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Geschichte: 11. Klasse

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Leben in der Ständegesellschaft

Merkmale der Ständegesellschaft

In der Ständgesellschaft wurde der Stand einer Person vom Recht und von der Geburt bestimmt. Dadurch wurde die Sozialstruktur sowie Rechte und Pflichten des Einzelnen in der Gesellschaft festgelegt. Man konnte zudem an Äußerlichkeiten (Kleidung, Frisur) die Zugehörigkeit erkennen.

Man sah die Ständegesellschaft als etwas Gottgewolltes an, wobei es in den einzelnen Ständen Hierarchien und Rangunterschiede gab. Es war möglich, den Stand durch Heirat oder durch Beitritt in ein Kloster zu wechseln, was jedoch selten vorkam.

Der Adel hatte die zentrale Herrschaftsfunktion inne, wobei auch der Klerus Privilegien wie Steuerbefreiung, alleiniges Jagdrecht sowie Aufenthaltsrecht am Hofe hatte.

Man zählt die Tagelöhner, Bettler, Landarbeiter und Vaganten häufig zu den unteren oder außerständischen Gruppen. Juden standen auch außerhalb. So kam es während der Kreuzzüge zu Progromen in den Städten. Sie konnten sich aber Schutzbriefe der Landesfürsten kaufen, um so Aufenthaltsrechte zu erlangen; die Fürsten profitierten schließlich von den reichen Kaufleuten und Finanziers.

Im 17./18. Jahrhundert nahm die horizontale Mobilität vor allem durch die zahlreich werdenden Staatsdiener zu. Diese konnten dazu Adelspatente erwerben.

Soziale Fürsorge auf dem Land und in der Stadt

Wandel der Einstellung bezüglich der Armut und Bettelei

Wärend dem Wandel vom Mittelalter zur Neuzeit änderte sich die Einstellung gegenüber der Armut und Bettelei. Früher herrschte die Auffassung, dass die Reicheren Almosen nutzen konnten, um Sünden zu büßen; später sah man jedoch die Armut sowie das Betteln als verwerflich an.

Dadurch wurden Bettler und Landfahrer ausgegrenzt. Zudem wurde die Armenfürsorge reglementiert, indem Bettelzeichen vergeben und Almosenlisten eingeführt wurden, um so den Missbrauch von Almosenempfang zu unterbinden.

Gründe für den Einstellungswandel

Bereits im 16. Jahrhundert stieg die Bevölkerung stark an; im 18. Jahrhundert nahm die Armut sehr stark aufgrund von Missernten und der weiterhin steigenden Bevölkerungszahl zu, wodurch die Städte das Armenwesen verbessern mussten. Außerdem wurde die Geldwirtschaft und der Handel bedeutsamer, wodurch gewisse Verhaltensmuster nicht mehr so stark von Kirche und Religion beeinflusst wurden.

Durch die Reformation durch Martin Luther wurde der Glaube in den protestantischen Gebieten aufgehoben, dass durch die Almosengabe das Seelenheil erreicht werden könne. Dort wurde das Betteln kriminialisiert und Klöster geschlossen. Außerdem gab es eine Aufwertung der Arbeit. Dieser Einstellungswandel vollzog sich später auch in den katholisch geprägten Gebieten.

Merkmale der Armenfürsorge

Während der Großteil der Unterstützung durch die Familie, Verwandte, Freunde und Nachbarn stattfand, wurde auch von kirchlicher Seite sowie von Kaufmannsgilden, Zünften und Bruderschaften geholfen. Jedoch wurde die meist religiös begründete Hilfe durch öffentliche Almosenvergabe abgelöst. Die wichtigsten Aspekte dieses Prozesses waren:

Dörfliche Fürsorge

Öffentliche Einrichtungen versuchten die Unterstützungsfonds zu entlasten, indem sie den Zustrom von Bettlern und Vaganten begrenzten. Deshalb wurde im 17. und 18. Jahrhundert das Heimatrecht eingeführt, nach dem Armen nur in ihrem Heimatort geholfen wurde. Dabei entschied die Gemeinde häufig mit dem örtlichen Pfarrer, wer und in welcher Höhe Hilfe bekam.

Im Süden Deutschlands, z.B. im Augsburger Umland, gab es Landzünfte, die für ihre Mitglieder zu sorgen hatten. Außerdem unterstützten die meist von der Kirche verwalteten Stiftungen Arme. Würzburg war einer der stiftungsreichsten Gebiete.

Städtische Fürsorge

In den Städten waren Hospitäler eine wichtige Stütze der Armenfürsorge. In ihnen wurden gesunde, aber vor allem kranke und alte Arme geholfen. Seit dem 14. Jahrhundert wandelte ihre Arbeit dahingehend, dass darin überwiegend das reiche Bürgertum versorgt wurde. Dennoch leisteten unterschiedliche Spitäler, wie die Universal-Spitäler (meist Heilig-Geist-Spital genannt) oder Pest-Spitäler, eine wichtige Arbeit.

Aus Spitälern sowie Stiftungen gingen Waisenhäuser hervor, die sich um Waisen- und Findelkinder kümmerten. Manche wurden mit Zucht- und Arbeitshäusern kombiniert und waren zum Teil auf den rücksichtslosen Einsatz von Kinderarbeit ausgerichtet, wodurch eine problematische Entwicklung verursacht wurde. Es gab jedoch auch Waisenhäuser, die sich der christlichen Nächstenliebe verpflichtet fühlten.

Es wurde auch im Haus- und Wohnungsbau geholfen, z.B. wie die Fuggerei in Augsburg. In den Städten übernahmen Zünfte ebenfalls Hilfeleistungen für ihre Mitglieder, insbesondere für Witwen und Waisen. Dies wurde mithilfe von Beiträgen der Zunftangehörigen in Unterstützungskassen finanziert.

Kontrolle des Alltags

Ursachen

Durch den Aufstieg reicher Bürgerfamilien in den Adelsstand gab es häufig Konflikte. So kam es durchaus vor, dass Adelige einen reicher Geschäftsmann als Lehnsherren anerkennen mussten. Außerdem führte die Reformation durch Martin Luther zu einem weiteren Bruch in die durch das Mittelalter gefestigte Ordnung.

Die im Dreißigjährigen Krieg gipfelnde Auseinandersetzung veranlassten schließlich die weltlichen Obrigkeiten „Policeyordnungen“, die das Alltagsleben reglementieren sollten.

„Gute Policey“

Der Begriff „Policey“ war sehr umfassend und tauchte seit dem 15. Jahrhundert auf; häufig im Kontext mit „guter Ordnung“, „gutem Regiment“ oder Fürsorge der Obrigkeit. Er meinte damals soviel wie „gute Ordnung“ und beinhaltete alle Bestrebungen nach Reglementierung, Wohlfahrt und Sicherheit.

Funktion der Ordnungen

Die Policeyordnungen sollten die Gesellschaft wieder stabilisieren, indem sie das private Leben, Rechte und Pflichten sowie wirtschaftliche Bestimmungen regelten. Davon betroffen waren „Ehe und Familie, Eigentum und Boden, Handel, Gewerbe und Kreditwesen, Prozessführung, Berufswelt und Arbeitswesen, Kirchgang und Frömmigkeit.“[1]

Die Ordnungen wurden von allen weltlichen Obrigkeiten erlassen, um so ihren Herrschaftsbereich zu erweitern als auch die Macht des Adels und der Kirche einzugrenzen. Das Modell war die einheitliche, dem Gesetz unterworfene Untertanengesellschaft, die die absolutistischen Staaten prägte. Dieses Verhältnis zwischen Staat und den Menschen wird als Sozialdisziplinierung bezeichnet, d.h. die Verinnerlichung von Zwängen.

Dabei erließen die Behörden nicht nur von sich aus Ordnungen, sondern taten dies auch auf Wunsch einzelner Personen oder Gemeinden, die Bitten oder Beschwerden einreichten. Dadurch war gleichzeitig eine Kontrolle der Wirkung möglich und es konnte besser auf Missstände eingegangen werden.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit der Policeyordnungen sollte durch Veröffentlichung der Vorschriften, Anzeigepflicht von Amtsträgern, Kontrollmaßnahmen wie die Vergabe von Pässen und Zeugnissen und durch den Einsatz von Dragonern (Fußsoldaten zu Pferd) sichergestellt werden. Dadurch wussten die Menschen, wie sie sich zu verhalten haben und dass sie bei Verstößen mit Strafen zu rechnen haben.

