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Geschichte: 11. Klasse | Leben in der Ständegesellschaft

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Leben in der Ständegesellschaft

Merkmale der Ständegesellschaft

In der Ständgesellschaft wurde der Stand einer Person vom Recht und von der Geburt bestimmt. Dadurch wurde die Sozialstruktur sowie Rechte und Pflichten des Einzelnen in der Gesellschaft festgelegt. Man konnte zudem an Äußerlichkeiten (Kleidung, Frisur) die Zugehörigkeit erkennen.

Man sah die Ständegesellschaft als etwas Gottgewolltes an, wobei es in den einzelnen Ständen Hierarchien und Rangunterschiede gab. Es war möglich, den Stand durch Heirat oder durch Beitritt in ein Kloster zu wechseln, was jedoch selten vorkam.

Der Adel hatte die zentrale Herrschaftsfunktion inne, wobei auch der Klerus Privilegien wie Steuerbefreiung, alleiniges Jagdrecht sowie Aufenthaltsrecht am Hofe hatte.

Man zählt die Tagelöhner, Bettler, Landarbeiter und Vaganten häufig zu den unteren oder außerständischen Gruppen. Juden standen auch außerhalb. So kam es während der Kreuzzüge zu Progromen in den Städten. Sie konnten sich aber Schutzbriefe der Landesfürsten kaufen, um so Aufenthaltsrechte zu erlangen; die Fürsten profitierten schließlich von den reichen Kaufleuten und Finanziers.

Im 17./18. Jahrhundert nahm die horizontale Mobilität vor allem durch die zahlreich werdenden Staatsdiener zu. Diese konnten dazu Adelspatente erwerben.

Soziale Fürsorge auf dem Land und in der Stadt

Wandel der Einstellung bezüglich der Armut und Bettelei

Wärend dem Wandel vom Mittelalter zur Neuzeit änderte sich die Einstellung gegenüber der Armut und Bettelei. Früher herrschte die Auffassung, dass die Reicheren Almosen nutzen konnten, um Sünden zu büßen; später sah man jedoch die Armut sowie das Betteln als verwerflich an.

Dadurch wurden Bettler und Landfahrer ausgegrenzt. Zudem wurde die Armenfürsorge reglementiert, indem Bettelzeichen vergeben und Almosenlisten eingeführt wurden, um so den Missbrauch von Almosenempfang zu unterbinden.

Gründe für den Einstellungswandel

Bereits im 16. Jahrhundert stieg die Bevölkerung stark an; im 18. Jahrhundert nahm die Armut sehr stark aufgrund von Missernten und der weiterhin steigenden Bevölkerungszahl zu, wodurch die Städte das Armenwesen verbessern mussten. Außerdem wurde die Geldwirtschaft und der Handel bedeutsamer, wodurch gewisse Verhaltensmuster nicht mehr so stark von Kirche und Religion beeinflusst wurden.

Durch die Reformation durch Martin Luther wurde der Glaube in den protestantischen Gebieten aufgehoben, dass durch die Almosengabe das Seelenheil erreicht werden könne. Dort wurde das Betteln kriminialisiert und Klöster geschlossen. Außerdem gab es eine Aufwertung der Arbeit. Dieser Einstellungswandel vollzog sich später auch in den katholisch geprägten Gebieten.

Merkmale der Armenfürsorge

Während der Großteil der Unterstützung durch die Familie, Verwandte, Freunde und Nachbarn stattfand, wurde auch von kirchlicher Seite sowie von Kaufmannsgilden, Zünften und Bruderschaften geholfen. Jedoch wurde die meist religiös begründete Hilfe durch öffentliche Almosenvergabe abgelöst. Die wichtigsten Aspekte dieses Prozesses waren:

Dörfliche Fürsorge

Öffentliche Einrichtungen versuchten die Unterstützungsfonds zu entlasten, indem sie den Zustrom von Bettlern und Vaganten begrenzten. Deshalb wurde im 17. und 18. Jahrhundert das Heimatrecht eingeführt, nach dem Armen nur in ihrem Heimatort geholfen wurde. Dabei entschied die Gemeinde häufig mit dem örtlichen Pfarrer, wer und in welcher Höhe Hilfe bekam.

