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Religion: 10. Klasse

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Jesus neu entdecken – Historischer Jesu und seine Botschaft

Verschiedene Sichtweisen auf Jesu

Jesus Christus bedeutet für verschiedene Bevölkerungsgruppen und Personen häufig Unterschiedliches. So sehen Christen in ihm einen „guten Hirten“, einen Weg zu Gott, als Erlöser und/oder als ICHTHYS („Jesus Christus Theos Yos Sater“, J. Ch. Gottes Sohn, der Erlöser).

Auch für Nicht-Christen kann Jesus als eine historische, weltliche Person Bedeutung erlangen. So könnte man in ihm einen Sozialrevolutionär sehen, der auf sozial Ausgegrenzte zugeht.

Historischer Jesu

Soziale Lage zur Zeit Jesu

Abgesehen von den religiösen Überlieferungen und Anschauungen (Jesus als INRI (Iesus Nazareth Rex Iudorum)) stellt sich die Frage, wer die historische Person Jesus war. Folgende Tatsachen lassen sich historisch belegen.

Jesus wuchs in der damals östlichsten Region des Römischen Reiches, Israel, auf. Dieses war dreigeteilt in Galiläa, Samaria und Judäa. Das Gesamtreich wurde von Kaiser Augustus regiert, der seine Statthalter in die Provinzen zur Steuereintreibung entsandte.

Die vorherrschende Religion in diesem Gebiet war das Judentum. Jesus wurde demnach nach jüdischer Tradition in Galiläa erzogen. Er entstammte wahrscheinlich auch einer einfachen Handwerkersfamilie. Mit circa 30 Jahren war er der Leiter einer Gruppe Jünger, die sich ihm angeschlossen hatten.

Zu seiner Zeit gab es eine stark verbreitete Erwartung unter den Juden. Sie sehnten sich nach dem Messias, einer religiös-politischen Rettergestalt, die die Juden von der römischen Herrschaft befreien sollte. Dem gegenüber war die Gesellschaft in mehrere soziale Gruppen unterteilt, die sich teils feindlich gesinnt waren:

Historischer Kurzbericht

Zwischen 40 v. Chr. und 0 n. Chr. wurde Jesus in einem unfreien Land in einem relativ nichtssagenden Dorf geboren. Er wuchs als Jude in Galiläa auf und sammelte später eine Gruppe um sich. Er suchte den Kontakt zu Außenseitern und geriet so in einen Konflikt mit den angesehenen Gruppen der Gesellschaft. Er starb letztlich einen schändlichen Tod am Kreuz wegen Hochverrats und Gotteslästerung.

Jesus im Spiegel nicht-christlicher Quellen

Auch außerhalb der Bibel und anderer religiöser Texte lassen sich Hinweise auf einen historischen Jesus finden.

Publius Cornelius Tacitus, ein römischer Geschichtsschreiber, verfasste einen Bericht über die Christenverfolgung nach dem Brand Roms (64 n. Chr.). In diesem wird indirekt ein Hinweis auf die Hinrichtung Jesu durch Pontius Pilatus gegeben.

Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Joesphus berichtet über einen Jesus als weisen Mann und Lehrer, der Anhänger um sich scharrte, die auch nach seinem Tod ihm treu blieben. Dem gegenüber schreibt der Kaiserbiograph Sueton, dass ein gewisser „Chrestos“ für religiöse Unruhen in Rom unter Kaiser Claudius verantwortlich ist. Dabei wird Jesus als Anführer einer jüdischen Sekte angesehen.

In einem Brief von Plinius dem Jüngeren, dem Statthalter Bithynia, kann man erfahren, dass aus einer jüdischen Sekte, deren Anführer Jesus sein sollte, ein „ansteckender Glaube“ wurde, der kaum mehr zu kontrollieren war.

Die Tatsache, dass sich letztlich vier antike Geschichtsschreiber nicht-christlicher Art im Zeitraum um 100 n. Chr. unabhängig voneinander über Jesus und seine Anhänger äußern, spricht für eine bemerkenswert auffällige Quellenlage für eine Person.

Jesus im Spiegel der Bibel

Entstehung der neutestamentalischen Schriften

Der Zeitraum von 30 bis 50 n. Chr.

In diesem Zeitraum gab es an sich nur mündliche Überlieferungen der Ereignisse um Jesus. Dabei stellte sich vor allem die Grundfrage „Was hat dieser Mensch für die Menschen bedeutet?“ Die Orte dieser Überlieferungen waren Hausgottesdienste oder Streitgespräche mit (anderen) Juden.

Um eine weitere Verfälschung der Botschaft Jesu zu vermeiden, begann die schriftliche Überlieferung. Hier ging es aber nicht um eine geschichtliche Darstellung. Die neutestamentalischen Schriftsteller wollten dagegen zeigen, was Jesus für die Leute eben bedeutet hat.

Der Zeitraum von 50 bis 60 n. Chr.

Ungefähr zwanzig Jahre nach dem Tod Jesu enstanden die ältesten Schriften des Neuen Testaments: die Paulusbriefen. In diesen suchte Paulus Kontakt zu seinen gegründeten christlichen Gemeinden.

Der Zeitraum von 60 bis 100 n. Chr.