Jedoch ist zu erkennen, dass sich die Landbevölkerung nicht unbedingt daran gehalten haben. So wurden z.B. Reglementierungen für die Landwirtschaft nicht beachtet oder Widerstand geleistet. Die Bevölkerung zeigte sich selten gegenseitig an, sondern nutzte das Gericht als Mittel gegen Beamte oder zu hohe Abgaben.

Kirchen der Landesherrn

Durch die Reformation standen sich die einzelnen Konfessionen des Christentums feindlich gegenüber. In den einzelnen Gebieten wurden Normen und Werte festgelegt, die stark von der Glaubensrichtung abhängig waren; so wurde auch die politische Denkweise der Landesherrn beeinflusst.

Letztlich führte die Konfessionalisierung, d.h. die Abgrenzung konfessionell unterschiedlicher Territorien, wodurch sonst „gleiche“ Menschen zu Feinden wurde aufgrund der Tatsache, dass sie unterschiedlicher Konfession waren. Diese Entwicklung hielt bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts an.

Vorindustrielle Arbeitswelten

Subsistenzwirtschaft

In der Frühen Neuzeit herrschte vor allem die Subsistenzwirtschaft vor. Das bedeutet, dass die Häuser eines Dorfes und die in ihnen lebenden Menschen mit dem Notwendigen des alltäglichen Bedarfs durch Eigenproduktion versorgt werden sollten.

Zünfte

Das städtische Handwerk war meist in Zünften organisiert. Häufig schloss sich eine Berufsgruppe zu einer Zunft zusammen, manchmal aber auch mehrere. Dies geschah vor allem dort, wo sie eine wichtige politische Rolle hatten. In diesem Fall waren sie zunächst eine politische Gliederung der Bürgerschaft.

Durch Zünfte wurde das Leben der Mitglieder stark geregelt. So wurden Produktionsformen, Preise, Ausbildungswege und das religiöse Leben kontrolliert. Man musste sich an die festgelegten Normen und Werte halten. Zudem musste man seine ehrliche Herkunft nachweisen.

Die Zünfte hatten das Ziel, dass alle Mitglieder „überleben“ konnten. So versuchten sie Angebot und Nachfrage mit der Begrenzung der Lehrstellen und Gesellen im Gleichgewicht zu halten. Dazu wurde die Konkurrenz mit Klagen und Beschwerden bekämpft.

Manufaktur

Eine Manufaktur war ein Großbetrieb, in dem arbeitsteilig und massenhaft vor allem Luxusgüter produziert wurde. Dabei waren Menschen oder Tiere die „Antriebskraft“. Durch Absprachen sowie durch hohe Strafen wurde ein Wechseln des Arbeitsplatzes unterbunden.

Diese Großbetriebe sind charakteristisch für den Merkantilismus, in dem die Regierungen die Unternehmen förderten. Dadurch sollte der Export gesteigert und der Import mithilfe überproportional hoher Zölle gesenkt werden.

Verlagssystem

Im Verlagssystem produzierten Kleinproduzenten für einen Verleger Metallwaren, vor allem aber Textilwaren. Dieser orientierte sich am überregionalen (oder internationalen) Markt, wodurch die Herstellung losgelöst von der Eigenversorgung war.

In manchen Systemen sorgten die Produzenten selbst für nötige Rohstoffe und Werkzeuge, während in anderen diese Dinge vom Verleger bereitgestellt wurde. Das Verlagssystem sorgte für eine dezentrale Produktion und hatte große Bedeutung für die Enstehung des Kapitalismus.

Unehrliche Berufe und Unehrlichkeit

Zu den unehrlichen Berufen gehörten unter anderem Abdecker, Henker, Straßenkehrer, Totengräber oder Kloakenreiniger. Die Einstufung war regional abhängig. Daneben konnte man unehrlich werden, indem man zu einer Schandstrafe (z.B. Pranger) verurteilt wurde oder ein unmoralisches Leben führte. Eine uneheliche Geburt führte auch zu diesem Status.

Bedrohungen in der Ständegesellschaft

Krankheiten und Seuchen

Die Pest im Mittelalter prägte stark das Denken und Handeln in der Frühen Neuzeit. Reaktionen auf dieses einschneidende Ereignis in Europa waren einerseits eine tiefe Frömmigkeit, andererseits eine große Lebenslust mancher Menschen.

Man sah die Pest als eine Strafe Gottes an, weshalb auch Geißler umherzogen und für sich und andere Buße taten, indem sie sich selbst Schmerzen zufügten. Es wurde von einigen Personen auch das Gerücht verbreitet, dass die Juden die Brunnen vergiftet haben sollen. Durch diese Lügen kam es zu Pogromen, was eine weitere Distanziertheit zwischen Juden und Christen zur Folge hatte.

Die Pest kehrte bis ins 18. Jahrhundert regelmäßig zurück, war jedoch auf einzelne Länder oder Regionen beschränkt. Allgemein waren die Menschen hilflos gegen Krankheiten wie Ruhr, Pocken, Masern, Diphterie, Keuchhusten oder Scharlach.

Auch das Kindbettfieber war gefürchtet, da hier bleibende Schäden bei der Mutter und beim Kind auftraten, wenn sie überlebten, wodurch es weiteres Leid gab. Aufgrund dieser Hilflosigkeit lag die Lebenserwartung am Ende des 18. Jahrhunderts immer noch nur bei 40 Jahren.

Die Mediziner unternahmen relativ häufig Therapien, die den Patienten mehr Schmerzen zufügten als Linderung brachten. Dennoch wurde durch den Einfluss der Aufklärung die Hygiene und Krankenpflege verbessert sowie Seuchen erforscht, deren Ursache oft unbekannt war.

Ende des 18. Jahrhunderts kam es zum ersten Mal zu einer Impfung, die auf der Immunisierung basierte, gegen Blattern oder Pocken. Das Serum wurde dabei von Kühen gewonnen. Dies war der Beginn dieser Art von Impfung.

Kriege

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) verursachte in Europa große Schäden; so wurden zahlreiche Städte und Dörfer sowie Ernten vernichtet und viele Menschen getötet.

Auch der Siebenjährige Krieg (1756-1763), der in weiten Teilen "Deutschlands" herrschte, führte zu Großen Verlusten auf Seiten der Heere von Preußen, Österreich, Hannover und Frankreich. In Schlesien, Sachsen, Pommern und Ostpreußen gab es zudem viele zivle Opfer zu beklagen.

Hunger

In der Frühen Neuzeit waren immer noch 40-50 Prozent der Bevölkerung so arm, dass sie ständig Hunger litten. Dies wurde durch Naturkatastrophen bzw. Unregelmäßigkeiten des Klimas verschärft. So führten Frost, Hagel oder Sturmfluten im Norden zu großen Schäden der Ernte oder sie zerstörten diese.

Durch mehrere Krisenjahre gab es starke Preissteigerungen, wodurch sich noch weniger Menschen Nahrung leisten konnten. Dies steht im Gegensatz zur damaligen Epoche, der Aufklärung, die als Zeit der Blüte für die Literatur- und Geisteswissenschaften galt.

Grundlinien der Bevölkerungsentwicklung

Statistiken in der Neuzeit

Mit der Entwicklung zum frühmodernen Staat wurden Statistiken für den Staat immer wichtiger, da eine Erfassung der Bevölkerung zunehmend an Bedeutung erlangte. Dies lag vor allem an den Bereichen der Sozialversicherungen, Wehrpflicht, Schulwesen und der allgemeinen Steuererhebung.

Grundzüge der Entwicklung

Die Angaben über die Bevölkerungsentwicklung weichen voneinander ab, da sich die geographischen Bezugsgrößen veränderten, da bis zu seiner Auflösung im Jahre 1806 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation Territorien verlor und auch dazugewann.

Die Bevölkerungszahl stieg langsam immer weiter, jedoch unterbrachen Seuchen und Kriege, vor allem der Dreißigjährige Krieg, der einen Rückgang der Bevölkerung verursachte, diese Entwicklung. Während der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung rasant, weil die Lebenserwartung stieg. Dies lag daran, dass die Mortalität (Sterblichkeitsrate) sank und die Nativität zunächst gleich blieb.

