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Geschichte: 12. Klasse | Historische Wurzeln des Nahostkonflikts

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Der Nahe Osten: Historische Wurzeln eines weltpolitischen Konflikts

Der Widerstreit zwischen den Römern und den Juden im antiken Palästina

Der Beginn der römischen Herrschaft

Der römische Feldherr Pompeius Magnus Gnaeus (106-48 v. Chr.) eroberte im Jahre 63 v. Chr. nach einer dreimonatigen Belagerung Jerusalem. Zuvor gab es auf jüdischer Seite machtpolitische Streitigkeiten, die die Eroberung begünstigte. Anschließend betrat Pompeius den Tempel, dem wichtigsten Heiligtum der Juden. Die Herrschaft Roms über Judäa begann damit mit einem für das jüdische Volk großen Affront.

Die Eroberung war der Anfang der römischen Kontrolle über Judäa für etwa 700 Jahre. Die Römer nutzten ihre Herrschaft dazu, den Nahen Osten nach ihren Vorstellungen neu zu ordnen. So gründeten sie unter anderem die Provinz Syrien.

Konflikte zwischen den Römern und den Juden

Während der Fremdherrschaft kam es immer wieder zu Konflikten. Insbesondere die jüdisch-radikalen Zeloten leisteten Widerstand und versuchten Judäa wieder unabhängig werden zu lassen. Sie versuchten hierdurch ebenfalls religiöse Ziele – wie die Ankunft des Messias – zu erreichen.

Auf römischer Seite zeitigte man zudem wenig Respekt vor dem Volk und dessen Heiligtümern. Militärische Aufmärsche und zusätzliche, das einfache Volk stark belastende Steuern trugen ihren Beitrag zum wachsenden Unmut bei.

Römisch-jüdische Kriege

Dies führte schließlich zum ersten römisch-jüdischen Krieg, der von 66 bis 74 dauerte. Im Jahre 66 belagerten die radikal-jüdischen Truppen – die nun von der Mehrheit der Juden unterstützt wurden – Jerusalem. Bei ihrem versprochenen Abzug wurden die römischen Soldaten getötet.

Als der jüdische Adel sich an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung setzen wollte, kam es schließlich zum Bürgerkrieg zwischen diesen Aristokraten und den Zeloten. Dies schwächte die jüdische Seite erheblich.

Die Römer nutzten dies aus. Sie eroberten 70 wieder Jerusalem zurück und plünderten und zerstörten den Tempel. Vier Jahre später konnten die römischen Truppen den letzten Widerstand brechen. In der Wüstenfestung Masada waren noch knapp 1000 Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung, die jedoch kurz vor der Einnahme der Festung kollektiven Suizid begingen. Masada wurde und ist dadurch immer noch ein Symbol für den Widerstand und die Freiheit Israels.

Unter dem jüdischen Fürsten Simon Bar Kochba kam es zu einem erneuten – nach ihm benannten – Aufstand, der letztlich zum zweiten römisch-jüdischen Krieg (132-135) führte. Gründe waren Bestrebungen des Kaisers Hadrian (Reg. 117-138), Jerusalem als „Aelia Capitolina“ neu aufzubauen und das Beschneidungsverbot für Juden.

Nach einer erfolgreichen Eroberung Jerusalems und Judäas wurde der Erfolg von den Israeliten gefeiert. Die Römer nahmen das Gebiet aber rasch wieder ein; viele Juden wurden im Verlaufe dessen gefoltert und getötet. Ein großer Teil emigrierte zudem in andere Gebiete. Schließlich wurde das durch den Krieg zerstörte Jerusalem als Aelia Capitolina neu aufgebaut; zudem wurde Judäa zu (Syrien-)Palästina umbenannt, um so kulturelle Verbindungen zwischen dem jüdischen Volk und dem Land zu unterbinden.

