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Religion: 11. Klasse

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Zwischen Vielfalt und Entscheidung: Religion in der offenen Gesellschaft

Wahrnehmung religiöser Phänomene und Erschließung religiöser Sehnsüchte

Religion im Wandel – Religion hat viele Gesichter

Die gegenwärtige Zeit ist auch dadurch geprägt, dass sich die Religion verändert. Dieser Wandel wird mit dem Begriff der „Säkularisierung“ (Verweltlichung) beschrieben. Man unterscheidet zwischen einer älteren und einer jüngeren Säkularisierung.

Die ältere Säkularisierung beschreibt den Wandel, durch den die Religion in der von Wissenschaft und Technik geprägten modernen Welt im persönlichen Leben eine weniger große Rolle spielt, sodass jene an Bedeutung verliert, bis sie ganz zu verschwinden droht.

Nach der jüngeren Säkularisierung wird die These vom Verschwinden Religion durch die Annahme eines Wandels von Religion und Religiösität ersetzt. Es fänden sich demnach immer noch christliche Formen des Glaubens, sie sind aber nicht mehr so kirchlich gebunden. Außerdem entwickele sich eine vielseitige Kultur.

Der Theologe Hans-Joachim charakterisiert diesen Wandel als eine Zerstreuung, als das Phänomen, dass religiöse in nicht-religiöse Segmente der modernen Kultur ausgesiedelt werden. Demnach seien Musikkonzerte oder Sportereignisse gewissermaßen ein Ersatz für Gottesdienste oder Pilgerungen.

Der Mensch ist früher wie heute ein fragendes, sinnsuchendes Wesen. Heute scheint die Kraft religiöser Institutionen zurückgegangen zu sein, doch das religiöse Bedürfnis lässt sich nicht verdängen. Das Erbe der Religion taucht in anderen Bereichen in der säkularisierten Welt auf.

Religiöse Sehensüchte und die Grundfragen des Menschen

Werbung

Hauptaufgabe der Werbung liegt in dem Konflikt zwischen dem Genuss und der Schuld (z.B. im Zigarettenkonsum im Beichtstuhl). Diesem Konflikt begegnet die Werbung mit einer „Pseudolossprechung“, indem sie den Verbraucher (hier: dern Raucher) die moralische Erlaubnis zum Vergnügen ohne Schuld erteilt.

Nach C. G. Jung werden die tiefsten Schichten (das Unterbewusstsein) durch die Religion bestimmt. Dazu gehören religiöse Sehnsüchte, der Genuss, die Lossprechung, die Freiheit und der Glaube an einen Himmel. Dadurch wirken „missbrauchte“ Heilssymbole (wie die Bibel) zu den wirkungsvollsten Mitteln in ihrer Wirkung.

Sport

Überträgt man das Bild der Religion auf das Bild des Sports, kann man verschiedene Parallelen oder Analogien erkennen; der Sport kann dadurch gewissermaßen eine Ersatzreligion darstellen.

Begriffsklärung: Religion

Sprachliche Herleitung des Begriffs „Religion“

Der Begriff der Religion hat seine Wurzeln im Lateinischen. So bedeutet religio soviel wie (Gott)Glaube oder auch Aberglaube. Das Wort relegere kann mit „erneut lesen“ und „sorgfältig überdenken“ übersetzt werden. Darin kann man auch einen besonderen Aspekt der Religion erkennen: Der Kult um religiöse Normen soll überdacht werden und die rezipierte Auffassung eingehalten werden.

Weiterhin hat religari („sich zurückbinden) einen Einfluss. Damit wird die innere Bindung des Menschen an Gott und die Frömmigkeit betont; religere („(sich Gott) wiedererwählen“) hingegen beschreibt den Glauben als Entscheidungs- und Lebensprozess.

Klassische Definitionen von „Religion“

Annäherung an den vielschichtigen Begriff der Religion

Aus wissenschaftlicher (auch theologischer) Sicht gibt es keine allgemein anerkannte Definition des Begriffs „Religion“. Es gibt jedoch bei den verschiedenen (Welt)Religionen gewisse Gemeinsamkeiten, die man als Leitfaden zur Begriffsbestimmung nutzen kann.