Kinder wurden in erster Linie als Versorgung für das Alter und als Möglichkeit für ein Erbe gesehen. Eine Familie „musste“ viele Kinder bekommen, da selbst im 18. Jahrhundert die Säuglings- und Kindersterblichkeit über 30 Prozent erreicht wurden. Der Alltag war durch den Tod geprägt: Man verlor viele Kinder und die Hälfte verloren ihren Partner nach nicht einmal zehn Jahren Ehe.

Leben in der Industriegesellschaft

Bedingungen für den Wandel

Da es im Heiligen Römischen Reich um die 300 Territorien gab, die durch Zollschranken getrennt wurden und andere Maß- und Münzsysteme sowie eine schlechte Infrastruktur hatten, wurde die wirtschaftliche Entwicklung erschwert.

Während dem Deutschen Bund wurde das Verkehrsnetz ausgebaut und die Zollschranken abgeschafft. 1834 erreichte diese Entwicklung mit der Gründung des Deutschen Zollvereins einen Höhepunkt. Diese Neuerungen reichten jedoch nicht aus; es mussten noch weitere Reformen durchgeführt werden.

Agrarreformen

Durch die Aufhebung der ständischen und feudalen Schranken konnte eine Dynamisierung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung erzielt werden. So führte die Privatisierung der Landwirtschaft zu einer erhöhten Produktion.

Jedoch führte die Abschaffung des Lehnwesens dazu, dass die Bauern ihren Schutz verloren. Da sie formal gleichgestellt waren, gab es aber eine Ungleichheit in den wirtschaftlichen „Startbedingungen“. Besonders den Menschen der dörflichen Unterschicht ging es schlechter als vor der Reform, da diese bei der Neuverteilung des Landes keinen Anteil bekamen.

Gewerbereform

Mit den Gewerbereformen wollten die Regierungen die Wirtschaftsverfassung liberalisieren. So wurden Zünfte aufgehoben. Jedoch übernahmen Behörden die Ausstellung der Konzessionen nach verschiedenen Faktoren, wie fachlichen Qualifikationen oder persönlichen Eigenschaften.

Kurzfristig wurde dadurch erreicht, dass mehr Meister und mehr Betriebe zugelassen wurden, aber weniger Gesellen angenommen wurden. Letztlich wurde dadurch ein offener Wettbewerb erreicht.

Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen

Während in manchen Bereichen des Lebens moderne Erscheinungen aufkamen, verschwand das „Alte“ nicht sofort. Manche vorindustrielle Muster entwickelten sich langsamer oder entwickelten sich rückwärts.

Liberalisierung durch Reformen in Preußen

Vergleich England – Preußen

Während England ein fortschrittliches Land und treibende Kraft der Industrialisierung war, war Preußen rückständig. In England war die Landbevölkerung nicht gebunden und konnte so in den Städten neue Arbeit suchen, wodurch das Arbeitskräfteangebot und die Binnennachfrage stieg.

Kurze Transportwesen, die staatliche Form sowie die offene Gesellschaftsform ermöglichten den Unternehmen neue technologische Innovationen. In Preußen und vor allem östlich der Elbe war durch die Gutsherrschaft die Bevölkerung nicht frei. Dadurch wurde die wirtschaftliche Eigeninitiative und die Bildung eines Arbeitsmarktes unterbunden.

Wachsender Reformdruck

Durch die Niederlage gegen Frankreich und durch den Frieden von Tilsit, wegen dem Prueßen die Hälfte seines Gebiets verlor und hohe Zahlungen vornehmen musste, wodurch der Staat in eine finanzielle Krise stürzte, musste Friedrich Wilhelm III. Reformen in der Wirtschafts- und Sozialverfassung vornehmen.

Dazu kam, dass durch das starke Bevölkerungswachstum Unruhen und ein sozialer Zusammenfall zu erwarten war. Deshalb wurd eine defensive Modernisierung gegen Frankreich vorgeschlagen, die auf den Lehren Adam Smiths basierte, mit dem Ziel des Wiederaufstiegs Preußens.

Wirkung

Mit dem sogenannten Oktoberedikt wurde die Agrarreform begonnen. Durch diese Verordnung wurde die Gutsherrschaft aufgehoben. Profiteure waren vor allem die Rittergutsbesitzer; es bildete sich auch eine neue dörfliche Unterschicht, die häufig unter anderem als Tagelöhner Geld verdiente.

Die Einführung der Gewerbefreiheit im Jahre 1810 stärkte die Wirtschaftskraft Preußens. Durch den freien Markt gab es eine Konkurrenz, wodurch mehr Steuereinnahmen erzielt werden konnten. Jedoch stieg die Anzahl der Betriebe so stark an, dass die Preise sanken, viele Familien verarmten und sich so die sozialen Spannungen verstärkten.

Zusätzlich zu den Reformen wurde das Steuersystem vereinfacht und die Binnenzölle 1818 abgeschafft. 1812 wurde das Edikt „Bürgerliche Verhältnisse von Juden“ erlassen, dass Juden mit Christen gleichstellte. Der preußische Staat wurde auch in den Bereichen Politik, Verwaltung, Militär und Bildung modernisiert.

Industriegesellschaft in Bayern

Bayern im 19. Jahrhundert

Bayern ist heue wirtschaftlich sehr stark aufgrund der Modernisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Davor war es weitgehend Agrarland, obwohl mache Fortschritte erreicht wurden. Grundlagen der Wirtschaft waren Salz, Holz, Getreide, Vieh und Wein, die wichtige Exportgüter waren.

Neben der Landwirtschaft gab es Handwerk und einzelne Manufakturen. Die Entwicklung verlief langsam und nicht flächendeckend. Die Industrialisierung wurde den Rohstoffmangel und durch die Binnenlage des Königreichs. Die Donau konnte trotz der Zugehörigkeit zum Deutschen Zollverein nicht als Transportweg genutzt werden, da Österreich/Ungarn diesem nicht angehörte.

Förderung des Gewerbes

1834 scheiterte eine weit reichende Liberalisierung des Gewerbes am Einspruchsrecht der Gemeinden, die ein Einspruchsrecht bei der Erteilung von Zulassungen von Betrieben hatten. Es wurden trotzdem Reformen gebilligt, dem ein Protest des Handwerks folgte, da es nicht gegen die Fabriken konkurrieren konnte.

1852 gab es eine neue, zunftfreie Gewerbeinstruktion erlassen, die trotzdem kein Schutz der Handwerker vor Arbeitslosigkeit hatte. 1868 wurde die vollkommene Gewerbefreiheit mit einer neuen Gewerbeordnung eingeführt, der Zunftzwang abgeschafft.

Industriezentren

Die industrielle Entwicklung konzentrierte sich in Bayern auf einige Orte, vor allem Augsburg, München, Nürnberg, Schweinfurt und Würzburg. Zwischen 1815 und 1840 gab es kaum mehr als 50 Großbetriebe (mehr als 10 Angestellte). Seit den 1860er Jahren setzte sich die Industrialisierung fort.

Wichtige Branchen waren die Verbrauchsgüterherstellung, die Schuh- und Glasindustrie, der Maschinenbau, die Elektrotechnik, Kugellagerfabriken sowie die Chemieindustrie.

Um die Jahrhundertwende gab es einen Modernisierungsschub, der durch die Ersetzung von Kohle durch Gas ermöglicht wurde. Seit den 1890er-Jahren gewann die Elektrizität an Bedeutung, welche in Bayern durch Wasserkraft erzeugt werden konnte. Ab 1912/13 wurden Bahnstrecken elektrifiziert.

Eisenbahnbau

1835 fuhr die erste deutsche Dampfeisenbahn Eagle zur Personenbeförderung auf der Nürnberg-Fürther Eisenbahn. Durch den Beweis des wirtschaftlichen Erfolgs wurde der Eisenbahnbau in Deutschland vorangetrieben. Dadurch gab es einen starken Wachstumsschub im Maschinenbau sowie in der Eisenerz- und Kohleförderung und die Schwerindustrie wurde zum Leitsektor.

1843 wurde das bayerische Eisenbahnnetz systematisch ausgebaut. Beim Ausbau der deutschen Hauptlinien übernahm die bayerische Staatsbahn die Verantwortung.

Grundlinien der Bevölkerungsentwicklung

Das Bevölkerungsgesetz von Robert Malthus

Robert Malthus prophezeite 1798, dass sich die Bevölkerung schneller als die Nahrungsproduktion entwickle und dass dadurch ein Missverhältnis zwischen der Bevölkerung und den Lebensmittelvorräten entsteht.

