Pers. Pl. -imus-ti sumus -eramus-ti eramus -erimus-ti erimus
2. Pers. -istis-ti estis -eratis-ti eratis -eritis-ti eritis
3. Pers. -erunt-ti sunt -erant-ti erant -erint-ti erunt

Anstelle des -tus bzw. -ti (oder -sus, -sa, -sum, wenn das Verb auf ein -s endet) können auch andere Endungen vorkommen, je nachdem wie das Subjekt ist. Hier gilt die KNG-Regel.

Konjunktiv - Perfektstamm
PerfektPlusquamperfekt
AktivPassivAktivPassiv
1. Pers. Sg. -erim-tus sim -issem-tus essem
2. Pers. -eris-tus sis -isses-tus esses
3. Pers. -erit-tus sit -isset-tus esset
1. Pers. Pl. -erimus-ti simus -issemus-ti essemus
2. Pers. -eritis-ti sitis -issetis-ti essetis
3. Pers. -erint-ti sint -issent-ti essent

Partizipien

Im Lateinischen gibt es drei Arten von Partizipien:

Mit den Partizipien kann man Satzkonstruktionen erstellen. Dies und die Übersetzungen werden im Bereich Satzkonstruktionen erklärt.

Partizip Präsens Aktiv - PPA

Der Signalteil des PPA ist -nt-. An ihn wird die Endung angehängt. Es stellt eine Gleichzeitigkeit dar.

 Sg.Pl.
Nom. -ns -ntes/-ntia
Gen. -ntis -ntium
Dat. -nti -ntibus
Akk. -ntem/-ns -ntes/-ntia
Abl. -nte -ntibus

Partizip Perfekt Passiv - PPP

Der Signalteil des PPP ist -tus, -a, -um. Es stellt eine Vorzeitigkeit dar.

 Sg.Pl.
Nom.-tus, -ta, -tum -ti, -tae, -ta
Gen.-ti, -tae, -ti -torum, -tarum, -torum
Dat.-to, -tae, -to -tis, -tis, -tis
Akk.-tum, -tam, -tum -tos, -tas, -ta
Abl.-to, -ta, -to -tis, -tis, -tis

Partizip Futur Aktiv - PFA

Der Signalteil des PFA ist -turus, -a, -um. Es stellt eine Nachzeitigkeit dar.

 Sg.Pl.
Nom.-turus, -tura, -turum -turi, -turae, -tura
Gen.-turi, -turae, -turi -turorum, -turarum, -turorum
Dat.-turo, -turae, -turo -turis, -turis, -turis
Akk.-turum, -turam, -turum -turos, -turas, -tura
Abl.-turo, -tura, -turo -turis, -turis, -turis

Satzkonstruktionen

Satzkonstruktionen mit Partizipien

Hat man ein PPP, PPA oder PFA, so gibt es zwei Satzkonstruktionen, die mit diesen gebildet werden können. Zum einen das Participium coniunctum und der Ablativus absolutus.

Participium coniunctum - PC

Der PC wird ohne eine Form von esse gebildet und hat ein Bezugswort, mit dem es gemäß der KNG-Regel übereinstimmt. Es kann alle Kasus annehmen; außerdem kann das PC die Sinnrichtungen „temporal, kausal, final, konzessiv oder modal“ haben. Man kann zudem zwischen den Übersetzungsvarianten Beiordnung, Unterordnung und Substantivierung (B-U-S) unterscheiden.

Bei einem PC mit einem PFA ist die Sinnrichtung meist final, selten kausal.

Beispiel (Vorzeitigkeit, temporal): Urbs condita petivitur.

Beispiel (Gleichzeitigkeit, kausal): Caesar viri potenti habens Gallos superavit.

Beispiel (Nachzeitigkeit, final): Caesar Galliam expugnaturus ex urbe Roma profectus est.

Ablativus absolutus - Abl. abs.

Der Abl. abs. ist eine Satzkonstruktion ähnlich dem PC, nur ist er grammatisch nicht mit dem übrigen Satz unmittelbar verbunden, sondern absolut, d.h. losgelöst. Man erkennt ihn an einem Nomen und einem Partizip im Ablativ.

Er kann in den Sinnrichtungen „temporal, kausal, konvessiv, modal oder konditional vorkommen, aber nur mit dem PPP und PPA. Wie das PC kann man den Abl. abs. als Beiordnung, Unterordnung oder Substantivierung in den Satz einbauen.

Beispiel

Magistro intrante discipuli salutant.