So kann eine Religion die Wertvorstellungen eines Menschen beeinflussen. Häufig beruht eine religiöse Überzeugung auf einer langen Tradition, die auch auf übernatürliche Vorstellungen zurückführbar sind. In diesem Zusammenhang über die Existenz eines oder mehrerer übernatürlicher Wesen werden auch Aussagen über die Herkunft und die Zukunft des Menschen gemacht.

Nach Fritz Stolz leistet die Religiong gleichzeitig eine Darstellung der unkrontollierbaren Mächte und der kontrollierbaren Lebensordnung. Dadurch bietet sie dem Menschen eine umfassende Orientierung an. Die Religion gehört daher zum menschlichen Wesen.

Dagegen stellt Ulrich Beck zwei Forderungen: Zum einen sind unter Religion die gewachsenen Religionen, aber auch neue Glaubensformen zu verstehen. Zum anderen sollen die Differenzen und Ähnlichkeiten zwischen und innerhalb der Religionen beachtet werden. So sind religiöse Traditionen nicht fixiert, sondern sind sich den Umständen anpassend. Wird die Komplexität und Diversität nicht erschlossen, ist nicht klar, dass Menschen unterschiedlichen Glaubens oft mehr gemeinsam haben als die des gleichen Glaubens.

Unterscheidung und Funktion von Religion
Unterscheidungen

Sprach man früher von „Religion“, war damit (auch) die christliche Kirche – katholischer oder evangelischer Konfession – gemeint. Dies ist heute aufgrund des Pluralismus nicht mehr der Fall. Vielmehr ist zwischen Bekenntnis, Zivilreligion und Religionsäquivalenten zu unterscheiden.

Mit Bekenntnissen sind jene Religionen gemeint, deren Vertreter von der absoluten Wahrheit ihrer Position überzeugt sind. Diese gliedern sich wiederum in organisierte Religionsgemeinschaften und in solche, die gesellschaftlich anders formiert sind.

Als Zivilreligion bezeichnet man die ethischen und moralischen Überzeugungen, die eine Kultur teilt. In Europa ist sie vor allem vom Christentum, von der Aufklärung und vom Sozialismus geprägt. Sie schlägt sich unter anderem in den Verfassungen und Menschenrechtskonventionen nieder.

Religionsäquivalente sind diejenigen Bereiche und Tätigkeiten, die nicht als Bekenntnisse oder Zivilreligion zu qualifizieren sind, jedoch für eine Gruppe von Menschen die Rolle einer Religion entspricht. So kann man – wie oben dargelegt – den (gesteigerten) Sportenthusiasmus darunter auffassen.

Funktionen

Die Religion nimmt vor allem vier Funktionen wahr.

Zum einen hat sie eine weltanschauliche Funktion. Sie vermittelt Deutungen für Lebenserfahrungen, Geschichte und Natur, indem in Erzählungen die Probleme des Menschen thematisiert werden.

Weiterhin übernimmt sie eine gesellschaftliche Funktion. Demnach wirken einerseits religiöse Lebensweisen und Betrachtungsweisen auf die Gemeinschaft ein, etwa durch gemeinschaftsbildende Verantstaltungen. Andererseits wirken die gesellschaftlichen Verhaltensweisen auf die Religionen als solche ein. Die ethische Funktion bietet Wertmaßstäbe zur Beurteilung von Gütern und Verhaltensweisen an, durch die eigene oder fremde Verhaltensweisen überprüft werden können. Zuletzt kann durch die psyische Funktion dem Menschen geholfen werden, Angst zu bewältigen, Krisen zu überstehen und die Selbstannahme zu fördern.

Diese Punkte stellen positive Einflüsse auf den Menschen dar. Genauso kann die Religion negativ wirken, etwa wenn sie deplatziert wirkt. In solchen Fällen, kann sie entfremdend wirken, Angst auslösen oder sogar Reifungsprozesse verhindern.