Nach ihm würde sich die Einwohnerzahl in einer geometrischen Reihe (1, 2, 4, 8 etc.) und die Nahrungsmittelproduktion in einer arithmetischen Reihe (1, 2, 3, 4 etc.) entwickeln, was zu einer Überbevölkerungskatastrophe führt.

Bevölkerungsentwicklung im 19. Jahrhundert

Ab 1850 gab es ein beschleunigtes Wachstum der Bevölkerung; zunächst waren ländliche Unterschichten betroffen (agrarische Bevölkerungswelle), danach städtische Unterschichten (industrielle Bevölkerungswelle).

Grund dafür waren Fortschritte in der Landwirtschaft und die damit gesicherte materielle Existenzgrundlage und weniger medizinische Gründe. Außerdem bot die Industrialisierung neue Erwerbschancen, die gesamtwirtschaftliche Lage verbesserte sich und der Lebensstandard stieg. Durch die Lockerung der Heiratsbeschränkungen stieg auch die Geburtenrate.

Ausbleiben einer Überbevölkerungskatastrophe

Während es in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch Hungersnöte gab, verbesserte sich die Lebensmittelsituation durch die Agrarreform und durch die Modernisierung der Agrarwirtschaft. Es war nun auch möglich nahrungsarme Gebiete durch nahrungsreiche u.a. mit der Eisenbahn schnell zu versorgen. Die Lebensmittelproduktion bzw. -verarbeitung wurde weiterentwickelt, wodurch sie länger haltbar waren.

Familiengemeinschaften und Geschlechterrollen

Zerfall der Familie durch den Kapitalismus?

Während der Industrialisierung nahm man an, dass der Kapitalismus die Familie zerstöre. Heute ist man der Meinung, dass die Bedeutung der Familie zunahm; so konnte ein Angestellter in einem handwerklichen Betrieb schwer eine Familie gründen. Da Heiratsbarrieren verschwanden, konnte sich die Ehe nun auch in den Unterschichten durchsetzen.

Geschlechterrollen

Da sich die Rollen änderten, sah man die „Gefahr“, die Frau könne den Mann als Versorger und Oberhaupt ablösen und ihn „entmannen“. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der erwerbstätigen Frauen, diese waren aber meist ledig.

Lohn- und Hausarbeit

Der Mann galt immer noch bzw. erst jetzt als Autoritätsperson und Familienernährer. Die Frau war ihm nachgeordnet und hatte einen geringeren ökonomischen Wert. Da in der Leistungsgesellschaft nur die Arbeitsleistung gilt, kam es hier zu einer Aufwertung des Mannes und zu einer Abwertung der Frau.

Geschlechterverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt

Frauen wurden meist schlechter bezahlt und ausgestattet als Männer. Sie hatten geringere Aufstiegsmöglichkeiten und durch die kapitalistische Ordnung der Gesellschaft verschärften sich (im Gegensatz zur vorindustriellen Situation) die Geschlechterunterschiede. Damit gab es eine soziale Ungleichheit.

Frauenbewegung

Männer- und Frauenwelten

Die Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters meinte (sinngemäß), dass durch die Veränderung der Gesellschaft eine Reduzierung der Frau auf ihre häuslichen Pflichten zur Folge hatte. So differenzierten sich durch die Trennung der Arbeits- und Wohnbereiche und damit auch die „Welten“ von Männern und Frauen.

Dies wurde durch die Auffassung der „Geschlechtercharaktere“ gestützt; demzufolge nur ein Geschlecht eine bestimmte Gruppe von Eigenschaften habe (z.B. Männer mit Verstand). Außerdem war die Stellung Frau von ihrem Mann abhängig.

Berufswelt der Frauen

Frauen durften keine weiterführenden Schulen oder Universitäten besuchen. Viele nutzten die Möglichkeit als Lehrerin zu arbeiten, um so selbstständig zu sein; der Beruf des Dienstmädchens war auch populär, da man dadurch Erfahrungen für das spätere Leben gewinnen konnte. Arbeiterinnen waren aufgrund ihrer sozialen Lage gezwungen, arbeiten zu gehen.

Bürgerliche Frauenbewegung

Seit der Deutschen Revolution bildeten sich Vereine, die die Benachteiligung von Frauen aufheben wollten. 1865 gründete Otto-Peters den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF), um Bildungschancen zu verbessern und die Berufsausübung zu unterstützen. Seit den 90er-Jahren versuchte man eine völlige Gleichstellung zu erreichen.

Proletarische bzw. sozialdemokratische Frauenbewegung

Nach August Bebel, der als Basis für die proletarische Frauenbewegung fungierte, wurden Frauen durch die soziale Abhängigkeit vom Mann und durch die wirtschaftliche Abhängigkeit im Arbeitsleben unterdrückt.

Diese Unterdrückung könne man nur durch die Umgestaltung in ein sozialistisches System beheben. Die Sozialdemokraten unterstützten auch das Wahlrecht aller, ein Recht auf Arbeit und die gesellschaftliche Verantwortung der Kindererziehung.

Rückgang der äußeren Bedrohungen?

Höhere Lebenserwartungen

In der Industriegesellschaft wurden das Gesundheits- und Kassenwesen sowie die öffentliche Hygiene ausgebaut. Das Einkommen stieg und die Lebensverhältnisse verbesserten sich. Dadurch konnte eine flexible und dauerhafte Versorgung vieler Bevölkerungsschichten mit hochwertigen Lebensmitteln sichergestellt werden. Außerdem gilt das 19. Jahrhundert wegen der langen Friedensphase als „friedliches Jahrhundert“.

Landwirtschaftliche Produktion

Mit dem Anfang des 19. Jahrhunderts veränderten die Naturwissenschaften den Alltag des Menschen. So konnte in der Landwirtschaft die Produktivität durch den Einsatz von Kunstdüngern und Maschinen sowie durch den Ausbau der Anbauflächen erhöht werden.

Albrecht Daniel Thaer war ein bekannter Reformer der Landwirtschaft, wodurch diese sich am Wettbewerb orientierte. Seine Lehre, dass Mineralstoffe besser als Humus zum Düngen geeignet seien, wurde von Justus Liebig verbreitet.

Dadurch wurde die Landwirtschaft „verwissenschaftlicht“ und landwirtschaftliche Maschinen und neue Werkzeuge wurden eingesetzt. Es kam auch zu einem Mentalitätswandel, nach dem sich der Landwirt zu einer Art Fabrikant entwickelte, der die Natur kontrolliert.

Es änderte sich auch die Nahrungsqualität (zum Besseren) und ab der Mitte des 19. Jahrhunderts stieg der Konsum von Fleisch, Zucker und Obst an.

Hygiene und Seuchenbekämpfung

Durch Seuchen wurde der Ausbau der öffentlichen Hygiene, die Versorgung mit sauberem Wasser, der Kanalisation sowie der Müllabfuhr beschleunigt. Dadurch verschwanden die Seuchen allmählich.

Wissenschaftliche Grundlagen lieferte der Mediziner und Hygieniker Max von Pettenkofer, der die Theorie aufstellte, dass ein Zusammenhang zwischen einer Verunreinigung von Wasser, Boden und Luft und Seuchen besteht. Auch wichtig war die Einführung und Verbreitung der Impfung.

All dies führte dazu, dass Krankheiten weniger ausbrachen und dass die Kindersterblichkeit sank.

Industrielle Arbeits- und Lebenswelten

Pauperismus und Proletariat

Der Pauperismus ist die vorindustrielle Massenarmut, die aus dem starken Bevölkerungswachstum, der langsam steigenden Nahrungsmittelproduktion und aus dem Mangel an Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten entstanden ist.

Der Begriff des Proletariat hat in der Antike die Menschen eingeschlossen, die keine Angehörigen einer Steuerklasse waren, da sie zu wenig Vermögen hatten. Seit den 1840er Jahren ist es die Bezeichnung der vorindustriellen besitzlosen Massen sowie der ausgebeuteten Schicht der Lohnarbeiter, die nur ihre Arbeitskraft besaßen.

Durch den großen Bevölkerungszuwachs war die Ständegesellschaft überfordert und wurde als unhaltbar angesehen, da sie als ungerecht, unwirtschaftlich und fortschritts- und entwicklungshemmend angesehen wurde.