Satzkonstruktionen mit dem Infinitiv

Accusativus cum Infinitivo - AcI

„Ein AcI ist Objekt eines übergeordneten Verbs der Wahrnehmung, des Wissens oder des Sprechens oder bestimmter unpersönlicher Ausdrücke (z.B. licet). Das Prädikat des eingebetteten Satzes steht im Infinitiv. Ist der AcI vorzeitig, steht das Prädikat im Infinitiv Perfekt. Das Subjekt des eingebetteten Satzes steht im Akkusativ.“

- Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Accusativus_cum_infinitivo

Der AcI muss im Deutsch meist mit einem „dass-Satz“ wiedergegeben werden. Dabei wird der Akkusativ als Subjekt und der Infinitiv entsprechend dem Nomen als Prädikat übersetzt.

Beispiel

Amicam clamare audio. - Ich höre, dass die Freundin ruft.

Hier könnte man den AcI auch wörtlich übersetzen: Ich höre die Freundin rufen.

Nominativus cum Infinitivo - NcI

Der NcI ist dem AcI ähnlich. Hier bleibt das Subjekt des eingebetteten Satzes im Nominativ stehen. Außerdem müssen die Verben dicitur/dicuntur, traditur/traduntur, fertur/feruntur, videtur/videntur im Passiv (hier schon im Passiv stehend) im übergeordneten Satz stehen.

Übersetzung
Beispiele

Socrates vir sapientissimus fuisse dicitur.

Alexander Magnus ab Aristotele philosoho educatus esse traditur.

Nonnulli homines hoc periculum neglexisse videntur.

Konjunktiv im Hauptsatz

Steht das Verb im Hauptsatz im Konjunktiv, so ist beim Übersetzen wichtig auf die Umgebung zu achten, da durch diesen Modus verschiedene Sinnrichtungen ausgedrückt werden können.

Optativ

Dies ist die „Wunschform“ und drückt einen als erfüllbar gedachten Wunsch in der Gegenwart aus.

Kennzeichen

Der Optativ wird meist mit utinam + Konj. Präsens und allen Personen gebildet. Am Ende des Satzes steht ein Ausrufezeichen. Die Verneinung wird mit ne gebildet.

Übersetzung

Man übersetzt ihn mit „Hoffentlich...!“ oder „Imperativ + ...doch...!“, z.B. Utinam mecum (ne) consentias! - Hoffentlich stimmst du mit mir (nicht) überein!/ Stimm doch mit mir (nicht) überein!

Hortativ

Durch den Hortativ wird eine Aufforderung oder ein Appell ausgedrückt.

Kennzeichen

Er steht nur in der 1. Pers. Pl. Am Satzende wird ein Ausrufezeichen verwendet und bei einer Verneinung wird ne ergänzt.

Übersetzung

Die Übersetzung erfolgt entweder mit „Lasst uns...!“ oder mit einem vorangestellten Prädikat durchführen, z.B. Consulamus saluti civium! - Lasst uns für das Wohl der Bürger sorgen!/Sorgen wir für das Wohl der Bürger!

Jussiv

Man drückt hier einen Befehl oder eine Aufforderung an die 3. Pers. aus.

Kennzeichen

Der Jussiv kommt nur in der 3. Pers. Sg. und Pl. vor, es steht ein Ausrufezeichen am Ende und man verneint ein Verb mit ne.

Übersetzung

Mit „...soll(en)...!“ werden diese Sätze übersetzt, z.B. Iste urbem (ne) intret! - Der da soll die Stadt (nicht) betreten!

Prohibitiv

Durch den Prohibitiv äußert man ein Verbot an die 2. Pers.

Kennzeichen

Er kommt in der 2. Pers. Sg. und Pl. zusammen mit ne und dem Konjunktiv Perfekt vor. Am Ende steht ein Ausrufezeichen.

Übersetzung

Man übersetzt den Prohibitiv durch den verneinten Imperativ, z.B. Ne nocueritis amicis! - Schadet den Freunden nicht!

Deliberativ

Durch ihn wird eine überlegende oder zweifelnde Frage gestellt.

Kennzeichen

Die Form, mit der die Frage gestellt wird, ist die 1. Pers. Sg. und Pl. im Präsens. Am Ende steht ein Fragezeichen.

Übersetzung

Die Übersetzung erfolgt mit „...Soll(en) ich/wir...?“, z.B. Quid faciamus? - Was sollen wir tun?

Potentialis

Man drückt mit dem Potentialis eine Möglichkeit aus oder macht eine abgeschwächte Aussage.