Das Zeitalter der Kreuzzüge

Wirkungen der Kreuzzüge

Die Beurteilung, wie die Kreuzzüge das Verhältnis zwischen den Christen und den Muslimen beeinflusst haben, ist nach wie vor umstritten. Während manche Historiker grundsätzlich von negativen Auswirkungen ausgehen, differenzieren andere zwischen kurz- und langfristigen Folgen. Auf letztere bezogen wird von einer Belastung der Beziehung gesprochen. Zur Zeit der Kreuzzüge waren diese jedoch „nur“ Ausdruck einer zunehmenden Konfrontation zwischen Christen und Muslimen im gesamten Mittelmeerraum.

Ausbreitung des Islam

638 – sechs Jahre nach dem Tod Mohammads – eroberten die Muslime Jerusalem und Palästina. Damit begann deren 450 Jahre dauernde Herrschaft. Von christlicher Seite wurde dies aber nicht als Bedrohung gesehen: Christlichen Pilgern wurde der Zugang zu Jerusalem sowie die Religionsausübung gestattet.

Dies änderte sich mit der Eroberung Palästinas durch die Seldschuken (1076-1078) sowie durch den Sieg über die Byzantiner (1071). Christen konnten danach nicht mehr frei nach Jerusalem pilgern. In Europa verbreiteten sich daraufhin Gerüchte über Übergriffe auf Christen, für die es historisch jedoch keine Belege gibt. 1095 rief Papst Urban II. (1088-1099) nach dem Hilfeersuchen des byzantinischen Kaisers zum „gerechten Krieg“ auf.

Die Kreuzzugbewegung (1095-1291)

Nach dem Aufruf zum Kreuzzug auf dem Konzil von Clermont mit den Worten „Deus lo vult“ („Gott will es“) entstand eine Massenbewegung, die nicht nur die adressierten Ritter, sondern auch Frauen, Kinder und Gelehrte mobilisierte. Gründe hierfür gab es verschiedene: von rein wirtschaftlichen Erwägungen, über ideelle Bestrebungen wie Ehre hin zu religiösen Erlösungshoffnungen.

1099 kam schließlich der erste Kreuzzug im „Heiligen Land“ an. Er schaffte es, Jerusalem zu erobern. Dabei richtete er ein Blutbad an; der Großteil der Muslime und Juden, aber auch Christen unabhängig ihres Geschlechts und Alters wurden getötet.

Die Christen gründeten im eroberten Gebiet mehrere christliche Staaten, waren jedoch teilweise auf Hilfe aus Europa angewiesen. Ihre Hilfeersuchen führten ihrerseits zu weiteren Kreuzzügen. 1187 gelang es dem Sultan Saladdin jedoch, Jerusalem zu erobern. Die Zeit der Kreuzzüge endete schließlich mit der Eroberung Akkons durch die Muslime im Jahre 1291.

Christen und Muslime

Mit Gründung der christlichen Staaten etablierte sich ein Lehnswesen nach europäischem Vorbild. Die Herrscher übernahmen aber zum Teil islamische Traditionen, wie das Dhimmi-System, bei dem den „Ungläubigen“ gegen eine Kopfsteuer gewisse Rechte, insbesondere die Religionsausübung, eingeräumt wurden. Eine Gleichberechtigung zwischen den Religionen und christlichen Konfessionen gab es also nicht.

Die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen zeichneten sich insbesondere durch gegenseitige Vorurteile aus; jede Glaubensrichtung war von ihrer Überlegenheit überzeugt. Es gab jedoch auch diplomatische Vereinbarungen und interreligiöse Unternehmungen, was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass beide Gruppierungen die jeweils andere aus „ihrem Heiligen Land“ verschwinden sehen wollte.

1900: Imperialistische und nationalistische Verwerfungen im Nahen Osten

Wendepunkt: erster Weltkrieg

Das Osmanische Reich kontrollierte seit 1517 Palästina. Im Laufe des ersten Weltkriegs verlor es dieses Gebiet an Großbritannien. Danach zerfiel letztlich das Osmanische Reich. Diese Auflösung begann jedoch schon vor dem Kriegseintritt.

Seit der Zeit des Imperialismus verschärften sich zunehmend die Bestrebungen der europäischen Staaten nach mehr Kontrolle außerhalb Europas. Dazu kam, dass Nationalbewegungen im Vielvölkerstaat zunahmen, was zu einer weiteren Instabilisierung führte.