Dieser Eindruck wurde durch die Massenarmut verstärkt; zwischen 1820 und 1848 kam es deshalb zu einer gesellschaftlich-politischen Debatte. Als diese negative Einstellung verstärkt wurde, sah Karl Marx den Abstieg des Mittelstandes in das Proletariat voraus.

Heute sieht man diese Zeit nicht als Krise der Industrie an, sondern als eine Krise durch Missernten, die durch die größere Anzahl an Menschen verstärkt wurde. Dies erkennt man auch daran, dass sich mit der Zeit die Situation verbesserte. Letztlich ist es so, dass heutzutage Krisen nicht mehr zu Hungersnöten, jedoch zu mehr Arbeitslosen führen.

Arbeit, Fabrik, Maschine, Konsumgesellschaft

Um konkurrrenzfähig zu bleiben, mussten die Betriebe Geld investieren und sich vergrößern. Schließlich teilten sie die Arbeit auf und entwickelten sich zu Manufakturen und später zu Fabriken. Beide haben als Merkmal, dass die arbeitsteilig unter der Aufsicht eines Unternehmers produziert wird.

Durch weitere Konkurrenz wurde der Einsatz von Maschinen erhöht. Die schwere körperliche Arbeit wurde durch das Fließband erleichtert. Im Zeitraum von 1860 bis 1910 wurde die täglich Arbeitszeit von 12 auf 9,5 Stunden gesenkt. Dazu kamen Lohnerhöhungen, die die Kaufkraft und den Lebensstandard erhöhten.

Es gab dennoch kaum Freizeit für die Fabrikarbeiter, es gab jedoch immer mehr Teilhabe an Kultur und Wohlstand, welches ein Merkmal der modernen Konsumgesellschaft ist, die sich durch den Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen über die Bedürfnisbefriedigung hinaus kennzeichnet.

Aus- und Binnenwanderung, Landflucht, Urbanisierung

Um dem Pauperismus zu entfliehen, gab es Emigrationswellen vor allem in die USA 1847. Fand man in einem Gebiet keine Arbeit oder gab es eine Unsicherheit der Arbeit, zog man in andere Regionen. Dabei kam es auch zur Landflucht, bei der die Menschen, die auf dem Land keine Arbeit hatten, in die Städte zogen.

Die Binnenwanderung bzw. Landflucht hatte die Verstädterung und Urbanisierung zur Folge. Unter Verstädterung versteht man, dass die Städte größer und bedeutender werden. Die Urbanisierung beschreibt man die Veränderung der Lebensformen, wie andere Lebensstile, mehr Gestaltung des Lebens, Entfaltung der Kultur, bessere Bildung und durch die Industrialisierung vermehrt vorkommenden Waren und Reklamen.

Die „Soziale Frage“

Problematik

Mit der Herauslösung der Menschen aus der Ständegesellschaft und ihrer gewohnten Umgebung konnten sich freier entfalten. Jedoch war das häufig von sozialer Unsicherheit begleitet. Die Arbeiter mussten zu Hungerlöhnen bis zu 18 Stunden am Tag arbeiten.

Dabei besaßen sie keine sozialen Sicherungen bei Krankheit oder bei einem Unfall. Da ab 1830 die Masse an Arbeitern stark anstieg, sanken die Löhne der Arbeiter und die Frauen und Kinder waren gezwungen auch zu schlechten Bedingungen in den Fabriken zu helfen.

Die schlechten Bedingungen am Arbeitsplatz, Gefahren an den Maschinen und die miserable Wohnsituation führte dazu, dass die Lebenserwartung nur ungefähr 40 Jahre betrog. Während der Industrialisierung konnte sie später zwar aufholen, sie blieb jedoch immer noch zurück.

Durch Massenstreiks wurde gezeigt, dass diese „Soziale Frage“ die Arbeiter beschäftige, dass ein Missverhältnis besteht und dass die Probleme zu lösen sind, auch wenn es nur darum ging soziale Unruhen, Revolutionen oder Hunger-Aufstände zu vermeiden.

Lösungsansätze

Organisierte Arbeiterbewegung

Die Arbeiter vertraten gemeinsam ihre Interessen, um so eine stärkere Wirkung gegenüber den Fabrikbesitzern zu haben. Sie organisierten Streiks, die auch zur Stärkung der Solidarität in den Gruppierungen dienten. Außerdem wurden Vereine und Gewerkschaften, für die eine soziale Absicherung des Arbeitsplatzes Vorrang hatte, gegründet sowie Parteien, z.B. die SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei) gebildet.

Sozialgesetzgebung

Otto von Bismarck führte in den 1880er-Jahren die Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Rentenversicherung ein für Arbeiter unter einem bestimmten Einkommen. In der Weimarer Republik gab es zusätzlich die Arbeitslosenversicherung.

Die Krankenversicherung (1883) übernahm der Arbeitnehmer zu 67%, der Arbeitgeber zu 33%; die Unfallversicherung (1884) wurde allein vom Arbeitgeber getragen; Die Invaliden- und Rentenversicherung wurde zwischen Arbeitnehmer, -geber und dem Staat aufgeteilt. Diese Gesetzgebung war ein wichtiger Markstein in der Geschichte des Sozialstaates.

Christliche Sozialarbeit

Der evangelische Geistliche Johann Hinrich Wichern gründete 1848 den „Central-Ausschuss für die Innere Mission“; 1849 gründete Adolph Kolping eine Heimstätte für familienlose Männer, den „Katholischen Gesellenverein“.

Es gab verschiedene Zusagen und Aufforderungen seitens der Kirchen, wie 1891 als Leo XIII. in seiner Sozialenzyklika „rerum novarum“ eine gerechte Eigentumsordnung, eine Streik- und Koalitionserlaubnis sowie einen Arbeiterschutz forderte. Die Arbeiter blieben dennoch ziemlich neutral gegenüber den Kirchen.

Arbeiterbildungsvereine

In den 1840er Jahren wurden die ersten Arbeiterbildungsvereine vom liberalen Bürgertum gegründet, die allgemeine Bildung für alle bieten sollten, um so Aus- und Weiterbildungen und damit den sozialen und ökonomischen Aufstieg zu ermöglichen.

Ab 1860 wurden Arbeiterbildungsvereine auch von der Arbeiterbewegung gegründet, durch die oft politische und gewerkschaftliche Organisationen aufgebaut wurden.

Raiffeisenbewegung

Friedrich Wilhelm Raiffeisen förderte als Bürgermeister die Genossenschaften, die die kleinen Bauern zusammenschloss. Er unterstützte sie auch mithilfe von Krediten mit niedrigen Zinsen und gründete u.a. dafür den „Flammersfelder Hülfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte“.

Weimarer Republik - Demokratie ohne Demokraten?

Der Versailler Vertrag

Am 11. November 1918 nahm die Oberste Heeresleistung Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten und Entente auf. Deutschland kapitulierte schließlich bedingungslos. Im Versailler Vertrag wurden im Wesentlichen vier Bereiche bestimmt.

Politische Bestimmungen

Deutschland und die anderen Mittelmächte haben die alleinige Kriegsschuld (Art. 231, „Kriegsschuldparagraph“). Damit sind alle Schäden und Verluste von ihnen zu tragen.

Territoriale Bestimmungen

Deutschland verlor alle Kolonien und musste folgende Territorien abtreten:

Insgesamt verlor Deutschland circa 13 Prozent seines Staatsgebiets und zehn Prozent seiner Bevölkerung.

Ökonomische Bestimmungen

Die Mittelmächte mussten Reperationen in unbestimmter Höhe an England und Frankreich zahlen. Die Handelsflotte wurde um 90 Prozent verkleinert. Es mussten auch Sachlieferungen (z.B. Kohle, Handelsschiffe, Lokomotiven, Maschinen etc.) geleistet werden.

Militärische Bestimmungen

Das gesamte Kriegsmaterial musste ausgeliefert werden, die allgemeine Wehrpflicht wurde verboten, das Heer wurde auf 100000 Mann beschränkt, die Kriegsflotte wurde verkleinert sowie die Luftwaffe und Artillerie wurde verboten. Außerdem wurde das Rheinland besetzt und bis zu 50 Kilometern östlich des Rheins eine entmilitarisierte Zone eingeführt.

Die Weimarer Reichsverfassung

Die Verfassung der Weimarer Republik wurde am 11. August 1919 mit der Unterzeichnung durch den Reichspräsidenten Friedrich Ebert rechtskräftig. Durch sie wurde Deutschland zu einer parlamentarischen Demokratie.