Zusammenfassung des Religionsbegriffs

Religion ist ein zu vielschichtiges Phänomen, um es mit einer einzigen Definition zu erfassen. Religionen haben ethische und moralische, emotionale, kognitive, kultische und ästethische Dimensionen. Sie können sich in individuellen und kollektiven Formen ausdrücken sowie in Literatur, Musik, Kunst, Ritus und Kleidung gezeigt werden. Es können lediglich „Bausteine“ gefunden werden, die den Bezug auf eine transzendente Wirklichkeit wiederspiegeln.

Neue Präsenz des Religiösen: religiöse Vielgestaltigkeit in unserer offenen Gesellschaft

Religionsstatistik für Deutschland (2006)

In Deutschland gehörten im Jahre 2006 etwa 30,5 Prozent der evangelischen und etwa 31,2 Prozent der katholischen Kirche an. Dabei waren in Westdeutschland 75 Prozent Mitglied einer christlichen Kirche, während dieser Anteil in den östlichen Bundesländern weniger als 20 Prozent betrug.

Desweiteren gehörten knapp 29 Prozent keiner Konfession, 4 Prozent dem Islam, 0,3 Prozent dem Buddhismus und 1,8 Prozent einer Freikirche oder einer sonstigen Sondergemeinschaft an.

Insgesamt bezeichneten sich 20 Prozent als sehr religiös, während sich 30 Prozent sogar als areligiös einstuften. Dadurch wird deutlich, dass das Phänomen der „offenen Religiösität“ immer bedeutender wird.

Streitfrage: Religiöse Symbole in der Öffentlichkeit

Religionsfreiheit und Säkularisierung als Erbe der Aufklärung

Bis zur Aufklärung und der industriellen Revolution hatte in Europa die christliche Religion eine Deutungshoheit über die Welt und bestimmte damit das Leben der Menschen maßgeblich. Seitdem wurde die Religion jedoch zunehmend nur ein Teilaspekt der Gesellschaft. Damit verbunden war eine Säkularisierung und Pluralisierung. Als Resultat hat sich die Religionsfreiheit des Einzelnen (Art. 4 Abs. 1 GG) herausgebildet:

Nach der positiven Religionsfreiheit hat jeder Einzelne das Recht, jede beliebige Religion alleine oder in einer Gemeinschaft privat oder in der Öffentlichkeit auszuüben.

Dem gegenüber hat der Einzelne gemäß der negativen Religionsfreiheit die Freiheit, nicht zu einer Teilnahme an einer religiösen Handlung, Feierlichkeit oder zu sonstigen Praktiken gezwungen werden zu können. Inbegriffen ist die Freiheit, die persönlichen religiösen Überzeugungen nicht offenzulegen und das Recht Eidesformeln in einer religiösen neutralen Form abzulegen.

Religionsunterricht – warum?

Recht und Organisation des Religionsunterrichts

Nach Art. 7 Abs. 3 GG ist in Deutschland der Religionsunterricht ordentliches Lehrfach. In Bayern haben die jeweiligen Religionsgemeinschaften Einfluss auf die Gestaltung des Unterrichts (vgl. nur Art. 136 f. Bayerische Verfassung):

So tragen sowohl der Freistaat als auch die Diözesen gemeinsam die Verantwortung für den Unterricht. Als Lehrfach unterliegt dieser der staatlichen Staatsaufsicht, die Fachaufsicht obliegt aber der einzelnen Diözese. Der Religionsunterricht erfolgt getrennt nach den Bekenntnissen und in Übereinstimmung mit den Lehren der jeweiligen Kirche.

Der katholische Unterricht soll auch von Dialogbereitschaft und ökumenischer Gesinnung getragen sein sowie die konfessionelle Kooperation und Zusammenarbeit mit anderen Schulfächern suchen. Der katholische Religionsunterricht darf auch nur von Personen mit einer kirchlichen Bevollmächtigung, der Missio canonica, erteilt werden.