Jüdische Einwanderung und zionistische Bewegung

Anzahl der jüdischen Einwohner
                    in Palästina
Anzahl der jüdischen Einwohner in Palästina[2]

Vor der Wende zum 20. Jahrhundert war die Einwanderung von Juden eine Bewegung einzelner Personen. Seit den 1880er-Jahren stieg die Zahl aufgrund von Pogromen insbesondere in Osteuropa rasant an.

Die Immigranten wurden durch den politischen Zionismus unterstützt. Begründer dieser Bewegung war Theodor Herzl (1860-1904), der die Gründung eines Judenstaats in Palästina anstrebte. Gründe hierfür waren die anhaltende Diskriminierung jüdischer Bürger und der Gedanke, dass die Judenemanzipation gescheitert war.

Seit dem ersten Zionistenkongress 1917 wurde auch versucht, die europäischen Großmächte von der Gründung eines Judenstaats zu überzeugen. Diese waren jedoch nicht an einer Unterstützung interessiert. Die Bewegung half jedoch die Einwanderung, indem z.B. 1901 der Jüdische Nationalfonds und 1902 die Anglo-Palestine-Bank gegründet wurde, durch die die Finanzierung des Landkaufs und des Siedlungsbaus gefördert wurde.

Ende der osmanischen Herrschaft

Das osmanische Reich verlor bereits seit dem Ende des 17. Jahrhunderts an Macht und Land. Die europäischen Staaten verlangten besondere Rechte, insbesondere auch in Palästina. Unter anderem versuchte Großbritannien durch die Ansiedlung von Juden seinen Einfluss im Nahen Osten zu vergrößern. Die innereuropäische Konkurrenz sorgte aber auch dafür, dass kein Staat alleine die Kontrolle über Palästina ausüben konnte; vielmehr wurde die Herrschaft des Osmanischen Reiches bewahrt.

Seit den 1850er-Jahren geriet der Vielvölkerstaat aber immer mehr in Bedrängnis: Die europäischen Staaten verstärkten ihre imperialistischen Ziele und die nationalen Bestrebungen fanden zunehmend Zustimmung.

Die größer werdende Einwanderung der Juden in den Nahen Osten versuchte das Osmanische Reich auch zu begrenzen: Ziel war es, die territoriale Ausbreitung und Kontrolle der europäischen Staaten zu verhindern. Auch die „Jungtürken“, die 1908 die Macht an sich rissen, verfolgten dieses Ziel. Sie versuchten zudem einen Zentralstaat mit türkischer Prägung zu bilden. Dies führte aber zu weiteren Spannungen der nicht-türkischen und insbesondere der arabischen Bevölkerung.

Letztlich endete die osmanische Herrschaft über Palästina mit der britischen Eroberung in den Jahren 1917 und 1918. Der Völkerbund übertrug 1920 das Mandat über das Gebiet an Großbritannien; dessen Statuten wurden 1922 bestätigt und traten 1923 in Kraft.

Britische Nahostpolitik

Für Großbritannien war Palästina auch zuvor ein strategisch wichtiges Gebiet, da so auf die indische Kolonie „zugegriffen“ werden konnte. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts versuchte man nicht mehr das Osmanische Reich in seiner Gesamtheit zu bewahren, sondern übte zunehmend Druck aus, um so das immer wichtiger werdende Erdöl des Nahen Ostens nutzen zu können.

Ein weiterer Grund war der Kampf gegen die Achsenmächte. Mögliche Verbündete sah man in den Arabern. Um sie von einem Krieg gegen das Osmanische Reich zu überzeugen, versprach man ihnen die Schaffung eines arabischen Reiches. Trotz nicht unerheblicher Unklarheiten traten die Araber im Juni 1916 auf der Seite der Entente ein. Um jedoch nach dem Krieg die Schaffung des arabischen Reiches zu verhindern, behauptete Großbritannien, dass die Araber ihren Vertragsteil nicht eingehalten hätten.