Von 60 n. Chr. bis 100 n. Chr. entstehen die drei Evangelien Markus (60 in Rom), Matthäus (70) und Lukas (80). Sie werden als Synoptiker bezeichnet. Matthäus und Lukas benutzten Markus dabei als Quelle. Die Evangelien sind aufgrund der Ähnlichkeiten auch gut miteinander zu vergleichen. Dem gegenüber steht das Johannes-Evangelium (90-100), das ein komplett anderes Evangelium darstellt.

Der Zeitraum von 100 bis 200 n. Chr.

Nach der Erstellung der Evangelien kam es zu einer Kanonbildung der Bibel. In dieser wurde festgelegt, welche Schriften in die Bibel aufgenommen werden sollten und welche unbeachtet werden sollten.

Was bedeutet Jesus für die Menschen?

Die Frage, was Jesus für die Menschen in der Antike bedeutet hat, kann man gut erkennen, wenn man die Bibelstelle Markus 4,35-41 vor dem Hintergrund der Situation der Christen in Rom unter Nero betrachtet.

Vergleich der Bibelstelle „Seesturm“ mit der Lage der Christen in Rom
Bibelstelle Lage in Rom
Ruhiges Wasser Die Christen werden in Rom toleriert.
Das Unwetter zieht auf Die Verfolgung der Christen nach dem Brand in Rom beginnt unter Kaiser Nero.
Das Boot füllt sich mit Wasser Die Lage für die Christen spitzt sich in Rom zu; viele werden getötet oder drohen, zu sterben.
Jesus schläft Die Christen fühlen sich so, als ob Jesus/Gott nicht anwesend ist; sie fühlen sich allein gelassen.

Das „Wunder“ von der Stillung des Seesturms schildert Markus, weil er damit deutlich machen will, dass der Glaube sprichwörtlich „Berge versetzen kann“ und sich die verfolgte Gemeinde im Glauben stärken soll. Zu beachten ist, dass Markus genau in der Zeit der Christenverfolgung das Evangelium in Rom verfasst hat.

Was war die große „Leistung“ Jesu?

Betrachtet man diverse Bibeltexte, erkennt man, wie Jesus als fortschrittlicher Denker aufgetreten ist, der offen auf Menschen zugegangen ist, auch wenn oder gerade wenn sie von der Gesellschaft im Allgemeinen verstoßen worden waren.

Die Bergpredigt (Mt 5-7): Der Kern der Botschaft Jesu

Vorbemerkungen

Die Bergpredigt ist die längste Rede im neuen Testament, die aber in dieser Form nie von Jesus gehalten wurde. Matthäus hat hier wie ein Redakteur die wichtigsten Einzelaussagen Jesu zu einer Rede zusammengestellt. Der Inhalt stammt damit zwar von Jesus, die Form aber von Matthäus.

Gliederung

Die Bergpredigt ist in drei große Teile gegliedert:

  1. Seligpreisungen (Mt 5,1-12)
  2. Antithesen (Mt 5,21-48): Hier stellt Jesus einer These (Aussage aus dem alten jüdischen Gesetz) eine Antithese (seine eigene Meinung) gegenüber.
  3. Nachfolgeforderungen (Mt 6,1-7,12)

Einzelaussagen der Bergpredigt

Einzelaussagen: Seligpreisungen

Im Teil der Seligpreisungen preist Jesus verschiedene Bevölkerungsgruppen selig. Selig ist hier als „richtiger Glaube“ zu verstehen. So werden von ihm Menschen genannt, die

Einzelaussagen: Antithesen

Bei den Antithesen äußert sich Jesus grundsätzlich so, dass er das jüdische Gesetz nicht aufheben, sondern neu erfüllen will. So stellt er der These „Du sollst nicht morden“ die Antithese der grundsätzlichen Haltung des Verzeihens und der Versöhnlichkeit gegenüber. Insgesamt sind die Antithesen Jesu als ein Grundprogramm ethischen Handelns ohne immer nur auf gesetzliche Aussagen zu schauen.

Matthäus 5,27-32
Matthäus 5,33-37
Matthäus 5,38-42
Matthäus 5,43-48
Einzelaussagen: Nachfolgeforderungen

In den letzten Aussagen der Bergpredigt legt Jesus in drei verschiedenen Bereichen dar, was er unter seiner neuen Gerechtigkeit versteht.

Matthäus 6,1-18

Im ersten Teil des Abschlusses übt Jesus Kritik an der Religionspraxis vieler seiner Zeitgenossen. Religilösität darf demnach nicht dazu dienen, mit egoistischn Hintergedanken sich selbst zur Schau zu stellen.

Matthäus 6,19-7,11

Jesus neue Gerechtigkeit fordert keine zu starke Fixierung auf Profit und materielle Güter. Sie will vielmehr Toleranz gegenüber den Mitmenschen beziehungsweise die Einsicht in die eigenen Fehler.

Matthäus 7,12

Die Goldene Regel in Matthäus 7,12 („Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.“) schließt die Bergpredigt ab und fasst sie auch gleichzeitig zusammen.