Inhalt

Das Erzbistum München sagt Folgendes zum Inhalt des Religionsunterrichts in Bayern[1]:

„Die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland (1974) hat in ihrem Beschluss ‚Der Religionsunterricht in der Schule‘ vier grundlegende Ziele formuliert, die auch heute noch aktuell sind:

Dieser Zielrahmen wird schulart- und altersgemäß in den entsprechenden Bildungsstandards und Lehrplänen umgesetzt. Insbesondere Lehrpläne berücksichtigen bildungspolitische Vorgaben, gesellschaftliche Veränderungen und die pädagogischen Rahmenbedingungen der jeweiligen Schulart.“

Das Selbstverständnis des katholischen Religionsunterrichts

Nach dem Fachprofil der katholischen Religionslehre[2] hat der katholische Religionsunterricht dieses Selbstverständnis:

„Angesichts einer beschleunigten Individualisierung und Pluralisierung unterstützt der Religionsunterricht die Gymnasiasten darin, christliche Lebensorientierung in einer Situation zu finden, die von religiöser Vielfalt, unbestimmter Sehnsucht nach Transzendenz, aber auch von weltanschaulicher Beliebigkeit gekennzeichnet ist. Den gläubigen Schülern hilft er, ihr Christsein reflektierend zu verantworten und zu vertiefen; die suchenden oder dem Glauben bewusst fernstehenden jungen Menschen regt er an, sich mit christlichen Positionen auseinanderzusetzen und den eigenen Standpunkt zu überdenken. Bei denjenigen, die sich gleichgültig zeigen, weckt er zudem Gespür für die Lebensbedeutsamkeit religiösen Fragens. ähnlich gilt dies alles für die ungetauften Schüler, die sich für dieses Fach entscheiden.“

Vergleich des Religionsunterrichts in Frankreich und England
Frankreich

Frankreich hat im Vergleich zum deutschen Kooperationsmodell keine Verschränkung von Kirche und Staat, sondern ist laizistisch aufgebaut, d.h. es herrscht eine vollkommene Trennung zwischen Kirche und Staat. Daher gibt es auch keine Kirchensteuer, keine Erhebungen über eine etwaige Religionszugehörigkeit, in Gebäuden dürfen keine Kreuze aufgehängt werden und Staatsbedienstete (also auch Lehrer) dürfen keine religiösen Symbole tragen.

Weiterhin findet auch kein Religionsunterricht an staatlichen Schulen statt. In der Grundschule dürfen keine Glaubens-lehrenden unterrichten; an weiterführenden Schulen können die Eltern eine Genehmigung anfordern, dass außerhalb der Schule auf deren Gelände ein Religionsunterricht stattfindet. Dieser Unterricht wird privat von den besuchenden Schülern bezahlt.

England und Wales

Im Gegensatz dazu gibt es in England eine Staatskirche: die Anglikanische Kirche. Alle anderen Religionsgemeinschaften sind dagegen wie Vereine organisiert. Religionsunterricht ist in England und Wales für alle Schüler ein ordentliches Lehrfach. Die Eltern können die Kinder jedoch davon abmelden. Die Lehrpläne werden auf lokaler Ebene unter Mitwirkung diverser regionaler Interessengruppen erstellt. Es dürfen auch religiöse Zeichen getragen und im Klassenzimmer aufgehängt werden.

Platons Höhlengleichnis

Inhalt

In Platons Höhlengleichnis geht es um Menschen, die seit ihrer Geburt gefangen in einer Höhle leben. Sie sind so fixiert, dass sie ausschließlich eine Wand und auf sie fallende Schatten sehen können, da sie mit dem Rücken zum Höhleneingang sitzen. Einer der Menschen kann jedoch die Höhle verlassen und sieht außerhalb davon, wie die Wirklichkeit aussieht. Daraufhin begibt er sich zurück in die Höhle, um den anderen Menschen von seiner Entdeckung zu erzählen. Diese glauben ihm aber nicht und halten die Schatten für das einzig Wahre. Letztlich erschlagen sie ihn.

