header.png
Schulstoff.org
Navigation ein-/ausblenden
Navigation ein-/ausblenden
Schulstoff.org

Lexikon: Kopfschmerzen

Inhaltsverzeichnis [Anzeigen] [Verbergen]

Arten

Es gibt über 250 Arten von Kopfschmerzen. Als primäre Kopfschmerzen werden solche bezeichnet, bei denen die Schmerzen die Erkrankung darstellen. Über 90  aller auftretenden Kopfschmerzen sind dabei der Gruppe der Migräne, der Spannungskopfschmerzen oder der Clusterkopfschmerzen zuzuordnen[1], die zu den primären Kopfschmerzen zählen. Es wird daher im Folgenden insbesondere auf diese Formen eingegangen. Daneben gibt es sekundäre Kopfschmerzen, die als Folge oder als ein Symptom einer Erkrankung auftreten.

Migräne

Die Migräne zeichnet sich durch einen starken, pulsierendpochenden und meist halbseitigen Kopfschmerz aus. Sie dauert in der Regel 4 bis 72 Stunden, im Mittel 24 Stunden, und hat dabei einen rezidivierenden Verlauf.

Häufig wird die Migräne von Übelkeit und Erbrechen sowie von einer Empfindlichkeit gegenüber äußeren Einflüssen (z. B. Licht, Geräuschen, Gerüchen) begleitet. Der Schmerz wird durch Bewegungen häufig verschlimmert. In circa einem Drittel der Fälle geht der eigentlichen Migräne eine Aura voraus, bei der es oft zu Seh- und Sprechstörungen des Betroffenen kommt[2].

Eine Migräne und eine damit verbundene Therapie darf nur von einem Arzt festgestellt und entsprechend behandelt werden.

Spannungskopfschmerz

Etwa 35  der deutschen Bevölkerung leidet an einem episodischen Spannungskopfschmerz (d. h. sie haben an weniger als 180 Tagen pro Jahr einen Kopfschmerz) und zwischen 2 und 3  an einem chronischen Spannungskopfschmerz (mehr als 180 Tage pro Jahr)[3].

Der Spannungskopfschmerz ist meist schwächer als die Migräne und wird durch (einfache) Bewegungen i.d.R. nicht negativ beeinflusst. Der dumpf-drückende Schmerz tritt hier im Allgemeinen beidseitig auf und kann einen wellenartigen Verlauf annehmen. Unbehandelt kann er von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen dauern. In den meisten Fällen gibt es keine Begleiterscheinungen oder Triggerfaktoren, aber eine Empfindlichkeit gegenüber Lärm- oder Lichteinflüssen.

Clusterkopfschmerz

Beim Clusterkopfschmerz kommen stärkste Kopfschmerzen gehäuft in einem Zeitraum von etwa zwei Wochen bis drei Monaten vor (sog. cluster), an die sich meist ein langer, beschwerdefreier Zeitraum anschließt[4]. Der weit überwiegende Teil der Betroffenen sind Männer.

Der Schmerz tritt meist nachts auf. Häufig sitzt er einseitig „hinter dem Auge“ und wird von Tränenfluss dieses Auges (ipsilaterale Lakrimation), Schwitzen oder anderen Reaktionen (z. B. Gesichtsrötung, Pupillenverengung, herabhängendes Augenlid) begleitet.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Durch die Behandlung mit Analgetika wie Triptanen oder Cox-Inhibitoren (siehe unten) können Kopfschmerzen provoziert werden. Dieser wird als medikamenteninduzierter Kopfschmerz (MiK) bezeichnet. Sie betreffen 1–2  der Kopfschmerzpatienten und treten bei einem Analgetika-Übergebrauch von mehr als zehn Tagen pro Monat auf[5].



Ursache

Migräne

Über die Ursache der Migräne gibt es verschiedene Theorien. Eine Theorie geht davon aus, dass eine zunächst reduzierte und danach erhöhte Durchblutung im Mittelhirn und Hirnstamm (der sog. „Migränegenerator“) über eine Reaktion des zentralen Nervensystems zu einer aseptischen neurogenen Entzündung führt[6]. Nach einer anderen Theorie wird die Migräne durch die Aktivität bestimmter Calciumkanäle, die durch Umwelteinflüsse getriggert werden (z. B. Hormonveränderungen, Rauchen, Stress), ausgelöst.

Spannungskopfschmerz

Beim Spannungskopfschmerz ist die Ursache bislang nicht bekannt, es wird aber eine „Funktionsstörung der zentralen Schmerzschwelle mit sekundärer Muskelverspannung und depressiver Verstimmung“ vermutet[7].