Im Süden Deutschlands, z.B. im Augsburger Umland, gab es Landzünfte, die für ihre Mitglieder zu sorgen hatten. Außerdem unterstützten die meist von der Kirche verwalteten Stiftungen Arme. Würzburg war einer der stiftungsreichsten Gebiete.

Städtische Fürsorge

In den Städten waren Hospitäler eine wichtige Stütze der Armenfürsorge. In ihnen wurden gesunde, aber vor allem kranke und alte Arme geholfen. Seit dem 14. Jahrhundert wandelte ihre Arbeit dahingehend, dass darin überwiegend das reiche Bürgertum versorgt wurde. Dennoch leisteten unterschiedliche Spitäler, wie die Universal-Spitäler (meist Heilig-Geist-Spital genannt) oder Pest-Spitäler, eine wichtige Arbeit.

Aus Spitälern sowie Stiftungen gingen Waisenhäuser hervor, die sich um Waisen- und Findelkinder kümmerten. Manche wurden mit Zucht- und Arbeitshäusern kombiniert und waren zum Teil auf den rücksichtslosen Einsatz von Kinderarbeit ausgerichtet, wodurch eine problematische Entwicklung verursacht wurde. Es gab jedoch auch Waisenhäuser, die sich der christlichen Nächstenliebe verpflichtet fühlten.

Es wurde auch im Haus- und Wohnungsbau geholfen, z.B. wie die Fuggerei in Augsburg. In den Städten übernahmen Zünfte ebenfalls Hilfeleistungen für ihre Mitglieder, insbesondere für Witwen und Waisen. Dies wurde mithilfe von Beiträgen der Zunftangehörigen in Unterstützungskassen finanziert.

Kontrolle des Alltags

Ursachen

Durch den Aufstieg reicher Bürgerfamilien in den Adelsstand gab es häufig Konflikte. So kam es durchaus vor, dass Adelige einen reicher Geschäftsmann als Lehnsherren anerkennen mussten. Außerdem führte die Reformation durch Martin Luther zu einem weiteren Bruch in die durch das Mittelalter gefestigte Ordnung.

Die im Dreißigjährigen Krieg gipfelnde Auseinandersetzung veranlassten schließlich die weltlichen Obrigkeiten „Policeyordnungen“, die das Alltagsleben reglementieren sollten.

„Gute Policey“

Der Begriff „Policey“ war sehr umfassend und tauchte seit dem 15. Jahrhundert auf; häufig im Kontext mit „guter Ordnung“, „gutem Regiment“ oder Fürsorge der Obrigkeit. Er meinte damals soviel wie „gute Ordnung“ und beinhaltete alle Bestrebungen nach Reglementierung, Wohlfahrt und Sicherheit.

Funktion der Ordnungen

Die Policeyordnungen sollten die Gesellschaft wieder stabilisieren, indem sie das private Leben, Rechte und Pflichten sowie wirtschaftliche Bestimmungen regelten. Davon betroffen waren „Ehe und Familie, Eigentum und Boden, Handel, Gewerbe und Kreditwesen, Prozessführung, Berufswelt und Arbeitswesen, Kirchgang und Frömmigkeit.“[1]

Die Ordnungen wurden von allen weltlichen Obrigkeiten erlassen, um so ihren Herrschaftsbereich zu erweitern als auch die Macht des Adels und der Kirche einzugrenzen. Das Modell war die einheitliche, dem Gesetz unterworfene Untertanengesellschaft, die die absolutistischen Staaten prägte. Dieses Verhältnis zwischen Staat und den Menschen wird als Sozialdisziplinierung bezeichnet, d.h. die Verinnerlichung von Zwängen.

Dabei erließen die Behörden nicht nur von sich aus Ordnungen, sondern taten dies auch auf Wunsch einzelner Personen oder Gemeinden, die Bitten oder Beschwerden einreichten. Dadurch war gleichzeitig eine Kontrolle der Wirkung möglich und es konnte besser auf Missstände eingegangen werden.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit der Policeyordnungen sollte durch Veröffentlichung der Vorschriften, Anzeigepflicht von Amtsträgern, Kontrollmaßnahmen wie die Vergabe von Pässen und Zeugnissen und durch den Einsatz von Dragonern (Fußsoldaten zu Pferd) sichergestellt werden. Dadurch wussten die Menschen, wie sie sich zu verhalten haben und dass sie bei Verstößen mit Strafen zu rechnen haben.