Bedeutung

Platon will mit seinem Gleichnis seine Vorstellung der ewigen Ideen und Formen ausdrücken. Demnach seien alle Eindrücke, die die Menschen wahrnehmen (können), lediglich „Schattenbilder“ eines die ganze Welt und Zeit durchdringenden „Seins“.

Interpretiert kann das Höhlengleichnis dahingehend, dass die Menschen Tatsachen oder Aussagen nicht als einfach gegeben hinnehmen sollen, sondern jederzeit hinterfragen sollen, damit sie nicht in einer falschen Wirklichkeit leben.

Wege zu Gott: Die Bibel als Zeugnis der Gotteserfahrung

Bibel als Lebensbuch: Stellenwert der Bibel heute

Der Begriff des Lebensbuches wird verwendet, um ein Buch herauszustellen, welches als ein lebenslanger Ratgeber dient und immer bei einem dabei ist – ob als physischer oder nur geistiger Begleiter im Leben. Es soll einen auch bereichern und Mut geben, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und dabei nicht zu verzagen.

So verwenden einige Menschen die Bibel als ihr Lebensbuch, um sich einerseits im Leben zu orientieren, um den Alltag gestalten zu können, um Gutes zu tun, um sich am Leben Jesu zu orientieren, um Kraft schöpfen zu können, andererseits aber auch über biblische Themen diskutieren zu können oder sogar um für eigene Interessen zu werben.

Exemplarische Begegnung mit der Bibel als Buch menschlicher Gotteserfahrungen

Abriss der Entstehung der Bibel

Die Bibel als Ganzes ist kein Werk, welches innerhalb kurzer Zeit aufgeschrieben wurde, sondern sich über eine lange Zeit entwickelt hat.

Das Alte Testament wurde ab ungefähr dem 2. Jahrtausend v. Chr. unter den jüdischen Stämmen mündlich überliefert. Ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. kam es schließlich zu den ersten schriftlichen Aufzeichnungen, die nach 539 v. Chr. redaktionell beendet wurden. Um 400 v. Chr. erhielt die Tora ihre kanonische Bedeutung un nach 100 v. Chr. wurden die Prophetensammlung und Psalmen festgelegt.

Das Neue Testament handelt hauptsächlich vom Leben Jesu (6 v. Chr. bis 30 n. Chr.). Nach seiner öffentlichen Präsenz (27 bis 30) wurden die Geschichten über Jesus mündlich tradiert. Von 52 bis 80 wurden die Paulusbriefe und die ersten schriftlichen Quellen verfasst. Im Zeitraum 70 – 100 entstanden die Evangelien des Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Erst 367 wurde das Neue Testament als Kanon erfasst.

Möglichkeit zur Bibelauslegung

Im (europäischen) Christentum ist allgemein anerkannt, dass die Bibel nicht als eine wörtliche Anleitung zu verstehen ist, sondern interpretiert werden muss. Hierfür gibt es unterschiedliche Ansätze, die sich gegenseitig ergänzen (können).

Historisch-kritische Methode

Die historisch-kritische Methode fragt danach, welchen Sinn der Bibeltext zur Zeit seiner Abfassung hatte. Sie betrachtet aber auch, welchen „Weg“ der Text genommen hat. Dadurch bleibt selbstverständlich – zumindest vorerst – offen, welche Bedeutung heute der untersuchte Text haben kann.

Am Beispiel der „Sturm auf See“ kann man mit der historisch-kritischen Methode zu folgenden Ergebnissen kommen: Die neuen Glaubensanhänger waren in der Anfangszeit zahlreichen Gefahren ausgesetzt, konnten in Jesus und Gott aber eine Person finden, bei der sie sich aufgehoben fühlen konnten.

Tiefenpsychologische Bibelauslegung

Bei der tiefenpsychologischen Bibelauslegung wird dagegen die Tiefenstruktur des Textes untersucht. Dazu wird auf die unbewussten seelischen Vorgängen beim Menschen Bezug genommen; es kommen menschliche Empfindungen wie Angst, Hass, Egoismus, Neid, Geborgenheit und Freiheit zum Ausdruck. Die Bibeltexte wollen also Entwicklungs- und Veränderungsprozesse in den Tiefen der Psyche des Lesers anstoßen.