Kennzeichen

Er kann mit allen Personen gebildet werden. Am Ende steht kein Ausrufezeichen und die Verneinung erfolgt mit non.

Übersetzung

Man übersetzt in mit „(wird/könnte/dürfte) wohl“, z.B. Omnes sciant te fidum esse. - Alle wissen wohl/dürften wohl wissen/könnten wohl wissen,, dass du zuverlässig ist.

Indirekte Rede - Oratio obliqua

Im Lateinischen gibt es verschiedene Varianten, die indirekte Rede auszudrücken - abhängig vom Satzteil. Bei normalen Hauptsätzen und rhetorischen Fragen wird das AcI, bei allen Gliedsätzen der Konjunktiv und bei Aufforderungen, Wünschen, Befehlen, Verboten, echten Fragen ebenfalls der Konjunktiv verwendet.

Man verneint im Hauptsatz mit ne und der Präteritum wird mit dem Präsens übersetzt. Im Deutschen werden alle Sätze mit dem Konjunktiv wiedergegeben. Eine Ausnahme bilden die Aufforderungen, Wünsche etc.: Hier kann man für die Übersetzung „solle/sollten“ verwenden.

Zu den Formen der Oratio obliqua im Deutschen

Formen der Gleichzeitigkeit: Präsensstamm im Aktiv

Die 3. Pers. Sg. wird stets mit dem Konjunktiv übersetzt, d.h. der Infinitiv ohne -n, z.B. er komme. In der 3. Pers. Sg. gibt es jedoch zwei Möglichkeiten:

Ist das Wort ein schwaches Verb umschreibt man den Konjunktiv mit "würden", ist es aber ein starkes Verb wird der Stamm verändert, sodass meist ein Umlaut in der Präteritumsform vorkommt, z.B. sie würdenarbeiten - sie kämen.

Formen der Vorzeitigkeit: Perfektstamm im Aktiv

Bei der 3. Pers. Sg. gibt es im Konjunktiv nur die zwei Formen „habe/sei + PPP“. Bei der entsprechenden Form im Plural gibt es „hätten/seien + PPP“, z.B. er/sie sei/seien gekommen.

Konjunktivische Relativsätze

Relativsätze stehen im Lateinischen normalerweise im Indikativ und bilden dann Attributsätze. Es gibt jedoch konjunktivische Relativsätze. Sie bringen meist eine bestimmte Sinnrichtung zum Ausdruck und erfüllen so die Funktion eines Adverbialsatzes. Eine Ausnahme bildet die Modusangleichung.

Kausaler Sinn

Für diese Sinnrichtung gibt es die Möglichkeit mit einem „Relativpronomen + ja/doch“ oder die Umsetzung in einem Kausalsatz, z.B. Cur tibi invideam, qui omnibus rebus abundem? - Warum sollte ich dich beneiden, der ich ja/doch an allem Überfluß habe/, da ich (ja/doch) an allem Überfluß habe?

Finaler Sinn

Man kann zwischen der Übersetzung mit einem „Relativpronomen + sollen“ und der Umsetzung in einem Finalsatz wählen, z.B. Britanni legatos miserunt, qui pacem peterent. - Die Briten schickten Gesandte, die um Frieden bitten sollten/, um um Frieden zu bitten.

Konzessiver Sinn

Hier ist nur eine Umsetzung in einen Konzessivsatz möglich. Beispiel: Romani, qui numero Gallis inferiores essent, (tamen) illos superaverunt - Obwohl die Römer den Galliern an Zahl unterlegen waren, besiegten sie jene.

Konsekutiver Sinn

Ein konsekutiver Sinn liegt dann vor, wenn man im übergeordneten Satz „von der Art, dass“ ergänzen kann oder wenn dort tam, talis, is tantus, eiusmodi u.ä. steht.

Man übersetzt den Relativsatz mit einem „Relativpronomen + können“ oder mit einer Umsetzung in einen Konsekutivsatz, z.B. Non is sum, qui mortis periculo terrear. - Ich bin nicht ein solcher (Ich bin nicht ein Mann), der durch Todesgefahr erschreckt werden könnte/, dass ich durch Todesgefahr erschreckt werden könnte.

Ein konsekutiver Nebensinn liegt auch nach folgenden Wendungen vor, wobei der lateinische Konjunktiv im Deutschen nicht berücksichtigt wird:

Nach dignus/indignus, qui... muss der Relativsatz in eine Infinitiv- oder dass-Satz-Konstruktion umgewandelt werden, z.B. Neglegentia tua digna est, quae reprehendatur. - Deine Nachlässigkeit verdient es/ist es wert, dass sie getadelt wird/getadelt zu werden.