1916 handelten der Brite Mark Sykes und der Franzose Charles François Picot einen Vertrag aus. Dieses Picot-Sykes-Abkommen teilte den Nahen Osten in eine britische und in eine französische Herrschaftsspähre, wodurch die jeweiligen Interessen gefördert wurden. Arabische oder zionistische Ziele wurden dabei nicht beachtet.

Gegenüber den Juden wurde jedoch die Unterstützung der zionistischen Bewegung inklusive einem eigenen Staat zugesagt. Als diese Balfour-Deklaration im arabischen Raum bekannt wurde, sah man dies als britischen Vertrauensbruch und Niederlage.

Arabischer Widerstand

Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches wurde mit dem Frieden von Sèvres, der auf dem Picot-Sykes-Abkommen beruhte, der Nahe Osten nach britischen und französischen Vorstellungen neu geordnet. Der Völkerbund stimmte dieser Lage zu, indem er beiden Nationen Mandate zuwies; sie wurden dadurch zu politischen Bevollmächtigten.

Dagegen mussten die Araber ihre Bestrebungen zur Unabhängigkeit aufgeben. Insbesondere die arabisch-palästinensische Nationalbewegung, die auf eine souveräne arabische Nation abzielte, war zu Ende.

Diese Rückschläge führten ab 1919/20 zu arabischen Aufständen, die 1922 und 1932 zur Unabhängigkeit Ägyptens und Iraks führte; der bedeutende Suez-Kanal wurde aber weiterhin von Großbritannien kontrolliert. Transjordanien blieb bis 1946 trotz einer Abspaltung im Jahre 1922 unter britischer Verwaltung. Nach Übergriffen auf Juden 1920/21 gestanden die Briten der arabisch-palästinensischen Bevölkerung schließlich die religiöse und kommunale Selbstverwaltung zu, was zumindest zeitweise die Lage beruhigte.

Die Gründung Israels

Britische Mandatsherrschaft

Das Mandat des Völkerbundes an Großbritannien bezog sich nicht allein auf die jüdische Bevölkerung, sondern bezog sich auf die gesamte Bevölkerung Palästinas. Die britische Mandatsherrschaft wurde auf arabischer Seite als neue koloniale Kontrolle angesehen; die Zionisten und in Palästina lebenden Juden („Jischuw“) begrüßten aber das Mandat, insbesondere weil es die Balfour-Erklärung über die Gründung „einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ bekräftigte. Zudem sollte eine jüdische Vertretung („Jewish Agency“) eingesetzt werden.

Juden und Araber

Durch die britische Mandatsherrschaft stieg das Ansehen des Zionismus. Immer mehr Juden wanderten nach Palästina aus, seit 1933 insbesondere auch durch den Nationalsozialismus. Durch die größer werdende Bevölkerung bildeten sich zahlreiche Organisationen, die später für die Staatsgründung Israels bedeutend werden sollten. Neben diesen gründeten der Jischuw zu ihrem Schutz militärische Einheiten („Haganah“). Die Jewish Agency for Palestine trat für die jüdischen Interessen gegenüber den Briten ein und spielte für die Staatsgründung ebenfalls eine wichtige Rolle.

Der arabische Nationalismus wurde dadurch neu entfacht. Er führte vermehrt zu Protesten und Unruhen, die teilweise pogromartige Ausmaße annahmen. Beim Massaker von Hebron wurden etwa 60 Juden ermordet. Zwischen 1936 und 1939 kam es zudem zum Großen Arabischen Aufstand.

Kurswechsel in der britischen Politik

Aufgrund dieser Ausschreitungen musste Großbritannien seine Nahost-Politik ändern. Die sogenannte Peel-Kommission schlug 1936 als Lösungsansatz vor, in Palästina eine Teilung in einen Juden- und einen Araberstaat vorzunehmen. Dabei sollten etwa 80 Prozent in arabischer Hand bleiben, etwa 20 Prozent jüdisch werden; Jerusalem sollte aber weiterhin unter britischer Kontrolle bleiben.