Der Bibliolog: Erfahrungsbezogener Zugang der Bibel

Der Bibliolog „lebt“ davon, dass jede Person beim Lesen einer Bibelstelle andere Erfahrungen macht. Diese sollen in einer Gruppe ausgetauscht werden, um so den anderen Gruppenmitgliedern andere Ansichten zu eröffnen. Dabei

Bibel-Teilen

Die Methode des Bibel-Teilens soll den Menschen einen persönlichen Zugang zur Bibel ermöglichen, indem sie diese gemeinsam lesen. Mann kann sie in kleineren oder größeren Gruppen verwenden. Es geht dabei nicht um eine wissenschaftliche, sondern um eine spirituelle Auseinandersetzung.

Ziel des Bibel-Teilens ist die Kommunikation über die persönliche Botschaft Gottes für den Einzelnen. Jeder kann seine eigenen Gedanken mitteilen, aber auch auf den Anderen hören. Eine Kommentierung oder ein Kritisieren dieser Gedanken ist auch nicht vorgesehen.

Die Auseinandersetzung erfolgt in sieben Schritten: Einladen, Lesen der Bibelstelle, Verweilen, Schweigen, Austauschen, Handeln und Beten.

Zentrale Konturen des biblischen Gottesbildes

Gottesbild des alten Testaments

Das Gottesbild des Alten Testaments ist nicht einheitlich bzw. werden in den einzelnen Texten besondere Wesenszüge verstärkt dargestellt. Diese Unterschiede lassen sich durch den historischen Hintergrund der Erzählung erklären.

In der Priesterschrift, die zur Zeit des Babylonischen Exils verfasst worden ist, wird Gott als dem Menschen immer beistehend beschrieben, der allein durch sein Wort schafft und transzedent aber dennoch persönlich ist. Demgegenüber wird in der Schrift der Jahwisten (Blütezeit Israels mit Abkehr vom Glauben) auch als ein strafender Gott beschrieben (Verbannung aus dem Paradies).

Die Geschichten über die Patriarchen (1800-1300 v. Chr.) berichten über einen Gott, der zur Umsetzung seiner Pläne sich einzelner Personen bedient und sie so zu den Stammvätern des israelischen Volkes macht. Im Buch des Exodus (1300-1200 v. Chr.) tritt Gott als Jahwe auf ("Ich bin der Ich bin da"), der in einen Bund mit den Menschen tritt.

In der Zeit der Könige und Propheten (1000-586 v. Chr.) wurde die Sicht auf Gott vor allem von den Propheten bestimmt. Sie prägten das Bild von einem starken, führenden und auf Einhaltung der Gesetze achtende Gott, der als himmlischer König über dem irdischen König steht. Dieser herrsche auch nur zur Unterstützung Gottes.

Die Zeit des Exils (586-538 v. Chr.) ist geprägt vom Bild des tröstenden Gottes, der väterlich und mütterlich liebend auftritt, sich von den polytheistischen Religionen abgrenzt und als Hirte wahrgenommen wird. In der nachexilischen Zeit (538-63 v. Chr.) wure Palästina von mehreren Reichen besetzt. Dadurch entstand das Bild, dass Gott ein Reich für alle Völker aufbaut (keine Exklusivität des jüdischen Volkes) und dass der Messias kommt, der Frieden stiftet, also die römische Besatzung beendet.

Gottesbild des neuen Testaments

Auch im Neuen Testament gibt es kein (komplett) einheitliches Gottesbild. Es gründet aber in erster Linie auf den Aussagen Jesu. Dadurch begegnen Christen in Jesus Gott.

Gott wird von Jesus nicht mit ehrfüchtigen Begriffen wie „Herr“ oder „König“ angesprochen, sondern mit „Abba“, was so viel wie „mein Vater“ oder „Papa“ bedeutet. Dadurch wird ein familiäres Verhältnis, in das auch die Jünger einbezogen werden, ausgedrückt.