Gewissen konkret: Umgang mit menschlichem Leben

Bereiche des Umgangs mit menschlichem Leben

In unserer heutigen Gesellschaft, die stark von wissenschaftlichem Fortschritt geprägt ist, geht es in vielen Bereichen auch um den Umgang mit dem menschlichen Leben. Auch aufgrund unserer pluralistischen Gesellschaft gibt es viele verschieden Ansätze. Wichtige Themen sind zum Beispiel:

Bei all diesen ethischen Fragen geht es letztlich immer um zwei Grundrichtungen oder ambivalente Entscheidungen. Zum Beispiel könnte auf der einen Seite die wissenschaftlichen Möglichkeiten geben und auf der anderen Seite die Frage der Menschenwürde. Demnach würde sich die Frage stellen, ob das, was wissenschaftlich möglich ist, auch ethisch verantwortbar ist.

Umgang mit menschlichem Leben am Ende: Euthanasie

Vorbemerkungen zur Euthanasie

Gesellschaftlicher Diskurs

In unserer Gesellschaft wird die Thematik des Sterbens tabuisiert. Es gibt kaum einen natürlichen Umgang mit dem Thema Tod als natürliche Realität, obgleich man medial ständig damit konfrontiert wird. Die Anonymität des Sterbens in unserer Gesellschaft ist groß (z.B. das Sterben auf Intensivstationen).

Der Begriff der Euthanasie

Der Begriff der Euthanasie kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt eigentlich „gut sterben“. Man möchte also bei der Euthanasie einen Menschen möglichst humen sterben lassen.

In Deutschland hat der Begriff jedoch eine negative Vorbelastung: Die Nationalsozialisten im Dritten Reich nannten die Ermordungen an behinderten Menschen, die als „unwertes Leben“ angesehen wurden, ebenfalls Euthanasie.

Es wird zwischen verschiedenen Formen der Euthanasie getrennt. So gibt es die aktive, passive und indirekte Sterbehilfe. Sie werden vom Vorgang her und von der rechtlichen Beurteilung unterschieden.

Die Patientenverfügung

In Deutschland ist es heutzutage in einem bestimmten Rahmen möglich, über Maßnahmen am Ende seines Lebens mitzuentscheiden. Mit einer Patientenverfügung kann man so Regeln aufstellen, was passieren soll, wenn man selbst nicht mehr in der konkreten Situation seinen Willen äußern kann.

Die Hospizbewegung

Das Wort „Hospiz“ kommt aus dem Mittelalter und meinte früher einen Ort – meistens ein Kloster –, in denen Menschen bei Krankheiten gepflegt wurden oder sterben konnten. Hospizarbeit heute bedeutet einen Menschen durch stationären Aufenthalt oder ambulante Begleitung humaner sterben zu lassen.

Es geht in der Hospizarbeit nicht nur darum, menschliches Leben möglichst lange zu erhalten, sondern vor allem darum, mithilfe der palliativen Schmerztherapie das Sterben möglichst schmerzfrei zu gestalten. Entscheidend dabei ist dabei weiterhin eine seelische Begleitung des Sterbevorgangs und auch eine Begleitung des familiären Umfeldes.

Die Hospizarbeit erfolgt hierbei auf zwei Arten: Bei der ambulanten Pflege kann der Patient in seinem häuslichen Umfeld begleitet werden. Dies geschieht größtenteils durch Ehrenamtliche. Bei der stationären Behandlung kümmern sich vor allem Ärzte und Psychologen in einem festen Haus um die Personen.

Die Phasen des Sterbens nach Elisabeth Kübler-Ross

Die schweizerisch-US-amerikanische Psychologin Elisabeth Kübler-Ross, die als Begründerin der Sterbeforschung gilt, schuf eine Liste der Fünf Phasen des Sterbens. Sie beziehen sich auf die Zeit, in der der Patient weiß, dass er sterben wird und gliedern sich wie folgt[1]:

  1. Nicht wahrhaben wollen und Isolierung (Denial): Der Patien wird die Krankheit zunächst leugnen. Hier hilft ein Aussprechen mit ihm.
  2. Zorn (Anger): Der Sterbende erlebt eine Flut von negativen Gefühlen wie Zorn, Neid und Wut, vor allem auf die anderen, da diese weiterleben dürfen. Ein Grund ist auch die Angst vor dem Vergessen-werden. Dagegen hilft es, Gespräche zu führen.
  3. Verhandeln (Bargaining): In dieser Phase versucht die Person mit Gott zu Verhandeln, um so dem (anstehenden) Tod oder den Schmerzen zu entgehen.
  4. Depression: Die Wut des Patienten verwandelt sich in Depressionen oder tiefe Traurigkeit. Zuspruch, Beisammen-sitzen, Berührungen und das Vermindern ärztlicher Betreeung kann positiv wirken.
  5. Akzeptanz (Acceptance): Zuletzt nimmt der Patient den Tod an. Hilfreich ist insbesondere ein wortloser Kontakt.

Begriff der Sterbehilfe und rechtliche Regelungen

Von der Sprache her werden vier verschiedene Formen der Sterbehilfe unterschieden, die auch (straf)rechtlich verschieden bewertet werden. Im folgenden werden sie näher erläutert. Für Argumente, die für oder wider der Sterbehilfe sind, sei hier auf die Seite von Schulstoff.net verwiesen.

Passive Sterbehilfe

Liegt von mehreren, voneinander unabhängigen Ärzten die Prognose vor, dass eine Verlängerung des Lebens mit technischen Hilfsmitteln (z.B. Beatmungsgerät, künstliche Magensonde) nur eine Verlängerung des Leidenszustandes ohne Chance auf Genesung ist, kann auf diese verzichtet werden.