Behandlung

Nicht-medikamentöse Behandlung

Insbesondere bei leichten Kopfschmerzen bietet es sich an, eine Behandlung ohne Medikamente zu versuchen. Hilfreich ist ein ruhiger und abgeschirmter Ort, an dem sich entspannt werden kann. Bei einer Lichtempfindlichkeit sollte eine Abdunkelung vorgenommen werden. Ebenso können entspannende Bewegungen an der frischen Luft helfen. Weiterhin wird teilweise eine Kältebehandlung der Stirn z. B. mit Kühlpacks oder Waschlappen für angenehm empfunden. Schließlich ist es möglich, Minzöl auf den Schläfen anzuwenden.

Cox-Inhibitoren (Cox-I): Bei Spannungskopfschmerzen und Migräne

Spannungskopfschmerzen und Migräne lassen sich mit sog. Cox-Inhibitoren behandeln. Zur Anwendung können damit primär kommen: Acetylsalicylsäure (ASS, 1000  mg, orale Einnahme), Ibuprofen (400–800 mg, oral oder rektal), Diclofenac (50–100 mg, oral oder rektal) oder Naproxen (500–1000 mg, oral oder rektal).

Gegenüber diesen Einzelsubstanzen wirkt eine Kombination von ASS, Paracetamol und Coffein (z. B. in Thomapyrin® oder Neuralgin®) häufig besser.

Als zweite Wahl kommen ferner Paracetamol (500–1000 mg, oral oder rektal) oder Metamizol (z. B. in Novalgin®) in Betracht[8].

Die Cox-Inhibitoren wirken bei ihrer Anwendung unabhängig der Schmerzstärke.

Vor allem bei einer längeren Einnahme können Cox-Inhibitoren zu Entzündungen und Geschwüren des Magens und des Darms führen. Insbesondere Personen, die an Morbus Crohn oder an einer Colitis ulcerosa leiden, sollten daher auf die Einnahme von Cox-Inhibitoren verzichten. Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion und bei Diabetes mellitus sind auch Nebenwirkungen möglich[9]. Cox-Inhibitoren können bei Asthmatikern die Beschwerden verstärken[10].

Cox-Inhibitoren dürfen nicht genommen werden, wenn man an einer schweren Herzerkrankung leidet; eine Ausnahme bilden dabei Paracetamol und Metamizol. Darüber hinaus bestehen Kontraindikationen bei Gerinnungsstörungen und größeren Verletzungen, Nieren- oder Leberproblemen und bei einer Schwangerschaft ab dem dritten Trimenon[11].

Triptane: Nur bei Migräne

Bei Patienten mit einer Migräne können Triptane zum Einsatz kommen. Sie wirken jederzeit während einer Attacke, die größte Wirkung wird aber bei einer frühen Einnahme erzielt[12].

Die einzelnen Triptane weisen untereinander Unterschiede auf, insbesondere hinsichtlich der Dauer und Schnelligkeit ihrer Wirkung. Dauern die Migräneattacken in der Regel kurz, ist ein Mittel vorteilhaft, das schnell wirkt, bei einer langen Attacke ist dagegen auf eine lange Wirkdauer zu achten[13]. Daneben gibt es die Triptane in verschiedenen Formen, z. B. als Schmelztabletten, Nasensprays, Suppositorien. So kann das Medikament auch genommen werden, wenn eine orale Einnahme aufgrund von Übelkeit oder Erbrechen nicht möglich ist.

Geht der Migräne eine Aura voraus, sollte während dieser noch kein Triptan eingenommen werden. Tritt nach der Einnahme des Triptans die Migräne wieder auf (sog. recurrence), kann nach frühestens zwei Stunden eine erneute Dosis genommen werden[14]. Dabei ist darauf zu achten, dass man pro Anfall bzw. Tag nicht mehr als 3 Tabletten und pro Monat nicht an mehr als an 10 Tagen Tabletten einnimmt. Um den recurrence abzumildern, kann ein Triptan zusammen mit einem langwirkenden Cox-Inhibitor kombiniert werden.

Die Triptane können als Nebenwirkungen Müdigkeit und Schwindel, Blutdruckanstieg und ein Engegefühl in der Brust hervorrufen. Dazu kann bei einem Übergebrauch ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz auftreten.

Sie sollten nicht eingenommen werden, wenn man an einer kardiovaskulären Erkrankung oder an einer schweren Leber- und Niereninsuffizienz leidet. Eine erhöhte Aufmerksamkeit sollte man bei einer gleichzeitigen Einnahme mit Antidepressiva aus der Gruppe der MAO-Hemmstoffe haben[15]. Triptane dürfen nicht zusammen mit einem anderen Triptan oder einem Ergotamin genommen werden, da sonst lebensgefährliche Nebenwirkungen auftreten können.