Der Reichspräsident

Der Reichspräsident wurde direkt vom Volk für eine Dauer von sieben Jahren gewählt. Er konnte unabhängig vom Volk agieren. In der Weimarer Republik war der erste Präsident Friedrich Ebert (SPD), der zweite Paul von Hindenburg, der keiner Partei angehörte.

Nach Art. 53 ernannte und entließ er den Reichskanzler. Art. 25 erlaubte die Auflösung und Neuwahl des Reichstages durch ihn und Art. 48 beschrieb das Notverordnungrecht, durch das er bei einer Gefährdung der „öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ Grundrechte aussetzen konnte.

Zusätzlich war er oberster Heeresführer. Seine starke Stellung begründet sich darin, dass er als Ersatz für den „verlorenen“ Kaiser – deshalb ist auch vom Ersatzkaiser die Rede – und als Gegengewicht zum Reichstag dienen sollte.

Der Reichstag

Er wurde durch eine Verhältniswahl auf vier Jahre von der wahlberechtigten Bevölkerung gewählt. Er stellte die Legislative dar und kontrollierte die Exekutive. Durch ein (destruktives) Misstrauensvotum konnte bei einer Mehrheit der Reichskanzler und seine Minister entlassen werden.

Reichsrat und Verhältnis zwischen Staat und Länder

Der Reichsrat wirkte an der Gesetzgebung als Repräsentation der 18 Länder mit, verlor aber gegenüber der Länderkammer im Kaiserreich an Bedeutung. Er beriet bei Gesetzbeschlüssen und konnte gegen Gesetze ein suspensives (aufschiebendes) Veto einlegen.

Art. 13 besagt „Reichsrecht bricht Landesrecht“, wodurch diese geringe politische Wirkung verdeutlicht wurde. Im Konfliktfall konnte die Regierung in den Ländern militärisch intervenieren (Reichsexekution).

Reichsgericht

Das oberste Gericht entschied bei Konflikten zwischen dem Reich und den Ländern. Es kontrollierte jedoch nicht die Verfassung oder die Einhaltung der Grundrechte, die auch nicht gerichtlich anfechtbar waren (justiziabel).

Bevölkerung

Die Bevökerung war ab 20 Jahren - egal ob Mann oder Frau - wahlberechtigt. Die Wahlen fanden geheim, direkt, allgemein und gleich statt. Die Bürger hatten Grundrechte; diese waren aber nicht einklagbar und konnten durch den Reichspräsidenten mithilfe der Notverordnung (Art. 48) ausgesetzt werden.

„Republik ohne Republikaner?“

Die Weimarer Demokratie hatte keine breite Masse, die sie stützte. Zwar vertrat die Große Koalition sie, die extremen Strömungen forderten offen ihre Abschaffung, alte Machteliten standen ebenfalls ihr negativ gegenüber und die Bevölkerung im Allgemeinen wandte sich spätestens 1929 zunehmend von der parlamentarischen Demokratie ab.

Es stellt sich deshalb die Frage, inwieweit die einzelnen Bevölkerungsgruppen den Zerfall der ersten deutschen Demokratie zuließen oder sogar förderten.

Das Militär

Formell akzeptierte das Militär zwar die Demokratie, es stand aber nicht unter der Kontrolle des Parlaments. Es verstand auch seine Rolle darin, vor Bedrohungen von links, aber nicht von rechts zu schützen. In der Schlussphase der Republik stand das Militär für die Präsidialdiktatur ein. Das Heer hatte kein Interesse für die Republik tätig zu werden mit der Begründung politische Diskussionen von sich fernzuhalten.

Großindustrie

In der Großindustrie waren autoritäre Staatsvorstellungen weit verbreitet, die 1928 während des Ruhreisenstreits offen wurden. Sie hatte eine harte Haltung gegen Metallarbeitergewerkschaften und sozialpolitische Errungenschaften. So wurden wegen Tarifauseinandersetzungen Leute entlassen und man sprach von der „Last des Sozialstaates“.

Großagrarier

Weil es bei der Revolution 1918/19 zu keiner Enteignung der Großagrarier kam, besaßen diese immer noch großen politischen Einfluss und unterstützten Hindenburg nach seiner Präsidentenwahl in seinem Kurs gegen das Parlament.

Beamte

Ihre berufliche und politische Sozialisation war vor allem im Kaiserreich erfolgt. Sie erfuhren aber keinen Postenverlust und Karrierebruch, was zu einem Loyalitätskonflikt führte. Die Beamten hatten auch wenig Akzeptanz für die neue staatliche Grundordnung, dem Volk zu dienen und vertraten meist noch das autoritäre Staatsbild.

Justiz

Im Rechtswesen merkte man eine Missachtung der Unparteilichkeit. Man spricht heute auch davon, dass die Justiz „auf dem Rechten Auge blind“ war, da rechte Straftäter mit relativer Milde rechnen konnten, während linke Täter unverhältnismäßig stark bestraft wurden.

Bildungs- und Besitzbürgertum

Eine Ablehnung gegenüber die Republik war hier weit verbreitet. Das Bürgertum war weiterhin an die Monarchie verhaftet. Die gesellschaftliche Entwicklung führte zu einer Verunsicherung und die Krisen zu einer Furcht vor dem Verlust des gesellschaftlichen Status .

Deshalb hatte das Bürgertum Ressentiments gegen die moderene Industriegesellschaft und gegen die neue Republik. Außerdem waren antimoderne, antiliberale, antisemitische Vorstellungen bis in die politische Mitte sehr oft anzutreffen.

Der Übergang zur Diktatur

Die Große Koalition

Die SPD, die DDP, das Zentrum, die DVP und die BVP bildeten 1928 unter Hermann Müller (SPD) die Große Koalition, die die politische Mitte der Weimarer Republik darstellte und diese auch verteidigte. Es gab jedoch divergierende Auffassungen zur Sozial- und Wirtschaftspolitik.

Dieser Konflikt wurde durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 verschärft. Am 27. März 1930 kam es schließlich zum Koalitionsbruch, weil es Uneinigkeiten über die Höhe des Beitrages von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Arbeitslosenversicherung – einem eigentlich nicht sehr kontroversen Thema – gab. Danach begann die Zeit der Präsidialkabinette.

Präsidialkabinette

Die Präsidialkabinette waren nur vom Vertrauen des Reichspräsidenten abhängig und bildeten trotz einer Minderheit eine Regierung. Um dennoch Gesetze beschließen zu können, benötigten sie die Unterstützung des Präsidenten.

Funktionsweise der Präsidialkabinette

Zunächst legt die Reichsregierung dem Reichstag einen Gesetzesentwurf vor. Wird dieser abgelehnt, erlässt der Reichspräsident den Entwurf als Notverordnung nach Art. 48 und informiert den Reichstag darüber.

Der Reichstag fordert die Aufhebung der Notverordnung. Der Reichspräsident hebt aber nach Art. 25 den Reichstag auf und erlässt den Gesetzesentwurf wieder als die Notverordnung, während der Reichstag aufgelöst ist.

Die einzelnen Präsidialkabinette

April 1930 - Mai 1932: Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrum)

Brüning verfolgte Sparziele mit dem Ziel die Reparationen zu reduzieren. Der Erfolg trat erst nach der Entlassung ein, was nur durch die Tolerierungspolitik der SPD möglich war, die die Grundstrukturen der Republik aufrechthalten wollte. Er verbot zudem die paramilitärischen Verbände SA und SS.

Juni 1932 - Dezember 1932: Reichskanzler Franz von Papen (parteilos)

Er hoffte auf eine Einbindung der NSDAP in die konservative Regierung und hob deshalb die Verbote der paramilitärischen Gruppen der NSDAP wieder auf. Von Papen setzte mithilfe einer Notverordnung die Regierung in Preußen ab, die von ihm übernommen wurde (sog. „Preußenschlag“).

Dezember 1932 - Januar 1933: Reichskanzler Kurt von Schleicher (parteilos)

Er versuchte die NSDAP für seine Zwecke zu instrumentalisieren („Den Hitler drängen wir in die Ecke, bis er quietscht“), was jedoch scheiterte. Von Schleicher hatte ein Interesse daran Hitler an der Regierung zu beteiligen, um so seinem eigenen Machtverlust vorzubeugen.

