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Geschichte: 8. Klasse | Die Industrielle Revolution

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Die Industrielle Revolution

Die Industrielle Revolution war ein schlagartiger und weit umfassender Umbruch in den Bereichen der Wirtschaft, Technologie und auch der Sozialstruktur.

Die Gesamtheit der Veränderungen der wirtschaftlichen und sozialen Organisation begann um 1760 in England und später in anderen Ländern und wurde hauptsächlich charakterisiert durch die Ersetzung der Handarbeit durch kraftbetriebene Maschinen, wie zum Beispiel dem Webstuhl und der Dampfmaschine. Außerdem war die Konzentration auf die Industrie in großem Umfang ein wichtiges Merkmal.

Die Industrialisierung in England war der Ausgangspunkt der Industrialisierung in ganz Europa und hatte vor allem als Ursache die Kontinentalblockade durch Napoleon und den Puritanismus. Weitere Gründe waren die Förderung natürlicher Ressourcen, der Bevölkerungswachstum, kurze Transportwege, bessere Geographiekenntnisse, individuelle Freiheit und einfallsreiche Menschen, die wichtige Maschinen entwickelten.

Die Textilindustrie – Die Antriebskraft

Viele Bauern, die auf dem Land lebten, züchteten Tiere und arbeiteten auf dem Feld, was aber nicht reichte, um zu überleben. Deshalb arbeiteten sie von zuhause aus für die Textilindustrie, wo sie für Kleiderhändler Wolle spannen. Durch den Export der Kleidung stieg die Nachfrage an Kleidung, was dazu führte, dass die Bauern nun in Städte zogen und in Fabriken arbeiteten.

Die Arbeitsbedingungen aber waren schlecht. Es mussten Frauen und Kinder arbeiten, damit die Familie überleben konnte, da die Arbeiter sehr niedrige Löhne erhielten; sie hatten sehr lange Arbeitszeiten (bis zu 16 Stunden am Tag), große Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit in den Fabriken erschwerten die Arbeit und strenge Regeln (u.a. Bestrafung, falls etwas beschädigt wurde) sowie die Angst einer Kündigung prägten den Alltag der Fabrikarbeiter.

Die Industrialisierung in Deutschland

In Deutschland begann die Industrialisierung erst 1835. Gründe hierfür waren, dass durch den Absolutismus und den damit verbundenen Merkantilismus kein Geld für Investitionen zur Verfügung stand, die Geographie Deutschlands (beinahe keinerlei Küsten, zentrale Lage in Europa), das Fehlen von Kolonien, die hauptsächlich vorkommende Agrarwirtschaft, keine gute Infrastruktur, ein unterentwickeltes Bildungssystem, verschiedene Stände und die Gilden, in denen strenge Regeln herrschten.

Die Industrialisierung in Deutschland begann am 7. Dezember 1835 mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Nürnberg–Fürth. Durch den starken Ausbau der Eisenbahnstrecken wuchs die Kohle- und Stahlindustrie rasant. So wurden viele wichtige Strecken gebaut, wie Berlin-Potsdam (1838), München-Augsburg (1839) und Bamberg-Nürnberg (1844).

Die Aufstiegsphase

Die Eisenbahnstrecken waren für die industrielle Revolution die treibende Kraft und hatten starke Auswirkungen auf die Wirtschaft. Nachdem die Kohle- und Stahlgewinnung stark angestiegen war, folgten weitere Branchen nach. Zum einen entstand die chemische Industrie, deren größter Vertreter die BASF (Badische Anilin- und Soda-Fabrik) war (bzw. ist). Zum Anderen etablierte sich die Elektroindustrie mit ihrem Vertreter AEG („Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“).

Durch die neuen Branchen wurden weitere wichtige Gegenstände wie das Telefon (Alexander Graham Bell), die elektrische Glühbirne (Thomas Alva Edison) und der Dynamo (Werner von Siemens) erfunden.