Durch sein Handeln versuchte Jesus das Göttliche auf das Irdische zu übertragen. Er sah anfangs die Gottesherrschaft auf Erden angebrochen, nachdem Gott bereits im Himmel einen kosmischen Umbruch durchgeführt hatte. Jesu Handlungen konnte aber nur dann als göttliches Zeichen empfunden werden, wenn man sie gläubig deuten wollte. So sammelte Jesus auch 12 Jünger um sich (Analogie zu den 12 Stammvätern) und umgab sich mit den Randbereichen der Gesellschaft, die so zum Zentrum seines Volkes wurden.

Nach dem Tod Jesu glaubten viele seiner Anhänger, dass das neue Reich bald entstehen würde. Nach der Nichterfüllung sahen die Gemeinden, dass Jesus aber bereits durch sein Wirken eine Veränderung angestoßen hat: Er war nicht mehr nur Mittler vom Glauben sondern vielmehr die Mitte des Glaubens. Das wird in den „Ich-bin-Worten“ deutlich: Durch die Verbindung von Aussagen des Alten Testaments mit denen des Neuen Testaments wird an die alleinige Herrschaft Gottes angeknüpft, Gott spricht also direkt mit den Menschen. Jesus ist also Gott und wird so für die Menschen erkennbar.

Jesus wurde zunächst nur als der „Erste der Entschlafenen“ (1 Kor 15, 20) angesehen, also als derjenige, der als Erstes von Gott auferweckt wurde. Dieses Bild wird in den Christus-Hymnen ausgedehnt; hier tritt Jesus als Bild Gottes auf, der schon vor der Beginn der Zeit existent war und mit dem Auftreten auf der Erde eine neue Zeit begonnen hat.

Aspekte des biblischen Gottesbilds

In der Bibel werden verschiedene Aspekte des biblischen Gottesbilds beleuchtet. Im Alten Testament ist es das Resultat einer langen Geschichtsdeutung. Ein aber immer vorhandender Gedanke ist der, das Gott mit seinem Volk ein Bund eingegangen ist, durch den Gott auch in schweren Zeiten bei den Menschen ist und ihnen hilft.

Dieser besondere Bund wird im Neuen Testament durch seinen Sohn Jesus Christus fortgesetzt. Als Nachfolger von ihm wird durch die Apostel und durch die Kirche das „Erbe“ weitergetragen. Seine Wirkung entfaltet Gott dabei durch den Heiligen Geist, als seine Göttliche Kraft.

Vergleich des biblischen Offenbarungsverständnisses mit dem Koran

Die Bibel als Gotteswort in Menschenwort

In der Bibel kommt die Offenbarung Gottes nur in den Erfahrungen gläubiger Menschen, die die Schriften verfasst haben, zum Ausdruck. Beim Lesen der Bibel begegnet der (gläubige) Mensch der Anrede Gottes in der Kraft des Geistes. Diese ist Aufforderung zur Antwort, Interpretation und Handeln im Geist Gottes; dadurch tut sich der Gottesglaube in der Geschichte kund.

Der Koran als Offenbarung Allahs

Der Koran ist das direkte und unmittelbare Wort Gottes (Allahs), das durch den Engel Gabriel an Mohammed offenbart worden ist. Demnach stellte er innerhalb von 20 Jahren die Textsammlung zusammen und brachte sie in die heute vorliegende Endfassung.

Der Koran ist für immer gegeben und nicht Wort von Menschen auch nicht von Mohammed. Er weist Bezüge zum Alten Testament auf (insbesondere auf die fünf Bücher Mose); durch ihn ist die Bibel überholt.

Der Islam als abrahamistische Religion bezieht sich wie das Judentum und Christentum auch auf Abraham (Ibrahim). Während er im Judentum die Rolle des Stammvaters und im Christentum (insbesondere für Paulus) als Vorbild des Glaubens übernimmt, gilt er im Islam als Begründer des Monotheismus.

Verantworteter Gottesglaube: Anfragen, Ablehnung, Annäherungen

Wird noch nachgetragen.



Quellen

  1. Erzbistum München

Überschriften

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