Während die arabische Seite diesen Vorschlag ablehnte, waren die Zionisten und der Völkerbund damit einverstanden. Nachdem es aber wieder zu Unruhen kam, erklärte Großbritannien sowohl die Teilungspläne als auch die Schaffung einer Heimatstätte für die Juden für beendet. Dies wurde im Weißbuch von 1939 publik gemacht; bis 1944 durften nur 75.000 Juden in Palästina einwandern und der Landkauf wurde eingeschränkt. Dies traf insbesondere die vor dem Nationalsozialismus Fliehenden. Nach 1944 sollten die Araber selbst über die jüdische Immigration entscheiden dürfen.

Verstärkte Kampfbereitschaft und illegale Einwanderung

Durch das Weißbuch wandte sich der Jischuw von der britischen Seite ab. Die Führungspersönlichkeiten der zionistischen Bewegung verfolgten nunmehr eine offensive Politik, die zu einem Widerstand in Form von Streiks und Protesten führten. Die Jewish Agency dachte auch über militärische Operationen gegen arabische und britische Institutionen nach.

Mit der Haganah wurde außerdem eine systematische illegale Einwanderung („Alijah Beit“) vollzogen. Als die britische Regierung hiervon erfuhr, versuchte sie dies zu unterbinden. Nachdem hierbei auch Menschen gestorben sind, verlor Großbritannien an Ansehen, während die zionistische Bewegung aufgewertet wurde. Nunmehr sprachen sich Mitgliedsstaaten der UNO für die Gründung eines jüdischen Staates aus.

UN-Teilungsplan

1947 erklärte Großbritannien offiziell, dass es nicht mehr die faktische Macht in Palästina hatte. Es übertrag deshalb das Problem den Vereinten Nationen. Der Sonderausschuss für Palästina (UNSCOP, „United Nations Special Committee for Palestine“) war dafür, das britische Mandat zu beenden. Jedoch konnte man sich nicht auf die Lösung des Palästina-Problems einigen. Die Vollversammlung der UN entschied sich in der Resolution 181 im November 1947 für eine Teilung Palästinas und damit gegen einen binationalen Föderativstaat aus. Großbritannien erklärte, dass es bis Mai 1948 die Truppen abziehen werde, aber nicht den Teilungsprozess unterstützen werde. Vielmehr behinderten die Briten sogar die Vorbereitungen der Vereinten Nationen.

Kurz nachdem die Resolution verabschiedet worden war, begann ein Bürgerkrieg zwischen den Juden und Arabern. Ab 1948 versuchten die unterschiedlichen Gruppierungen in erster Linie, strategisch wichtige Punkte für sich zu beanspruchen.

Zionistische Militärorganisationen versuchten zudem das Gebiet, das nach der Resolution den Juden zufallen sollte, und die jüdischen Siedlungen sowie Jerusalem unter ihre Kontrolle zu bringen. Hierbei kam es auch zu Übergriffen auf die Zivilbevölkerung, auch zu Massakern. Aufgrund solcher Nachrichten floh die arabische Bevölkerung in Massen; der Großteil der emigrierten Araber wurde jedoch vertrieben. Durch Vergeltungsaktionen verschärfte sich die Lage zusätzlich.

Staatsgründung Israels

Am 14. Mai 1948 erklärte der Jischuw die Unabhängigkeit und gründete damit den Staat Israel. Die jüdische Bevölkerung war davon überzeugt, dass sie das Recht hatte, wie jedes andere Volk innerhalb eines gemeinsamen souveränen Staates zu leben. Die Staatsgründung führte aber nicht zu einer Befriedung. Die angrenzenden arabischen Staaten, die den UN-Teilungsplan ohnehin nicht akzeptierten, versuchten militärisch gegen Israel vorzugehen, was zum ersten Nahostkrieg führte.