Mutterkornalkaloide (Ergoline)

Ergotamintartrat (Ergo Sanol) und Dihydroergotamin (DHE; Dihydergot) werden heute aufgrund der starken Nebenwirkungen nur noch als Reservemittel eingesetzt. Einen Anwendungsbereich bilden Patienten, die unter langen Migräneattacken oder einer wiederholt auftretenden recurrence leiden.

Mutterkornalkaloide können einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz bedingen, wenn mehr als drei Tabletten an drei aufeinanderfolgenden Tagen bzw. an zehn Tagen im Monat eingenommen werden[16]. Sie dürfen nicht zusammen mit Triptanen eingenommen werden. Ebenso besteht bei einer Schwangerschaft eine Kontraindikation.

Übelkeit

Geht der Kopfschmerz mit Übelkeit und Erbrechen einher, wird die Einnahme von Antiemetika empfohlen, insbesondere Metoclopramid. Als Alternative bietet sich Domperidon an.



Vorbeugung

Migräne

Die Vorbeugung der Migräne dient dazu, die Dauer, Intensität und Häufigkeit der Attacken um mindestens 50 % zu senken. Die Prophylaxe wird empfohlen, wenn der Betroffene mehr als drei Anfälle im Monat hat oder die Dauer i.d.R. über 72 Stunden dauert[17].

Zunächst oder begleitend kann eine nichtmedikamentöse Behandlung probiert werden. Hierbei bieten sich eine Verhaltenstherapie oder die Ausübung eines Ausdauersports an.

Als Mittel der ersten Wahl einer medikamentösen Prophylaxe können β-Blocker wie Metroprolol (50–200 mg) und Propranolol (40–240 mg) verwendet werden. Daneben stehen Topiramat, Valproinsäure oder Flunarizin zur Verfügung. Als Mittel der zweiten Wahl können Antidepressiva (z. B. Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin) und bei einer chronischen Migräne eine Injektion von Botulinumtoxin in die betroffenen Kopfregionen zur Anwendung kommen[18].

Spannungskopfschmerz

Bei Spannungskopfschmerzen können manche Antidepressiva (z. B. Amitriptylin und Mirtazapin) die Schmerzen vorbeugen. Empfehlenswert können zudem ein regelmäßiges Ausdauertraining und Entspannungsübungen sein.

Clusterkopfschmerz

Beim Clusterkopfschmerz helfen im akuten Fall das Einatmen von 100  Sauerstoff sowie die Gabe von Sumatriptan mittels einer Spritze. Zur Prophylaxe können Verapamil (240–480 mg), Topiramat, Valproinsäure oder Lithium eingesetzt werden.



Literatur und Quellen

Literatur

  1. Herdegen, Thomas: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Thieme Verlag, 3. Auflage 2014, ISBN 978-3-13-142293-4
    (zitiert als: Herdegen, S. ...).
  2. Karow, Thomas: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie – vorlesungsorientierte Darstellung und klinischer Leitfaden für Studium und Praxis 2019, 27. Auflage 2018
    (zitiert als: Karow, S. ...).
  3. Lüllmann, Heinz/Mohr, Klaus/Hein, Lutz: Taschenatlas Pharmakologie, Thieme Verlag, 7. Auflage 2015, ISBN 978-3-13-168557-5
    (zitiert als: Lüllmann/Mohr/Hein, S. ...).

Quellen

  1. Herdegen, S. 384.
  2. Lüllmann/Mohr/Hein, S. 340.
  3. Karow, S. 631.
  4. Herdegen, S. 384.
  5. Herdegen, S. 386.
  6. Herdegen, S. 384; Lüllmann/Mohr/Hein, S. 340.
  7. Herdegen, S. 384.
  8. Herdegen, S. 384.
  9. Herdegen, S. 345.
  10. Lüllmann/Mohr/Hein, S. 202.
  11. Karow, S. 581 f.
  12. Karow, S. 633.
  13. Herdegen, S. 385.
  14. Karow, S. 633.
  15. Herdegen, S. 386.
  16. Herdegen, S. 387.
  17. Karow, S. 634.
  18. Herdegen, S. 387.
i
Diese Seite dient lediglich als eine Übersicht und kann keinesfalls einen ärztlichen oder pharmazeutischen Rat ersetzen. Bei Beschwerden sollte sich an diese Stellen gewandt werden. Einen ärztlichen Rat sollte man unbedingt einholen, wenn
  • die Kopfschmerzen häufiger als zehnmal im Monat auftreten,
  • es zu neurologischen Ausfällen kommt oder
  • sich die Probleme das erste Mal nach dem 40. Lebensjahr zeigen.

Inhaltsübersicht

Werbung

Werbung