Relativische Satzverschränkung

Gelegentlich kommt es vor, dass ein AcI/NcI in einem Relativsatz „verschränkt“, also eingebaut ist. Beim Übersetzen setzt man das AcI/NcI auslösende Verb in eine „wie-Parenthese“. Manchmal ist es auch möglich, das dieses Verb mit einem adverbialen Ausdruck zu übersetzen.

Beispiele

Socrates, quem philosophum clarissimum fuisse scimus capitis damuatus est.

Caesar, quem potentiae cupidum fuisse constat, occisus est.

Gerundium/Gerundivum

Gerund(ium)

Das Gerund(ium) ist der substantivierte Infinitiv. Er erscheint in den Singular-Formen der o-Deklination, aber nicht im Nominativ. Also:

Bildung

Das Gerund wird gebildet, indem man bei der a-/e-Konj. an den Präsens-Stamm die Endung des Gerunds anhängt, z.B. voca-ndi, mone-ndi.

Bei der i-/kons./gemischten Konj. wird zwischen dem Präsens-Stamm und der Endung der Bindevokal -e- gestellt: audi-e-ndi, mitt-e-ndi, capi-e-ndi.

Übersetzung

Genetiv/Dativ

Der Genetiv bzw. Dativ wird mit dem Infinitiv mit zu oder einer Substantivierung wiedergegeben.

Beispiel: occasio fugiendi

ad + Akkusativ oder causa (nachgestellt) + Genetiv

Diese Form wird mit „um...zu/ zum/ zur“ übersetzt.

Beispiel: ad clam fugiendum

Bloßer Ablativ

Dieser kann durch die Wendungen „durch + Substantivierung“ oder durch „dadurch dass/indem + Gliedsatz“ ins Deutsche gebracht werden.

Beispiel: fugiendo se servavit

in + Ablativ

Es wird mit „bei/beim + Substantivierung“ übersetzt.

Beispiel: in fugiendo

Gerundivum-V/Gerundivum-Z

Gerundivum-V

Das Gerundivum-V beschreibt einen Vorgang (deshalb Gerundivum-V = Gerundivum des Vorgangs) sieht wie ein Adjektiv der a-/o-Deklination und kommt immer mit einem Bezugswort vor. Mit diesem stimmt es in der KNG-Kongruenz überein. Es können aber alle Kasusformen verwendet werden, d.h. auch der Plural.

Bildung

Das Gerundivum-V wird gebildet, indem man an das zu substantivierende Verb -nd- + der entsprechenden Endung in der a-/o-Deklination gehängt wird, um die KNG-Kongruenz zu erfüllen.

Übersetzung

Für die Übersetzung gelten die gleichen Regeln wie bei dem Gerund.

Beispiele zum Erscheinen

Gerundivum-Z

Bei bestimmten Verben gibt das Gerundivum-V eine Absicht bzw. einen Zweck wider. Es hat damit eine finale Bedeutung. Dabei handelt es sich vor allem um folgende Verben:

Übersetzung

Bei allen Wörtern bis auf curare wird das Verb zu einem Verbalsubstantiv umgeformt und durch „zum/zur...“ mit dem Satz verbunden. Curare wird mit dem Hilfsverb „lassen“ und dem Infinitiv übersetzt.

Beispiel 1: Hos libros tibi legendos do.

Beispiel 2: Caesar pontem delendum curavit.

Gerundivum-N

Das Gerundivum-N ist eine passivische -nd-Form. Es drückt eine Notwendigkeit aus.

Bildung

Beim Gerundiv der Notwendigkeit wird an das Verb -ndus, -nda, -ndum bzw. die entsprechenden Formen im Plural angehängt. Dazu kommt eine Form von esse (est/sunt, erat/erant, erit/erunt). Steht im Satz noch ein Wort, dass anzeigt, dass jemand etwas tun muss, steht es als „Urheber“ im Dativ (Dativ des Urhebers = Dativus auctoris).

Übersetzung

Das Gerundivum-N wird übersetzt, indem man das Verb mit „müssen, ist/sind...zu“ und bei Verneinung „nicht dürfen“ verbindet. Der Dativus auctoris wird dabei als Subjekt widergegeben.

Beispiele

Omnibus hominibus leges servandae sunt.

Cuanctandum non est.

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