Voraussetzung hierfür sind entweder die klare Willensäußerung des Patienten oder eine vorhandene Patientenverfügung (siehe auch § 1091a BGB).

Aktive Sterbehilfe

Selbst in schwierigsten Leidens- und Lebenssituationen (auch bei einer unheilbaren Krankheit) ist die Tötung, z.B. durch eine tödliche Spritze, in Deutschland grundsätzlich verboten (siehe auch § 216 StGB). In anderen Ländern, wie den Niederlanden, ist eine solche Tötung nicht strafbar. Dort ist die aktive Sterbehilfe erlaubt.

Allgemeine Sterbehilfe

Bei der allgemeinen Sterbehilfe steht man dem Sterbenden psychisch und/oder mit medizinischer Hilfe bei, um so ein humanes Sterben zu ermöglichen. Dieser Begriff umschreibt damit die Euthanasie.

Indirekte Sterbehilfe

Durch Verabreichung immer größerer Mengen an Schmerzmitteln wird ein humanes Sterben ermöglicht, aber durch indirekte Schädigung der Organe das Leben ermöglicht. Das ist rechtlich nicht strafbar.

„Du sollst nicht töten“ aus geschichtlich-rechtlicher Sicht

Lange herrschte in der Antike das Vergeltungsprinzip als Gewohnheitsrecht ohne schriftlich fixiert zu sein. Es gab auch kein allgemeines Tötungsverbot. Am Ende der Antike wurde vor allem im rmöischen Recht nach der Tötungsabsicht und nach der Motivation unterschieden.

In verschiedenen Menschenrechtserklärungen, so wie in der Französischen Verfassung von 1791 oder in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN von 1948, wird die Unverletzlichkeit der Person, die Achtung der Menschenwürde aber auch die Freiheit des Einzelnen betont.

Im heutigen, in Deutschland geltenden Strafgesetzbuch wird zwischen mehreren Tötungen unterschieden. Der Mord (§ 211 StGB) ist ein vorsätzliches Töten aus wenigstens einem dort beschriebenen Merkmal. Liegt ein solches Merkmal nicht vor, ist in der Regel ein Totschlag gegeben (§ 212 StGB). Weiterhin gibt es unter anderem noch die Körperverletzung mit Todesfolge (§ 227 StGB) und die fahrlässige Tötung (§ 222 StGB). Eine Tötung kann aber auch über die Notwehr (§ 32 StGB) gerechtfertigt sein. Sie ist dann nicht strafbar.

Tötung aus eigener Hand

Vorbemerkungen

Statistik

Weltweit liegt die Suizidrate in unterentwickelten Ländern weit unter der hochentwickelter. Sie ist bei Männern fast doppelt so hoch wie bei Frauen und stark abhängig vom Alter. So gibt es eine relativ hohe Rate bei jungen Personen und eine stark erhöhte Quote bei der Altersgruppe über 80 Jahren. Diese hohen Zahlen lassen sich vor allem durch die Schwierigkeiten, die sich aus dem Übergang in bestimmte Lebensabschnitte ergeben, wie in das Erwachsen-sein und des –Alt-seins“, erklären.

Begrifflichkeiten

Der Begriff „Selbstmord“ ist irreführend, da sich bei diesem Vorgang es sich nicht um einen Mord handelt. Er lässt jedoch erkennen, welche negativen Erfahrungen die Verwandten bei einem solchen Fall machen können, da für sie die eigene Tötung häufig überraschend kommt.

Der Begriff „Selbsttötung“ oder auch „Suizid“ hingegen ist in seiner Formulierung neutral, nimmt also keine Wertung vor. Demgegenüber betont man mit „Freitod“ die Selbstbestimmung des Einzelnen über das eigene Ende seines Lebens.

Geschichtliche Aspekte

In der Antike war die Sicht auf den Suizid vom philosophischen Denken der Stoa geprägt. Demnach galt der Suizid in keiner Weise als verwerflich. Vielmehr galt es als höchst ethische Tat, seinem Leiden in persönlicher Freiheit ein Ende zu bereiten oder einer anderen menschlisch entwürdigenden Situation zu entgehen.

Das Christentum verurteilte den Suizid als einen nicht gestatteten Eingriff des Menschen in ein gottgeschenktes Leben. Durch die Verbreitung des Christentums wurde diese Sichtweise die allgemeine Aufassung. Im Mittelalter wurde der Suizidversuch bestraft und mit einem unehrenhaften Begräbnis verbunden.

Mit der Reformation und der Aufklärung änderte sich die Einstellung zum Suizid. Ab dem 18. Jahrhundert war der Versuch nicht mehr strafbar. Heute ist auch die Beihilfe dazu straffrei.

Todesstrafe

Jährlich werden circa 4.000 Menschen in 25 Staaten hingerichtet. Vorgesehen ist dort die Todesstrafe für besonders schwere Verbrechen (z.B. Mord, Hochverrat), aber auch – insbesondere in islamisch geprägten Ländern – durch die Sharia solche Vergehen wie Homosexualität oder Abfall vom islamischen Glauben.