Die Lebensbedingungen

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen wurden maßgeblich von den niedrigen Löhnen und der damit verbundenen Armut der Familien gekennzeichnet. Da durch Arbeitszeiten, wie sie heute üblich sind, keine Familie hätte überleben können, musste man bis 16 Stunden täglich mit Ausnahme des Sonntags arbeiten. Außerdem waren häufig die Frauen und Kinder dazu gezwungen, auch in Fabriken zu arbeiten, da dennoch das Geld zu knapp war.

Trotzdem verdienten die Fabrikarbeiter mehr als die Bauern auf dem Land, was dazu führte, dass immer mehr Menschen in die Städte zogen, sich diese sehr schnell vergrößerten, ohne dass sich die Infrastruktur vollständig entwickeln konnte.

Außerdem war die Arbeit in den Fabriken äußerst gefährlich, da es kaum Sicherheitsvorkehrungen gab. Zudem war es in den Fabriken sehr heiß (über 50°C), staubig, dunstig und teilweise sehr kalt, was alles dazu führte, dass die Menschen häufig erkrankten.

Anstrengungen zur Lösung der sozialen Probleme

Arbeiter

Karl Marx und Friedrich Engels waren aus der Mittelschicht und hatten die Idee einer kommunistischen Gesellschaft. Sie beriefen sich auf die Menschheitsgeschichte. Ihre Aussage war, dass in der prähistorischen Gesellschaft alle Menschen gleich waren und danach über verschiedene Systeme, in denen stets eine Trennung zweier Bevölkerungsgruppen gab, hinweg wieder zu einer Gleichheitsgesellschaft kommt.

1847 wurde die Kommunistische Liga gegründet, 1863 der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (durch Ferdinand Lasalle), 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die beide 1875 in die Gründung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der SPD, mündeten.

Fabrikbesitzer

1844 kam es zu schweren Aufständen in Schlesien, was Fabrikbesitzer dazu brachte, ihre Arbeitnehmer besser zu behandeln. Als Besserung bauten sie neue Häuser für die Arbeiter, bezahlten Boni, hielten Basisunterricht für die Kinder, führten die Gesundheitsversicherung und Rente ein und gewährten bezahlten Unterricht.

Die Politik hielt sich vorerst jedoch aus den Geschehnissen heraus und die Arbeiter hatten immer noch kein Recht zu streiken und so ihre Meinung geltend zu machen.

Die Kirche

Die Kirche fühlte sich dazu verpflichtet, die Armen, Kranken, Alten, Witwen und Waisen zu unterstützen. Aus diesem Grund spendete die Kirche diesen Bevölkerungsgruppen Geld und Nahrung.

Johann Hinrich Wichern (1808-1881) begründete hierfür die Innere Mission. Diese versuchte durch die Errichtung eines Gesamtlebensgefüges, in der man das Seelenheil erreichen kann, zu helfen.[3]

Adolph Kolping (1813-1865) war zunächst Schuhmacher, wurde später aber zum katholischen Pfarrer geweiht. Er war der Begründer der Gesellenvereine und verbreitete seine Ansichten über Zeitungen und Bücher.

Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811-1877) war Bischof der katholischen Kirche und engagierte sich sehr für die Arbeitnehmerklasse, wodurch die Kluft zwischen Arm und Reich ein wenig geschlossen werden konnte.

Regierung

Otto von Bismarck, Reichskanzler, verabschiedete zum Einen die Sozialistengesetze, in denen es verboten wurde, sozialistische oder sozialdemokratische Gruppierungen zu bilden und deren Ausübung fortzuführen.

Auf der anderen Seite standen die Sozialgesetze, mit denen er die Arbeiter schützen wollte. 1883 wurde so die Krankenversicherung, 1884 die Unfallversicherung und 1889 die Alters- und Invaliditätsversicherung eingeführt. Die Kosten für diese Beiträge wurden zum Teil vom Arbeitgeber getragen. Dies war der Beginn unseres heutigen Sozialstaates.

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