Übersicht der Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik

Außenpolitische Faktoren

Durch den Versailler Vertrag musste die junge Demokratie politische, wirtschaftliche und psychologische Belastungen aushalten, die dazu führten, dass extreme Parteien und Strömungen die Ungunst zu ihrem Vorteil nutzten.

Wirtschaftliche Faktoren

Einerseits der Versailler Vertrag, die Krise von 1923 und die Weltwirtschaftskrise von 1929 führten zu einer Verarmung und zur Unzufriedenheit der Bevölkerung.

Verfassungsrechtliche Faktoren

Die Verfassung der Weimarer Republik war geprägt von zahlreichen Kompromissen, um so einen großen Teil der Bevölkerung anzusprechen. Es gab zudem „Konstruktionsfehler“, wie die starke Stellung des Reichspräsidenten als „Ersatzkaiser“ und der Artikel 48.

Rolle führender Politiker

Die antiparlamentarischen Bestrebungen Hindenburgs (als Präsident) und seiner Umgebung, der sogenannten „Karamilla“.

Arbeiterbewegung

Die organisatorische Spaltung und Gegnerschaft der SPD und KPD. Dadurch wurde die demokratische Basis geschwächt.

Republiktragende Parteien

Es konnten keine stabilen parlamentarischen Mehrheiten gebildet werden und es kam häufig zu Koalitionskrisen, die 1930 letztlich in den Präsidialkabinetten mündeten.

Die radikale Feindschaft der antidemokratischen Parteien (NSDAP und KPD) und Gruppierungen, die sich auch Straßenschlachten mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen lieferten.

Zeit des Nationalsozialismus

„Volksgemeinschaftsideologie“ und Antisemitismus

„Volksgemeinschaft“

Im 25-Punkte-Programm der NSDAP von 1920 stand: „[...] Volksgenoose kann nur sein, wer deutschen Blutes ist [...] ein Jude kann kein Volksgenosse sein.“ Die Nationalsozialisten verstanden unter „völkisch“ die „Wir-Gruppe“, also die Volksgemeinscahft, im Gegensatz zur „Sie-Gruppe“, zu denen u.a. Juden sowie Sinti und Roma gezählt wurden.

Grundlage dieser radikalen Unterscheidung war die Auffassung von der Ungleichwertigkeit des Lebens. Dabei missbrauchten sie die Darwinsche Evolutionslehre („survival of the fittest“) und formten daraus den sogenannten „Sozialdarwinismus“.

Dabei standen die Arier („germanische Herrenmenschen“) dem „Untermenschen“ gegenüber. Das Volk war nach nationalsozialistischer Interpretation eine mythische Einheit einer nach der Rassenlehre gestalteten nationalen Gemeinschaft.

Diese sollte ein einheitlicher, ethnischer Verbund sein, der alle Unterschiede einebnet und keine Individualität nach dem Prinzip „Du bist nicht, dein Volk ist alles.“ mehr kennt. Die geschlossene Volksgemeinschaft war die Grundlage bzw. die Voraussetzung für die „Lebensraumpolitik im Osten“.

Rassismus

Der Begriff der „Rasse“ war ein Kernbegriff der NS-Ideologie; so gab es in der Schule die „Rassenkunde“ als Unterrichtsfach. Das rassistische Denken ist gekennzeichnet durch die pseudowissenschaftliche Auffassung gekennzeichnet, dass biologische Anlagen das gesamte menschliche und politisch-gesellschaftliche Verhalten bestimmen.

Unter den Nazis kam es zur sozialdarwinistischen Interpretation der Geschichte; diese sei ein ständiger Kampf der Individuen, Völker, Staaten und „Rassen“, wobei sich der Stärkere gegenüber dem Schwächeren behauptet.

Es kam auch zu einer falschen Verbindung von Wissenschaftsgläubigkeit, Erbbiologie und Medizin im Glauben der sogenannten „Rassenhygiene“, d.h., dass biologische Erkenntnisse über das Wissen des Menschen gesellschaftliche Prozesse beeinflussen können. Dadurch wurde das Prinzip der Unversehrtheit des Lebens aufgegeben.

Antisemitismus bzw. Rassenantisemitismus

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde begonnen, von einer „jüdischen Rasse“ zu sprechen, die gegenüber der geistig und materiell höher stehenden „germanischen Rasse“ angeblich minderwertig sei. Die Juden wurden als „Feinde der Menschheit“ bezeichnet.

Der Rassenantisemitismus war unter den Nationalsozialisten Dreh- und Angelpunkt staatlichen Handelns. Eine neue Dimension wurde mit dem „Antisemitismus der Tat“ erreicht, dessen Ziel die physische Vernichtung der Juden unter dem Deckmantel der Herstellung einer Volksgemeinschaft war.

Jüdisches Leben von 1933 bis 1935: Diskriminierung und Ausgrenzung

Die Nazis hatten als Ziel die Herstellung eines judenfreien, großdeutschen Reiches. Voraussetzung war die Indoktrination durch die Volksgemeinschaftsideologie. Die Folge daraus war die nationalsozialistische Moral, dass eine Missachtung der Menschenrechte zur Erlangung der eigenen Ziele vertretbar sei.

Stufen der Ausgrenzung aus dem alltäglichen Leben

Diskriminierung und Boykott

Nach der Machtübernahme 1933 kam es zu antisemitischen Ausschreitungen durch die SA. Der Terror verschärfte sich zunehmend gegenüber jüdischen Geschäftsleuten, Ärzten und Juristen. Am 1. April wurden die jüdischen Geschäfte boykottiert, um so die Juden weiter zu isolieren und um die Solidarität der Deutschen zu brechen.

Verdrängung

Mit dem am 7. April 1933 veröffentlichten „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ verschärfte sich der Antisemitismus zu einem staatlich organisierten. So führte der „Arierparagraph“ zum Ausschluss aus bestimmten Berufsgruppen. Außerdem wurden die Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten eingeschränkt.

Nürnberger Gesetze (1935)

Durch die Nürnberger Gesetze wurden die Juden systematisch ausgegrenzt und zu Staatsbürgern minderen Rechts abgestuft. Durch das „Reichsbürgergesetz“ verloren sie jeglichen Rechtsschutz und waren nur noch Staatsangehörige und keine Reichsbürger mehr.

Mit dem „Blutschutzgesetz“ wurden Mischehen zwischen Ariern und Juden sowie außereheliche Beziehungen zwischen diesen Bevölkerungsgruppen verboten. Wer dieses Verbot missachtete, galt als „Rassenschande“. Es kam zusätzlich zu einer pseudojuristischen Grundlage einer Entrechtungs- und Verfolgungskampagne.

Führerkult, Propaganda und inszenierte Lebenswelten

Unter Propaganda versteht man im Allgemeinen den absichtlichen und systematischen Versuch, Erkenntnisse und das Verhalten einer Bevölkerung(sgruppe) zu manipulieren.

Unter den Nationalsozialisten war die Bevölkerung der Redegewalt unterlegen. Die Propaganda beschränkte sich hierbei auf wenige Schlagworte, die auf die Gefühle der Massen abzielten. Es wurden zudem Differenzierungen vermieden, um so eine vielseitige Darstellung der Informationen zu verhindern.

Für diese propagandistischen Zwecke wurde die Person Hitlers auf eine mythische Ebene überhöht. Er wurde zudem als „Mann des Volkes“ dargestellt; man spricht allgemein vom „Führerkult“. Dies wurde auch durch die Inszenierung von Massenveranstaltungen, Reden und anderen Massenerlebnissen verdeutlicht.

Dafür war das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter der Leitung von Joseph Goebbels zuständig.

Völkermord an den Juden im 2. Weltkrieg

Unter den Nationalsozialisten wurden circa sechs Millionen Juden systematisch umgebracht. Dabei wurden auch andere Bevölkerungsgruppen, die nicht in das „arische Weltbild“ passten, wie z.B. Homosexuelle, Sinti und Roma, Behinderte, Zeugen Jehovas und Regimekritiker, verfolgt und auch ermordet.

Bei der „Lebensraumpolitik im Osten“ wurden viele Juden, die im Osten lebten, umgebracht, was eng mit der NS-Rassenideologie zusammenhängte. Dieser Genozid (Völkermord) ist in der menschlichen Geschichte – im negativen Sinne – einzigartig, da die Nazis ihre primäre Aufgabe darin sahen, ein ganzes Volk (das Jüdische) zu vernichten.