Die Statistik sagt aus, dass ein Abschreckungseffekt durch die Todesstrafe mit Blick auf eine geringere Verbrechensrate nicht zu erkennen ist. In Deutschland ist die Todesstrafe durch das Grundgesetz abgeschafft (Art. 102 GG) und kann aufgrund der Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG) nicht mehr eingeführt werden.

Umgang mit menschlichem Leben in der Fortpflanzungsmedizin und Genforschung

Wann beginnt menschliches Leben?

Bei der Frage, wann das menschliche Leben beginnt, gibt es verschiedene medizinische Antworten bzw. Ansätze. Es geht aber heute immer um einen relativ frühen Zeitpunkt.

Die erste Ansicht vertritt die Auffassung, dass ab der vollzogenen Verschmelzung der Samenzelle mit der Eizelle zu einer Zygote menschliches Leben vorliegt, da ab dann die genetische Individualität des Kindes und sein gesamter geistiger und körperlicher „Bauplan“ festgelegt ist. Dieses Stadium dauert ein bis drei Tage.

Die zweite Ansicht knüpft den Beginn an die Einnistung in der Gebärmutter (Nidation), weil ab diesem Zeitpunkt keine weitere Mehrlingsbildung möglich ist. Damit kann dem einzelnen Menschen das Leben(srecht) individuell zuordnen. Das ist ungefähr 14 Tage nach der Befruchtung der Fall.

Nach der dritten Auffassung beginnt das Leben nach sechs Wochen, weil ab dann alle Organe, körperliche und geistige Funktionen sowie das Gehirn ausgebildet sind.

Möglichkeit der Fortpflanzungmedizin und ihre Bewertung

Künstliche Insemination

Bei der künstlichen Insemination wird der Samen in die Gebärmutter eingepflanzt. Rechtlich problemlos ist das, wenn der Samen vom Partner ist. Stammt er hingegen von einem Fremdspender, müssen in Deutschland eine intakte Partnerschaft, ein vorhandener medizinischer Grund, kein anonymes Sperma und eine Qualitätskontrolle vorhanden sein.

In-vitro-Fertilisation

Wird in einem Reagenzglas eine Eizelle mit Samenzellen befruchtet, weil z.B. ein Eileiterdefekt vorliegt, spricht man von einer In-vitro-Fertilisation. Ein Embryo wird dann nach kurzer Zeit in die Gebärmutter eingepflanzt. Ein Fremdsamen ist hier möglich. Bei dieser Art kommt es allerdings zu einem Embryonenüberschuss, der ein Problem darstellt.

In Deutschland verbotene Fortpflanzungsmedizin

In Deutschland sind folgene Methoden der Fortpflanzungsmedizin nicht erlaubt:

Präimplantationsdiagnostik

Nach einer Befruchtung im Reagenzglas wird dem Embryo innerhalb von drei Tagen eine genetisch „höchst kompakte“ Zelle entnommen, die DNS isoliert und mithilfe einer Gensonde nach bestimmten Merkmalen oder Defekten untersucht.

In Deutschland ist diese Präimplantationsdiagnostik seit 2011 möglich, wenn zuvor in der Familie bestimmte Erbkrankheiten oder Totgeburten auftraten.

Stammzellentherapie oder therapeutisches Klonen
Durchführung

Wie bei der Präimplantationsdiagnostik werden beim therapeutischen Klonen einem Embryo im frühen Stadium Stammzellen entnommen, eingefroren und letztlich eingefroren. Mithilfe dieses Vorgangs besteht die Möglichkeit durch den Einsatz von Stammzellen bestimmte Krankheiten zu therapieren oder durch Klonierung neue Organe herzustellen.

Rechtliche Regelung

In Deutschland dürfen Embryonen zu Forschungszwecken nicht in-vitro hergestellt werden. Hier gilt ein uneingeschränkter Schutz des Embryos. Unter bestimmten Bedingungen dürfen allerdings Embryonen zum Zweck der Stammzellentherapie eingeführt werden.

Drei Richtlinien zur Beurteilung

Bei den hier aufgeführten Problematiken geht es immer um die ambivalente Frage, ob das, was technisch möglich ist, ethisch auch verantwortbar ist. Für die Beantwortung kann man sich grob an den drei folgenden Richtlinien orientieren.

Das Personenkriterium stellt darauf ab, dass das menschliche Leben von Anfang an eine Würde hat und es eine Person und keine Sache ist. Das Zielkriterium verlangt, dass bei technischen Methoden ein hochrangiges Forschungsziel gegeben sein muss (z.B. Stammzellentherapie). Auf die Zukunft gerichtet ist das Folgekriterium, da hier bei den Forschungen grundsätzlich darüber nachgedacht werden mus, welche Folgen diese wissenschaftliche Methode nach sich zieht.

Menschliches Leben am Anfang: Die ethische Problematik der Abtreibung

Rechtliche Regelung

Gemäß § 218 StGB ist die Abtreibung (Schwangerschaftsabbruch) grundsätzlich strafbar. Darunter gehört nicht nur, dass die Schwangere kein Kind bekommen möchte, sondern dass ein Außenstehender vorsätzlich das ungeborene Kind tötet.

In Deutschland ist die Abtreibung gemäß § 218 StGB verboten, da der Staat die Pflicht hat sich schützend und fördernd vor das ungeborene Leben zu stellen[2]. Dennoch kann die Schwangere eine Abtreibung straflos vornehmen. Dafür muss sie gewisse Regeln einhalten (§§ 218a ff. StGB).