Jedoch ist zu erkennen, dass sich die Landbevölkerung nicht unbedingt daran gehalten haben. So wurden z.B. Reglementierungen für die Landwirtschaft nicht beachtet oder Widerstand geleistet. Die Bevölkerung zeigte sich selten gegenseitig an, sondern nutzte das Gericht als Mittel gegen Beamte oder zu hohe Abgaben.

Kirchen der Landesherrn

Durch die Reformation standen sich die einzelnen Konfessionen des Christentums feindlich gegenüber. In den einzelnen Gebieten wurden Normen und Werte festgelegt, die stark von der Glaubensrichtung abhängig waren; so wurde auch die politische Denkweise der Landesherrn beeinflusst.

Letztlich führte die Konfessionalisierung, d.h. die Abgrenzung konfessionell unterschiedlicher Territorien, wodurch sonst „gleiche“ Menschen zu Feinden wurde aufgrund der Tatsache, dass sie unterschiedlicher Konfession waren. Diese Entwicklung hielt bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts an.

Vorindustrielle Arbeitswelten

Subsistenzwirtschaft

In der Frühen Neuzeit herrschte vor allem die Subsistenzwirtschaft vor. Das bedeutet, dass die Häuser eines Dorfes und die in ihnen lebenden Menschen mit dem Notwendigen des alltäglichen Bedarfs durch Eigenproduktion versorgt werden sollten.

Zünfte

Das städtische Handwerk war meist in Zünften organisiert. Häufig schloss sich eine Berufsgruppe zu einer Zunft zusammen, manchmal aber auch mehrere. Dies geschah vor allem dort, wo sie eine wichtige politische Rolle hatten. In diesem Fall waren sie zunächst eine politische Gliederung der Bürgerschaft.

Durch Zünfte wurde das Leben der Mitglieder stark geregelt. So wurden Produktionsformen, Preise, Ausbildungswege und das religiöse Leben kontrolliert. Man musste sich an die festgelegten Normen und Werte halten. Zudem musste man seine ehrliche Herkunft nachweisen.

Die Zünfte hatten das Ziel, dass alle Mitglieder „überleben“ konnten. So versuchten sie Angebot und Nachfrage mit der Begrenzung der Lehrstellen und Gesellen im Gleichgewicht zu halten. Dazu wurde die Konkurrenz mit Klagen und Beschwerden bekämpft.

Manufaktur

Eine Manufaktur war ein Großbetrieb, in dem arbeitsteilig und massenhaft vor allem Luxusgüter produziert wurde. Dabei waren Menschen oder Tiere die „Antriebskraft“. Durch Absprachen sowie durch hohe Strafen wurde ein Wechseln des Arbeitsplatzes unterbunden.

Diese Großbetriebe sind charakteristisch für den Merkantilismus, in dem die Regierungen die Unternehmen förderten. Dadurch sollte der Export gesteigert und der Import mithilfe überproportional hoher Zölle gesenkt werden.

Verlagssystem

Im Verlagssystem produzierten Kleinproduzenten für einen Verleger Metallwaren, vor allem aber Textilwaren. Dieser orientierte sich am überregionalen (oder internationalen) Markt, wodurch die Herstellung losgelöst von der Eigenversorgung war.

In manchen Systemen sorgten die Produzenten selbst für nötige Rohstoffe und Werkzeuge, während in anderen diese Dinge vom Verleger bereitgestellt wurde. Das Verlagssystem sorgte für eine dezentrale Produktion und hatte große Bedeutung für die Enstehung des Kapitalismus.

Unehrliche Berufe und Unehrlichkeit

Zu den unehrlichen Berufen gehörten unter anderem Abdecker, Henker, Straßenkehrer, Totengräber oder Kloakenreiniger. Die Einstufung war regional abhängig. Daneben konnte man unehrlich werden, indem man zu einer Schandstrafe (z.B. Pranger) verurteilt wurde oder ein unmoralisches Leben führte. Eine uneheliche Geburt führte auch zu diesem Status.

Bedrohungen in der Ständegesellschaft

Krankheiten und Seuchen

Die Pest im Mittelalter prägte stark das Denken und Handeln in der Frühen Neuzeit. Reaktionen auf dieses einschneidende Ereignis in Europa waren einerseits eine tiefe Frömmigkeit, andererseits eine große Lebenslust mancher Menschen.