Der Nahostkonflikt während des Kalten Krieges

Israel und die palästinensischen Araber

Durch den ersten Nahostkrieg mussten die palästinensischen Araber ihren Wunsch nach einem eigenen Staat aufgeben. Sie waren zum einen militärisch zu schwach und zum anderen waren mögliche Gebiete zur Staatsgründung durch Israel und Transjordanien besetzt. Insgesamt verließen 650.000 Palästinenser ihre Heimat und fanden in den Nachbarländern Schutz. Dort wurden sie aber nur in provisorischen Lagern untergebracht, wo sie auch heute noch hausen müssen. Schätzungen gehen davon aus, dass zur Zeit etwa 3 Millionen Flüchtlinge in diesen Lagern leben.

Diese „nakba“ (Katastrophe) für die Palästinenser verschärfte sich dadurch, dass Israel die durch den Krieg eroberten Gebiete in das eigene Staatsgebiet aufnahm und den Flüchtlingen eine Rückkehr verbot. Für die Palästinenser und die arabischen Nachbarstaaten ist dies daher eine Prämisse für eine friedliche Beilegung des Nahostkonflikts.

Wandel in der palästinensischen Politik

1964 wurde die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) gegründet. Sie wollte Palästina befreien und die Gründung eines unabhängigen Staates erreichen. Sie setzte nicht nur auf militärische Mittel, sondern auch auf Wirtschaftsförderung, soziale Maßnahmen und Bildung.

Unter Yassir Arafat – ab 1969 Vorsitzender der PLO – entwickelte sie sich zu einer eigenständigen nationalen Organisation. Sie zeichnete sich durch die bedingungslose Ablehnung des Existenzrechts Israels, Gewalttaten und Terroranschlägen aus. Seit Mitte der 1970er-Jahre wandelte sich jedoch das Bild, wodurch sie international an Ansehen gewann. Sie galt nunmehr als offizielle palästinensische Repräsentation und konnte so auch Vertretungen in fremden Ländern eröffnen.

Die PLO verzichtete daher auf radikale Lösungsversuche. Sie forderte nun die Gründung eines palästinensischen Staates auf dem seit 1967 von Israel besetztem Gebiet. Arafat kündete auch eine auf Ausgleich gerichtete Politik an. Zwar verlor Ende der 1980er-Jahre die PLO beinahe die Führungsrolle durch radikalere Gruppierungen; 1988 schwor Arafat dennoch endgültig dem Terrorismus ab und erkannte nun das Existenzrecht Israels an. Israel hingegen sah zunächst in der PLO aber immer noch eine Terrororganisation und lehnte Gespräche ab. Erst 1993 änderte Israel seine Haltung.

Israel und die arabischen Staaten

Neben den Problemen mit den Palästinensern bestehen als eine zweite Ebene des Nahostkonflikts die Auseinandersetzungen zwischen Israel und den arabischen Staaten. Mit diesen führte Israel insgesamt fünf Kriege (1947/48 den 1. Nahostkrieg, 1956 den Suezkrieg, 1967 den Sechs-Tage-Krieg, 1973 den Jom-Kippur-Krieg und 1982 den Libanonkrieg).

Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die arabischen Nationen untereinander keine Einheit bilden, sondern eigene Interessen verfolgen. Sie führten auch gegeneinander Kriege, die jedoch nicht als Nahostkriege bezeichnet werden. Ägypten und Jordanien schlossen mit Israel 1979 bzw. 1994 Friedensverträge; Syrien hingegen sieht in Israel den „zionistischen Feind“ und einen Kampf um die Existenz; Saudi-Arabien versuchte dagegen sich als Hüter des Islam zu etablieren.

Politik der USA und Sowjetunion

Bis in die 1950er-Jahre beeinflussten vor allem Großbritannien und Frankreich den Nahen Osten. Während des Kalten Krieges spielten aber die USA und die Sowjetunion eine tragende Rolle. Beide Großmächte erkannten Israel an, die USA standen aber tendenziell Israel nahe, während die Sowjetunion die Palästinenser und einige arabische Staaten unterstützte. Die UdSSR konnte ihre Macht am Mittelmeer ausbauen, verlor aber seit 1973 an Einfluss. Syrien war für die Sowjetunion seit 1980 der wichtigste Partner. Die USA wurden gleichzeitig zum Vermittler zwischen den Interessengruppen; konnten aber nur bedingt etwas erreichen.