Die Schwangere muss vor der Abtreibung, die innerhalb der ersten 12 Wochen der Schwangerschaft erfolgen muss, eine Beratung bei einer anerkannten Stelle suchen (Beratungsregelung). Sie erhält dort einen Beratungsschein, mit dem nach mindestens drei Tagen bei einem niedergelassenen Arzt der Abbruch möglich ist.

Bei der kriminologischen Indikation kann eine Abtreibung auch ohne vorherige Beratung erfolgen, soweit dringende Gründe für die Annahme sprechen, dass die Schwangerschaft auf einem Sexualdelikt beruht. Die Frist von 12 Wochen ist auch hier einzuhalten.

Zum Schluss gibt es auch die medizinische Indikation: Besteht die Gefahr, dass während der Schwangerschaft oder auch noch während der Geburtssituation das Leben der Mutter aus körperlichen oder seelischen Gründen in Gefahr gerät, ist eine Abtreibung ohne zeitliche Begrenzung möglich.

Ethische Betrachtung

Die Meinungen über die ethische Betrachtung der Abtreibung gehen wie bei jedem hier angesprochenen Thema gehen weit auseinander. Letztlich muss jede Person für sich eine befriedigene Antwort finden. Im folgenden werden verschiedene Auffassungen über das Thema aufgeführt.

Manche sehen die Abtreibung wenigstens nicht negativ, da so das Kind davor geschützt wird, in eine Welt geboren zu werden, in der es durch die Eltern oder durch die Umgebung keine Liebe erfährt und dadurch kein gutes Leben führen könnte. Auch wird teilweise darauf abgestellt, dass eine Abtreibung nicht als eine egoistische Handlung anzusehen sei, da die Frau zwischen zwei „Übeln“ entscheiden müsse.

Andere sehen in der Abtreibung – unabhängig ihres Zeitpunktes – immer eine Vernichtung des Lebens. Dieses dürfe nicht ausgelöscht werden. Hier werden sowohl rein ethische als auch religiöse Motivationen angegeben. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau dürfe nicht höher stehen als das Lebensrecht des Embryos.

Leben retten durch Organspende

Statistisch gesehen sterben allein in Deutschland über 1.000 Menschen pro Jahr, weil kein passendes Spenderorgan zur Verfügung stand. Neben der Lebendspende von Organen (z.B. im familiären Bereich) ist die Organspende nach dem Tod an klare Voraussetzungen gebunden.

Seit dem Jahr 2013 wird an alle Haushalte in Deutschland ein Entscheidungsbogen über die Organspende geschickt, da Umfragen zufolge ein Großteil (ca. 75 %) zur Organspende bereit ist, aber nur 25 % einen Organspendeausweis besitzt.

Ethische Entscheidung – Gewissensentscheidung

Begriff des Gewissens

Das Wort Gewissen kommt vom lateinischen Wort „con-scientia“, was so viel bedeutet wie Mit-wissen oder Bewusstsein. Das Gewissen hat eine große Wirkung auf den Menschen: Es kann unruhig machen, psyichisch und physisch betroffen machen, einem Unrecht bewusst werden oder es nicht vergessen lassen.

Letztlich ist das Gewissen eine innere Instanz, die von uns eine Entscheidung und ein Handeln unter der sicheren Kenntnis von Recht und Unrecht fordert. Der Mensch hat aber nicht von Anfang an ein Gewissen, sondern muss erst eines entwickeln.

Das Gewissen in den Phasen der Entwicklung

Das Gewissen des Kleinkindes

In den ersten drei Lebensjahren ist das Gewissen stark von den Reaktionen der Hauptbezugspersonen geprägt, weil sich das Kind in dieser Phase nur an bestimmten Reaktionen dieser Personen gewöhnt. Ein echtes Verständnis für Recht und Unrecht ist noch nicht vorhanden (Gewöhnungsgewissen).

Die Gewissenskraft des Kindes ist dabei gering und von der Anwesenheit der Person abhängig. Es muss sich dabei ein „Urvertrauen“ zwisch dem Kind und der Bezugsperson aufbauen, das letztlich für die weitere Entwicklung entscheidend ist.

Gehorsamsgewissen

In der Phase vom dritten bis fünften Jahr muss ein Kind lernen, herangetragene Regeln und Wertvorstellungen in sein Ich zu übernehmen und dies auch unabhängig von der Hauptbezugsperson, also auch von anderen Autoritäten (Gehorsamgewissen).

Dies ist eine kritische Phase, da man auf der einen Seite gelernt haben muss, Autoritäten zu gehorchen, um sich später in eine Sozialordnung einzugliedern. Auf der anderen Seite darf man nicht auf dieser Stufe stehen bleiben, um später einen „blinden“ Gehorsam zu vermeiden.

Verantwortungsgewissen

Im Jugend- und Erwachsenenalter ist entscheidend, dass Werte und Normen oder Regeln nicht nur übernommen werden, sondern bewusst auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden. Dies sollte zu einer Bereitschaft zur Kritik und Selbstkritik aber auch zu einer bewussten Aneignung von Werten führen.