Die Verfolgung bzw. die Tötung hatte dabei verschiedene Stufen oder Stationen:

Während der „Wannseekonferenz“ (1942) wurde letztlich die „Endlösung der Juden“ besprochen.

Die „Wannseekonferenz“

Am 20. Januar 1942 trafen sich bedeutende Personen der NS-Führng, um die organisierte Vernichtung der Juden zu planen. Die öffentliche Bekanntmachung benutzte dabei eine euphemistische und technokratische Sprache, um so durch die Verwendung scheinbar harmloser Begriffe die Verbrechen zu verharmlosen:

Die Deutschen und der Holocaust – Ursachenforschung und Kontroversen

Nach Meinung einiger Geschichtswissenschaftler war die antisemitische Grundhaltung vieler Deutscher Triebkraft für den Holocaust. Hitler setzte „nur“ diese Muster frei, wodurch der Genozid verstanden und gefördert wurde. Nach Ulrich Herbert war aber auch schon allein die Gleichgültigkeit gegenüber den Juden ausreichend.

Der Satz „Davon haben wir nichts gewusst“ zeigt, dass die Menschen dies als Abwehr von den Vorwürfen der Mitwissenschaft und -schuld nutzen. Durch das Beschönigen der Tatsachen versuchen sie auch einen persönlichen Schutzbereich zu errichten.

Man muss aber auch deutlich machen, dass Leben durch die Unterstützung von „Nicht-Juden“ gerettet wurden. Diese Personen kamen aus allen Schichten und konnten durchaus auch NSDAP-Mitglieder sein. Sie gingen dabei das Risiko einer Gefängnisstrafe wegen „Judenbegünstigung“ ein. Motivation war u.a. die christliche Nächstenliebe, obwohl oftmals auch Sachwerte gefordert wurden.

Frühe Bundesrepublik - Erfolg durch Wohlstand?

Lehren aus der Weimarer Zeit

„Fehler“ der deutschen Geschichte Konsequenzen für das Grundgesetz
Verfolgung und Vernichtung von Millionen von Menschen durch die NS-Diktatur unbedingter Schutz von Menschenrechten; „Ewigkeitsklauseln“; Einrichtung des Bundesverfassungsgerichts
Ende der Weimarer Republik: Regierung ohne Parlamentsmehrheit, vorzeitige Parlamentsauflösung und häufige Regierungswechsel Einrichtung der 5%-Hürde; konstruktives Misstrauensvotum; Kontinuität in der Regierungsarbeit
Nebeneinander von präsidialen und parlamentarischen Elementen Parlament als Zentrum der politischen Entscheidungsgewalt
Reichskanzler: schwache Position; Abhängigkeit vom Reichspräsidenten Bundeskanzler: starke Position; Abhängigkeit vom Vertrauen des Bundestages
Reichspräsident: „Ersatzkaiser“ Bundespräsident: repräsentative Aufgaben

Die „5 Ds“

Am 2. August 1945 trafen sich die Alliierten in Potsdam zur Potsdamer Konferenz, um dort gemeinsam über die Zukunft Deutschlands zu diskutieren. Dabei wurden verschiedene Beschlüsse im Potdamer Abkommen gemacht, die man insgesamt als die „5 D“s zusammenfassen: Demokratisierung, Denazifizierung, Demontage, Demilitarisierung, Dezentralisierung.

Weiterhin wurden folgende Dinge beschlossen:

Das Wirtschaftswunder

Definition

Unter dem Begriff des Wirtschaftswunders versteht man die Bezeichnet für den raschen wirtschaftlichen Aufschwung in den 1950er bis Mitte 1960er Jahre. Dabei gab es folgende tragende Elemente:

Ursachen

Zum einen spielte die Währungsreform eine wichtige Rolle. Zum anderen wurde Deutschland durch den Marshallplan unterstützt. Durch den Koreakrieg kam es 1950-1953 zum sogenannten „Koreaboom“, bei dem die Nachfrage nach deutschem Stahl stark anstieg. Zudem liberalisierte sich der Weltmarkt, wodurch mehr expotiert werden konnte.

Gesellschaftlicher Wandel in der frühen BRD

Wandel der Mentalitäten

Die Menschen zogen sich in der Nachkriegszeit bis in die 1950er Jahre vermehrt ins Private zurück und richteten ihr Leben auf ihre Arbeit aus. Dabei konzentrierten sie sich besonders auf die Überwindung der Not, was oft mit einer Desinteresse an der Politik verbunden war (nicht zu verwechseln mit einer Demokratiefeindschaft).

Am Ende der 1950er Jahre wurde die Gesellschaft mit der Amerikanisierung liberaler. Dabei übernahmen die Deutschen diverse Konsumgüter der Besatzungssoldaten. Zeitgleich verschwanden obrigkeitsstaatliche Denk- und Verhaltensmuster.

Schließlich gab es einen Bedeutungsverlust der Normen und Werte wie Disziplin und Gehorsam; stattdessen standen die Selbstentfaltungsideale wie Emanzipation, Mitbestimmung und Individualismus im Vordergrund.

Frauen

Frauen mussten nach dem Krieg Schwerstarbeit bei der Schuttbeseitigung („Trümmerfrauen“), in Fabriken und auf Baustellen leisten. Die Familien wurden zusätzlich durch Notgemeinschaften belastet. Die Frauen mussten zudem die Existenzsicherung übernehmen, da viele Männer durch Betriebszerstörungen oder durch Flucht und Vertreibung arbeitslos waren.

Jedoch gab es bis in die frühen 1960er Jahre das Ideal der nicht berufstätigen, sich um Ehemann und Kinder sorgende Ehefrau und Mutter. Durch Ehe- und Familienrechtsreformen in den Jahren 1957 und 1959 gab es (de iure) kein Patriarchat mehr in der Familie. Aber erst mit einer weiteren Reform 1976 war die Hausfrauenehe nicht mehr das Leitbild.

Flüchtlinge und Vertriebene

Durch die Bildung des kommunistischen Systems in ehemaligen deutschen Gebieten nahm die Bereitschaft zur Rückkehr ab. Die rechte Partei „Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ (1952) sprachen sich für eine Rückkehr in die Herkunftsländer aus und war in den 1950er Jahren in Landtagen und zeitweise im Bundestag vertreten.

Circa 80% der Flüchtlinge siedelten sich in Gemeinden und Kleinstädte an, wodurch diese strukturschwachen Gebiete zusätzlich belastet wurden. Von den Deutschen wurden sie meist abgelehnt; es kam zu Spannungen wegen der unterschiedlichen Herkunft, Konfession und Bildung.

In den 50er-Jahren zogen sie meist in die Regionen mit einem großen Arbeitskräftebedarf (z.B. Nordrhein-Westfalen). Durch das Wirtschaftswunder wurde die Integration beschleunigt, was auch durch staatliche Bauprogramme u.ä. unterstützt wurde. Dies führte zu einer Abnahme der Konflikte.

Der Wille nach Aufbau und Aufstieg der Vertriebenen trug zur Integration und zur Modernisierung der Wirtschaft und Gesellschaft bei. In den 1950er Jahren verbesserte sich zudem die wirtschaftliche Situation.

Abschwächung der Klassengesellschaft

Durch das Wirtschaftswunder und durch die Sozialpolitik nahm der Wohlstand zu und die Klassengegensätze ab. Es kam während der „Entproletarisierung“ der 50er-Jahre zu keiner Gleichstellung, aber zu einem Aufstieg der Arbeiter durch Lohnerhöhungen. Zudem gab es Aufstiegsmöglichkeiten durch Bildung, Beruf und Leistung.

Die Arbeiter fühlten sich der Mittelschicht zugehörig wegen der verbesserten Lebensstandards und der sozialen Absicherung. Der Soziolog Helmut Schelsky spricht von einer „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ aufgrund der abnehmenden sozialen Unterschiede und der vorherrschenden mittelstänischen Muster.

Dabei muss man beachten, dass eine Sozialstruktur nicht auf Selbsteinschätzung beruhen dürfe, sondern dass objekte Daten berücksichtigt werden müssen. Der Soziologe Ralf Dahrendorf sah Deutschland als eine „Schichtungsgesellschaft“ mit sozialen Unterschieden.



Quellen

  1. Forum Geschichte 11 Bayern, Cornelsen Verlag, Berlin, 2009 1. Auflage, ISBN 978-3-464-64838-4
  2. S. 53, ebd.

Überschriften

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