Beide Mächte hatten jedoch nur begrenzte Möglichkeiten, im Nahen Osten zu agieren. Es darf auch nicht übersehen werden, dass sowohl die USA als auch die Sowjetunion geopolitische Bestrebungen hatten. Außerdem spielt auch heute noch in der Politik des Nahen Ostens die Rolle der Erdölvorkommen eine bedeutende Rolle.

Möglichkeiten und Grenzen der Friedenspolitik im Nahen Osten

Die erste Intifada

Nach einem Verkehrsunfall im Dezember 1987 durch einen israelischen Militärlaster, bei dem vier Palästinenser gestorben waren, kam es zu Demonstrationen gegen die israelische Besatzung im Gazastreifen. Diese Unruhen griffen innerhalb kurzer Zeit auch auf das Westjordanland und Ost-Jerusalem über. Israels Militär reagierte darauf mit harschen Maßnahmen. Im ersten Jahr starben 616 Palästinenser – ein großer Teil davon Kinder – und 19 Israelis. Die Unruhen entwickelten sich zu einer Rebellion, die bis 1993 andauerte. Diese wird erste „Intifada“ (Abschüttelung) genannt.

Die palästinensisch geprägten Gebiete wurden zu dem Zeitpunkt bereits seit über 20 Jahren vom israelischen Militär besetzt. Durch die schlechter werdende wirtschaftliche Lage bei zunehmender Bevölkerung, hohe Arbeitslosigkeit, israelischen Siedlungsbau und starke Beschränkungen des täglichen Lebens durch das Militär sorgten dafür, dass nicht nur wie anfangs die Jugendlichen auf die Straße gingen, sondern, dass die Intifada von der ganzen Bevölkerung getragen wurde.

Die Demonstrationen wurden rasch von der PLO organisiert. Sie rief zum Volksaufstand auf, der am deutlichsten durch Generalstreiks und Steuerverweigerung wurde. Neben dem Ende der Besatzung strebten die Palästinenser die Gründung eines eigenen Staates an. Aus diesem Grund errichtete man eine eigene Infrastruktur. Israel reagierte hierauf, indem Schulen und Universitäten geschlossen wurden. Jordanien gab 1988 infolge der Intifada seinen Anspruch auf das Westjordanland auf. Im gleichen Jahr wurde zudem der Staat Palästina ausgerufen, durch den auf palästinensischer Seite die Zweistaatenlösung akzeptiert wurde.

Die Intifada endete schließlich am 13. September 1993 mit der Osloer Prinzipienerklärung. Durch sie sollten auf den besetzten Territorien innerhalb einer Übergangsphase von fünf Jahren eine Selbstverwaltungsorganisation eingerichtet werden und Verhandlungen für den „Endstatus“ eingeleitet werden. Dieser Friedensprozess wurde häufiger durch die islamistische „Hamas“ gestört, die einen islamischen Staat anstrebte.

Zweite Intifada und Roadmap

Im Jahre 2000 begann die zweite Intifada – auch „Al-Aqsa-Intifada“ genannt. Auslöser war ein von den Palästinensern als Affront empfundener Auftritt eines israelischen Politikers am Tempelberg. Sie war geprägt von einer stärkeren Eskalation und einer größeren Gewalt. Es kam zudem zu vielen Selbstmordattentaten. Auf diesen Terror antwortete das israelische Militär mit der Bombardierung und Zerstörung der palästinensischen Infrastruktur und Häuser. Dies wiederum wurde auf der anderen Seite als Staatsterror empfunden.

Um diese Gewaltspirale zu beenden, intervenierten die EU, die USA, die UNO und Russland, die die „Roadmap“ ausarbeiteten, die zu einem Frieden zwischen den Konfliktparteien führen sollte. Sie wurde 2003 offiziell übergeben. Am 8. Februar 2005 vereinbarten die Palästinenser und Israel eine Waffenruhe, wodurch die zweite Intifada beendet war. Es zeigt sich jedoch, dass die Lage im Nahen Osten äußerst angespannt ist und dass eine baldige Lösung des Konflikts nicht zu erwarten ist.

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