Daraus kann sogar eine Entscheidung werden, die sich gegen ein ganzes herrschendes System stellt. Dieses Verantwortungsbewusstsein führt mit dem Gehorsamsgewissen zu einer Reflektion, also einem Folgeurteil, als Ergebnis einer inneren Auseinandersetzung.

Buddhismus und Hinduismus als Weltreligionen

Religiöse Phänomene in unserer Gesellschaft

In unserer heutigen Gesellschaft nimmt der Einfluss der anerkannten Krichen und damit auch der christlichen Weltreligion ab. Oft treten an ihre Stelle Elemente der Esoterik, die früher eigentlich ein Geheimbund mit Sonderwissen war, heute aber eine Mischung aus verschiedenen Strömungen ist.

Die wichtigsten Strömungen darin sind der Okkultismus (der Glaube an verborgene Kräfte), Elemente aus den asiatischen Religionen (z.B. Yoga) und aus Naturreligionen (z.B. Voodoo aus Afrika).

Religion – Was ist das?

Definitionsversuch

Der Begriff der Religion kann aufgrund der Fülle der in der Welt existierenden Religionen nur schwer definiert werden. Als einzelne Aspekte kann man aber folgendes nennen.

Zu einer Religion gehört der Glaube an einen Gott, mehrere Götter oder an das Göttliche in der Natur (Mono-, Poly-, Pantheismus), teilweise auch ein Glaube an eine Erlösung, also an ein Weiterleben nach dem Tod (in verschiedenen Formen).

Auch gehören religiöse/kultische Handlungen als ein gemeinschaftsstiftendes Element dazu sowie Handlungen und ethische Haltungen wie Normen, Werte oder Gebote gegenüber anderen dazu.

Weltreligionen im Vergleich

Zur Zeit werden fünf Religionen als Weltreligionen bezeichnet. Im folgenden sollen sie kurz verglichen werden.

Die fünf Weltreligionen im Vergleich
Religion Entstehungszeit Anzahl der Anhänger
Buddhismus 600 v. Chr. 370 Mio.
Christentum 100 n. Chr. 2,1 Mrd.
Hinduismus 1600 v. Chr. 850 Mio.
Islam 600 n. Chr. 1,3 Mrd.
Judentum 1300 v. Chr. 15 Mio.

Hinduismus

Vorbemerkungen

Der Hinduismus ist fast ausschließlich in Indien verbreitet, wo circa 80 % der Bevölkerung Hindus sind. Die „Heilige Kuh“ ist ein Symbol des Lebens und der Unantastbarkeit des Göttlichen in der Natur.

Er ist die einzige stifterlose Weltreligion. Sie entstand durch Zusammenwachsen dunkelhäutiger indischer Ureinwohner und indogermanischen Einwanderern ab ungefähr 1500 v. Chr. Dabei vermischten sich verschiedenste religiöse Elemente.

Gottesvorstellungen

Im Hinduismus verbinden sich die drei grundsätzlichen Gottesvorstellungen (Monotheismus, Polytheismus, Pantheismus). Insgesamt kennt man über 300 Millionen Götter. Es wird aber auch zu einzelnen Göttern (z.B. Shiva) gebetet oder pantheistische Vorstellungen (z.B. das unpersönliche göttliche Brahman, das sich in der Natur befindet) vertreten.

Eine besonders große Rolle bei den Gottesvorstellungen spielt die sogenannte „hinduistische Dreifaltigkeit“ (Trimurti): Die drei wichtigsten Götter sind Shiva, der Zerstörer und Erhalter der Welt, Vishnu, dem Erhalter der Welt, der sich in verschiedenen Herabkünften zeigt, und Brahma, der Schöpfer der Welt.

Grundlage für die Erzählung über Götter sind heilige Schriften wie Veden und epische Erzählungen der Götter. Sie bilden die Grundlage des täglichen Lebens der Inder.

Erlösungsvorstellungen

In den Erlösungsvorstellungen des Hinduismus ist die Ausgangssituation des Menschen geprägt vom Samsara, dem als leidvoll angesehenen Wiedergeburtskreislauf der gesamten Welt, und dem Karma, einem „Konto“, mit dem man seine Wiedergeburt beeinflussen kann.

Endziel der Erlösung ist, dass sich die unsterbliche göttliche Einzelseele des Menschen (Atman) mit dem Weltgeist Brahman verbindet. Diesen Zustand nennen die Hindus Moksha.

Es gibt einen dreifachen Weg für den Hindu sein Karma zu beeinflussen: Durch Taten (z.B. Opfergaben), durch Erkenntnis (Mediation, Yoga) oder durch Hingabe an bestimmte Götter.

Leben und ethisches Handeln im Hinduismus: Die Kasten

Jegliche Vorstellungen des Zusammenlebens werden geprägt vom „Dharma“, einer göttlichen Ordnung, die die Welt durchzieht. In der Vorstellung der Hindus konkretisiert sich der Dharma im Kastensystem.

Dem Dharma entsprechen vier Hauptkasten im Hinduismus: An der Spitze stehen die Brahmanen, die den Staat leiten sollen und die höchsten wirtschaftlichen und politischen Ämter einnehmen. Es folgen abgestuft drei weitere (Haupt)Kasten, die sozial immer weiter absteigend sind.

Außerhalb dieser vier Kasten stehen die Parias (oder Unberührbaren), die am Ende der sozialen Leiter Indiens stehen.