Man sah die Pest als eine Strafe Gottes an, weshalb auch Geißler umherzogen und für sich und andere Buße taten, indem sie sich selbst Schmerzen zufügten. Es wurde von einigen Personen auch das Gerücht verbreitet, dass die Juden die Brunnen vergiftet haben sollen. Durch diese Lügen kam es zu Pogromen, was eine weitere Distanziertheit zwischen Juden und Christen zur Folge hatte.

Die Pest kehrte bis ins 18. Jahrhundert regelmäßig zurück, war jedoch auf einzelne Länder oder Regionen beschränkt. Allgemein waren die Menschen hilflos gegen Krankheiten wie Ruhr, Pocken, Masern, Diphterie, Keuchhusten oder Scharlach.

Auch das Kindbettfieber war gefürchtet, da hier bleibende Schäden bei der Mutter und beim Kind auftraten, wenn sie überlebten, wodurch es weiteres Leid gab. Aufgrund dieser Hilflosigkeit lag die Lebenserwartung am Ende des 18. Jahrhunderts immer noch nur bei 40 Jahren.

Die Mediziner unternahmen relativ häufig Therapien, die den Patienten mehr Schmerzen zufügten als Linderung brachten. Dennoch wurde durch den Einfluss der Aufklärung die Hygiene und Krankenpflege verbessert sowie Seuchen erforscht, deren Ursache oft unbekannt war.

Ende des 18. Jahrhunderts kam es zum ersten Mal zu einer Impfung, die auf der Immunisierung basierte, gegen Blattern oder Pocken. Das Serum wurde dabei von Kühen gewonnen. Dies war der Beginn dieser Art von Impfung.

Kriege

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) verursachte in Europa große Schäden; so wurden zahlreiche Städte und Dörfer sowie Ernten vernichtet und viele Menschen getötet.

Auch der Siebenjährige Krieg (1756-1763), der in weiten Teilen "Deutschlands" herrschte, führte zu Großen Verlusten auf Seiten der Heere von Preußen, Österreich, Hannover und Frankreich. In Schlesien, Sachsen, Pommern und Ostpreußen gab es zudem viele zivle Opfer zu beklagen.

Hunger

In der Frühen Neuzeit waren immer noch 40-50 Prozent der Bevölkerung so arm, dass sie ständig Hunger litten. Dies wurde durch Naturkatastrophen bzw. Unregelmäßigkeiten des Klimas verschärft. So führten Frost, Hagel oder Sturmfluten im Norden zu großen Schäden der Ernte oder sie zerstörten diese.

Durch mehrere Krisenjahre gab es starke Preissteigerungen, wodurch sich noch weniger Menschen Nahrung leisten konnten. Dies steht im Gegensatz zur damaligen Epoche, der Aufklärung, die als Zeit der Blüte für die Literatur- und Geisteswissenschaften galt.

Grundlinien der Bevölkerungsentwicklung

Statistiken in der Neuzeit

Mit der Entwicklung zum frühmodernen Staat wurden Statistiken für den Staat immer wichtiger, da eine Erfassung der Bevölkerung zunehmend an Bedeutung erlangte. Dies lag vor allem an den Bereichen der Sozialversicherungen, Wehrpflicht, Schulwesen und der allgemeinen Steuererhebung.

Grundzüge der Entwicklung

Die Angaben über die Bevölkerungsentwicklung weichen voneinander ab, da sich die geographischen Bezugsgrößen veränderten, da bis zu seiner Auflösung im Jahre 1806 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation Territorien verlor und auch dazugewann.

Die Bevölkerungszahl stieg langsam immer weiter, jedoch unterbrachen Seuchen und Kriege, vor allem der Dreißigjährige Krieg, der einen Rückgang der Bevölkerung verursachte, diese Entwicklung. Während der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung rasant, weil die Lebenserwartung stieg. Dies lag daran, dass die Mortalität (Sterblichkeitsrate) sank und die Nativität zunächst gleich blieb.

Kinder wurden in erster Linie als Versorgung für das Alter und als Möglichkeit für ein Erbe gesehen. Eine Familie „musste“ viele Kinder bekommen, da selbst im 18. Jahrhundert die Säuglings- und Kindersterblichkeit über 30 Prozent erreicht wurden. Der Alltag war durch den Tod geprägt: Man verlor viele Kinder und die Hälfte verloren ihren Partner nach nicht einmal zehn Jahren Ehe.

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