Innerhalb der Kasten gibt es auch heute noch ein sozial streng geregeltes Leben und soziale oder auch familiäre Verbindungen kaum zwischen den einzelnen Hauptkasten statt, die heute in circa 3000 Unterkasten gegliedert sind.

Das Kastensystem ist auch ein wesentlicher Bestandteil für die soziale Sicherung in der Gesellschaft, aber auch wegen seiner mangelnden Durchlässigkeit (vor allem auf dem Land) ein „Bremsklotz“ für die Weiterentwicklung Indiens. Das „Samsara-Denken“ geht auch davon aus, dass das Schicksal der Welt eigentlich nicht beeinflussbar ist und wirkt so lähmend. Dagegen steht eine Entwicklung in den Großstädten Indiens, die gekennzeichnet ist durch starken wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt.

Kultische Handlungen

Verehrung der „Heiligen Kuh“

Durch die Verehrung der Heiligen Kuh bringen die Hindus ihren Respekt vor dem Brahman in der Natur zum Ausdruck. Sie ist ein Symbol für das Göttliche im Leben und seiner Unantastbarkeit. Die Kuh hat deshalb ein so hohes Ansehen, da sie früher für die Menschen überlebenswichtig war: Sie gab Milch und Fleisch (Nahrung), Fell und Leder (Wärme) sowie Arbeitskraft (Feldarbeit).

Rituelles Bad im Ganges und Feste

Jeder Hindu versucht mindestens einmal im Leben ein rituelles Bad im Ganges zu nehmen. Flüsse kommen nach der Vorstellung der Hindus von den Göttern und bringen innere Reinigung. Durch Feste und Pilgerreisen wird der gemeinschaftliche Aspekt der Götterverehrung betont. Die bekanntesten Feste sind die großen Waschungen am Ganges, die jährlich Millionen von Pilgern anziehen.

Rituelle Leichenverbrennung

Ein Hindu versucht beim Sterben der göttlichen Mutter Erde möglichst nahe zu sein. Nach der Verbrennung des Körpers wird die Asche in Gewässern verstreut.

Opferhandlungen

Opfer den Göttern gegenüber beeinflussen in verschiedener Form das alltägliche Leben eines Hindu.

Buddhismus

Vorbemerkungen

Der Buddhismus mit seinen verschiedenen Formen hat als Hauptverbreitungsgebiete China, Südostasien, Südkorea und Japan. Im 6. Jh. v. Chr. entstand die ursprüngliche Form des Buddhismus ausgehend von Nepal als Protestbewegung gegen den Hinduismus.

Person

Als Begründer des Buddhismus gilt Buddha (der Erleuchtete) Gautama (Asket) Siddharta (er hat sein Ziel erreicht). Der Geschichtliche Kern seiner Legende ist folgender:

Um 560 v. Chr. ist Buddha im heutigen Nepal in einer hohen Kaste des Hinduismus aufgewachsen. Im jugendlichen Alter wird er wohl auf verschiedenste Art und Weisen mit dem Leid der Welt konfrontiert. Diese Konfrontation bringt eine radikale Wende in sein Leben. Mithilfe indischer Weisheit und schließlich über Jahre als strenger Asket versucht er eine Antwort auf die Frage nach dem Leid der Welt zu finden. Buddha bemerkte nun, dass die Lösung für sein Problem nicht mehr im Hinduismus findet.

Lehre des Buddhismus

Der Weg der Mitte

Aus der persönlichen Erfahrung Buddhas heraus, ist ein erster Ansatzpunkt seiner Lehre ein Weg der Mitte zwischen den zwei Extremen eines Lebens in Überfülle und Selbstquälerei zu finden. Er benennt

Die Wahrheit vom Leid

Gerade durch Phasen der Meditation kam Buddha zu weiteren Erkenntnissen über das Leid. Zuerst muss die Erkenntnis reifen, dass das menschliche Leben vom Leid durchzogen ist, dass aber Hauptgrund für das Leid der Durst nach immer mehr ist. Indem man versucht, dieses „Immer-mehr-wollen“ aufzugeben, gelangt man dem Zustand des Nirvana (möglichst frei von Leidzuständen zu sein) immer näher.

Der Acht-teilige Pfad als Weg

Dieser Weg betont zum Ersten, konkrete Möglichkeiten die Lehre auch ethisch umzusetzen, aber vor allem den Weg der Meditation als extrem wichtig für die reine Selbsterlösungslehre ohne Götter.

Die Fahrzeuge des Buddhismus

Die ursprüngliche Lehre Buddhas spaltete sich ab dem 4. Jh. n. Chr. in verschiedene Richtungen: Buddhas reine Selbsterlösungslehre wird heute nur noch von buddhistischen Mönchen im sogenannten „kleinen Fahrzeug“ mit dem Schwerpunkt in Südostasien praktiziert.

Das sogenannte „große Fahrzeug“ entwickelte die Ursprungslehre zur heutigen Hauptlehre. Jetzt kamen auch wieder Vorstellungen göttlicher Verehrung und Erlösungsvorstellungen in die Lehre hinein. Das Nirvana ähnelt hier dem hinduistischen Moksha.



Quellen

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth Krüger-Ross: fünf Phasen des Sterbens
  2. So das lesenswerte Urteil des Bundesverfassungsgerichts; siehe hier.

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